Notgroschen aufbauen: Wie viel Reserve du wirklich brauchst

22. Juni 2026 · Lesezeit ca. 4 Min. · Redaktion: RenditeRadar

Wie hoch dein Notgroschen sein sollte, wovon die Höhe abhängt und warum du ihn auf dem Tagesgeld parkst – bevor du mit dem Investieren startest.

Ein Notgroschen ist die finanzielle Reserve, die dich auffängt, wenn das Leben dazwischenkommt: Die Waschmaschine streikt, das Auto braucht eine neue Kupplung oder der Job fällt unerwartet weg. Ohne dieses Polster landen solche Überraschungen schnell auf dem Dispo oder zwingen dich, Investments im falschen Moment zu verkaufen. Mit einem soliden Notgroschen bleibst du handlungsfähig – und genau deshalb ist er der erste Baustein eines vernünftigen Vermögensaufbaus, noch vor dem ersten Euro im Depot.

Was ist ein Notgroschen überhaupt?

Der Notgroschen ist kein Spartopf für den nächsten Urlaub und keine Geldanlage, mit der du Rendite machen willst. Er hat genau eine Aufgabe: jederzeit sofort verfügbar zu sein, wenn du ihn brauchst. Deshalb gelten für ihn andere Regeln als für langfristige Anlagen. Wichtiger als ein paar Zehntel Prozent mehr Zinsen sind hier Verfügbarkeit und Sicherheit.

Das bedeutet auch: Geld, das du im Aktienmarkt investiert hast, ist kein Notgroschen. Es kann im Crash gerade dann 30 Prozent weniger wert sein, wenn du es dringend brauchst. Die Reserve und das Investment sind zwei getrennte Welten.

Wie hoch sollte der Notgroschen sein?

Die verbreitete Faustregel lautet: drei bis sechs Netto-Monatsausgaben. Entscheidend sind dabei deine tatsächlichen Ausgaben pro Monat, nicht dein Einkommen. Wenn du monatlich 2.000 Euro für Miete, Essen, Versicherungen und den Rest brauchst, liegt dein Zielkorridor also zwischen 6.000 und 12.000 Euro.

Ob du eher zu drei oder eher zu sechs Monatsausgaben tendierst, hängt von deiner Lebenssituation ab:

  • Sicheres, unbefristetes Arbeitsverhältnis, keine Kinder: Drei bis vier Monatsausgaben reichen oft.
  • Familie, nur ein Einkommen, Immobilie: Eher sechs Monatsausgaben, weil mehr von dir abhängt und mehr kaputtgehen kann.
  • Selbstständig oder unregelmäßiges Einkommen: Tendenziell sechs Monate oder mehr, da Einnahmen stärker schwanken.
  • Alte Wohnung, altes Auto, viele potenzielle Reparaturen: Lieber etwas großzügiger kalkulieren.

Wichtig ist, ehrlich mit dir selbst zu sein. Ein zu kleiner Notgroschen gibt nur scheinbar Sicherheit. Ein extrem großer dagegen bindet unnötig viel Geld, das langfristig kaum Rendite bringt.

Wo parkst du den Notgroschen am besten?

Die beste Heimat für deine Reserve ist das Tagesgeldkonto. Dort ist dein Geld täglich verfügbar, es schwankt nicht im Wert und es wird – anders als auf vielen Girokonten – verzinst. Aktuell liegen Tagesgeldzinsen in der Nähe des Leitzinses; der Einlagenzins der EZB beträgt derzeit 2,25 Prozent. So gleichst du wenigstens einen Teil der Inflation aus, ohne Risiko einzugehen.

Wenn du verschiedene Optionen vergleichen willst, hilft dir unser Tagesgeld-Vergleich, die passenden Konditionen zu finden. Achte dabei vor allem auf die Einlagensicherung: Innerhalb der EU sind Einlagen bis 100.000 Euro pro Bank und Kunde geschützt.

AnlageformVerfügbarkeitWertschwankungFür den Notgroschen?
TagesgeldtäglichkeineJa, ideal
GirokontotäglichkeineNur als Übergang
Festgelderst nach LaufzeitkeineNein, nicht flexibel
Aktien-ETF1–3 TagehochNein, zu riskant
Bargeld zu HausesofortkeineNur ein kleiner Teil

Festgeld ist für den klassischen Notgroschen nicht geeignet, weil dein Geld dort für die Laufzeit gebunden ist. Wenn du den Unterschied genauer verstehen willst, schau dir Tagesgeld oder Festgeld an. Für sehr planbare Rücklagen kann eine Festgeld-Strategie sinnvoll sein – der Notgroschen gehört aber aufs Tagesgeld.

Notgroschen vor dem Investieren

Viele Anfänger wollen am liebsten sofort in ETFs investieren. Das ist verständlich, aber die Reihenfolge ist entscheidend. Erst kommt die Reserve, dann das Investment. Der Grund ist simpel: Ohne Notgroschen musst du im Notfall genau dann an dein Depot, wenn die Kurse vielleicht im Keller sind. Ein realisierter Verlust schmerzt deutlich mehr als ein paar entgangene Renditeprozente.

So gehst du in der richtigen Reihenfolge vor:

1. Teure Schulden tilgen – etwa Dispo oder Konsumkredite, deren Zinsen jede Rendite auffressen. 2. Notgroschen aufbauen – drei bis sechs Monatsausgaben aufs Tagesgeld. 3. Langfristig investieren – erst danach Schritt für Schritt ins Depot, zum Beispiel breit gestreut über ETFs.

So baust du die Reserve Schritt für Schritt auf

Wenn dir der Zielbetrag riesig vorkommt, fang klein an. Setze dir ein erstes Etappenziel, etwa 1.000 Euro, und richte einen automatischen Dauerauftrag aufs Tagesgeldkonto ein – am besten direkt nach dem Gehaltseingang. Was automatisch passiert, musst du nicht jeden Monat neu entscheiden.

Nutze zusätzlich unerwartete Geldeingänge wie Steuererstattung, Bonus oder Geldgeschenke, um die Reserve schneller zu füllen. Sobald dein Notgroschen steht, leitest du den Sparbetrag konsequent in den Vermögensaufbau um. Wie viel du dafür monatlich zur Seite legen kannst, findest du gut mit der 50-30-20-Regel heraus.

Fazit

Der Notgroschen ist das Fundament deiner Finanzen: drei bis sechs Netto-Monatsausgaben, jederzeit verfügbar auf einem Tagesgeldkonto. Wie hoch genau, hängt von deinem Job, deiner Familiensituation und deinen Fixkosten ab. Wichtig ist die Reihenfolge – erst die Reserve, dann das Investment. Wer diese Basis hat, kann an der Börse ruhig schlafen, weil das echte Leben nicht ans Depot rührt. Vergleiche die Konditionen im Tagesgeld-Vergleich und richte am besten heute noch einen automatischen Dauerauftrag ein.

*Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Juni 2026.*

Häufige Fragen

Wie viel Notgroschen brauche ich konkret?

Als Faustregel gelten drei bis sechs deiner Netto-Monatsausgaben. Rechne also deine monatlichen Ausgaben zusammen und multipliziere sie mit drei bis sechs. Bei 2.000 Euro Ausgaben im Monat sind das 6.000 bis 12.000 Euro.

Soll der Notgroschen aufs Tagesgeld oder Festgeld?

Aufs Tagesgeld. Dein Notgroschen muss jederzeit verfügbar sein, und genau das bietet Tagesgeld. Festgeld bindet dein Geld für die Laufzeit und ist deshalb für die Notfallreserve ungeeignet.

Lohnt sich Investieren, bevor der Notgroschen steht?

Nein. Ohne Reserve musst du im Ernstfall womöglich Investments mit Verlust verkaufen. Tilge zuerst teure Schulden, baue dann den Notgroschen auf und investiere erst danach langfristig.

Verliert mein Notgroschen durch Inflation an Wert?

Ein Teil der Kaufkraft geht durch Inflation verloren, das stimmt. Auf dem Tagesgeld holst du dir mit den aktuellen Zinsen aber einen Teil zurück. Da Sicherheit und Verfügbarkeit hier wichtiger sind als Rendite, ist das ein bewusster Kompromiss.

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