Schufa-Score verstehen und verbessern: Was wirklich in die Bonität einfließt
13. Juli 2026 · Lesezeit ca. 13 Min. · Redaktion: RenditeRadar
Zahlungshistorie, Kontoalter, Anfragen der letzten 12 Monate: Was die Schufa seit der Score-Reform 2026 offenlegt, was weiterhin geheim bleibt und mit welchen realistischen Schritten du deine Bonität verbesserst.
Ein schlechter Schufa-Score kann darüber entscheiden, ob eine Bank deinen Ratenkredit genehmigt, welchen Zins du für eine Kreditkarte zahlst oder ob eine Wohnungsvermietung überhaupt zustande kommt. Trotzdem wissen die wenigsten, was konkret in diese Zahl einfließt. Seit Ende 2023 zwingen ein EuGH-Urteil und seit März 2026 eine grundlegende Score-Reform die Schufa zu deutlich mehr Transparenz. Dieser Artikel erklärt, was davon heute wirklich bekannt ist, was weiterhin ein Geschäftsgeheimnis bleibt und mit welchen Schritten du deine Bonität nachweisbar verbessern kannst.
Was ist der Schufa-Score überhaupt?
Die Schufa Holding AG ist die größte deutsche Auskunftei (Wirtschaftsauskunftei). Sie speichert Vertragsdaten, die ihr Banken, Mobilfunkanbieter, Versandhändler und andere Vertragspartner melden, und errechnet daraus einen Score-Wert – eine statistische Wahrscheinlichkeitsaussage, wie zuverlässig du künftige Zahlungsverpflichtungen erfüllst. Der Score selbst ist kein Vertragsentscheid, sondern eine Orientierungsgröße, die Banken und andere Unternehmen zusätzlich zu eigenen Kriterien heranziehen.
In der Praxis begegnet dir der Score an mehr Stellen, als vielen bewusst ist: bei der Prüfung eines Ratenkredits, bei der Kreditkartenvergabe und dem dabei eingeräumten Limit, oft auch bei Mietverträgen, Mobilfunk- oder Versandhandelsverträgen mit Rechnungskauf. Ein niedriger Score führt dabei nicht zwangsläufig zu einer pauschalen Ablehnung – häufig bedeutet er stattdessen schlechtere Konditionen, etwa einen höheren Zinssatz, eine Vorkasse-Pflicht oder ein niedrigeres Kreditlimit, weil der Anbieter sein Risiko einpreist.
Wichtig für die Einordnung: Die Schufa ist nicht die einzige Auskunftei in Deutschland. Auch CRIF Bürgel, Creditreform Boniversum und Infoscore Consumer Data (Teil der Bertelsmann-Gruppe) sammeln und bewerten Bonitätsdaten, mit teils eigenen Datenbeständen und Score-Modellen. Für die meisten Privatkredite, Kreditkarten und Mietverträge in Deutschland ist die Schufa jedoch die mit Abstand am häufigsten abgefragte Auskunftei – deshalb konzentriert sich dieser Artikel auf sie.
Die Score-Reform 2026: mehr Transparenz, aber keine offene Formel
Seit dem 17. März 2026 nutzt die Schufa ein neues, deutlich transparenteres Score-Modell. Statt eines schwer nachvollziehbaren Prozentwerts zwischen 0 und 100 % gibt es jetzt eine Punkteskala von 100 bis 999, die auf zwölf klar benannten Kriterien basiert – vorher waren es nach Schufa-Angaben deutlich mehr, kaum dokumentierte Einzelmerkmale. Der Umstieg läuft schrittweise: Anfang 2026 nutzten laut Schufa rund ein Viertel der anfragenden Unternehmen den neuen Score, bis Ende 2026 sollen es rund die Hälfte sein, eine vollständige Umstellung ist bis 2028 angepeilt. In der Übergangszeit kann es also sein, dass unterschiedliche Vertragspartner noch unterschiedliche Score-Werte zu dir abfragen.
Der Auslöser dieser Reform war nicht Freiwilligkeit, sondern regulatorischer Druck: Der Europäische Gerichtshof entschied am 7. Dezember 2023 in der Rechtssache C-634/21 (Vorlage des Verwaltungsgerichts Wiesbaden), dass die Schufa-Score-Bildung als „automatisierte Entscheidung im Einzelfall“ im Sinne der DSGVO zu werten ist, wenn der Score für die eigentliche Vertragsentscheidung – etwa die Kreditvergabe – maßgeblich ist. Die praktische Folge: Verbraucher haben seither einen deutlich stärkeren Anspruch darauf, nachvollziehbar zu erfahren, welche Faktoren in ihren Score eingeflossen sind, nicht nur eine allgemeine Formulierung über „mathematisch-statistische Verfahren“.
Die zwölf offengelegten Faktoren
Wichtig zu verstehen: Die Schufa nennt seit der Reform 2026 erstmals konkrete Kriterien und für jedes einen maximal erreichbaren Punktewert innerhalb der 999-Punkte-Skala. Das ist ein echter Transparenzgewinn gegenüber dem alten Modell. Die genaue mathematische Berechnungsformel – wie die Einzelwerte im Detail zum Gesamtscore verrechnet werden – hat die Schufa aber weiterhin nicht vollständig veröffentlicht. Die folgenden Angaben basieren auf den von der Schufa kommunizierten Eckdaten zum neuen Modell; im Einzelfall können sich Details noch ändern, solange die Umstellung läuft.
| Kriterium | Worum es geht | Max. Punkte (von 999) |
|---|---|---|
| Zahlungsstörungen | Offene Forderungen, Mahnungen, Inkasso- oder Insolvenzeinträge der letzten Jahre | 264 |
| Bank-Anfragen & neue Konten (12 Monate) | Wie viele neue Bankkonten/-anfragen kürzlich erfolgt sind | 117 |
| Nicht-Banken-Anfragen (12 Monate) | Anfragen von Vermietern, Mobilfunk- und Versandhändlern u. Ä. | 99 |
| Alter der ältesten Kreditkarte | Wie lange eine Kreditkarte bereits ununterbrochen besteht | 81 |
| Adressstabilität | Wie lange die aktuelle Meldeadresse unverändert ist | 94 |
| Neu aufgenommene Ratenkredite (12 Monate) | Anzahl kürzlich neu abgeschlossener Ratenkredite | 66 |
| Alter des ältesten Bankkontos | Wie lange ein Girokonto bereits besteht | 69 |
| Restlaufzeit des längsten Kredits | Wie lange laufende Kredite noch weiterlaufen | 61 |
| Immobilienkredit | Vorhandensein und Verlauf eines Baufinanzierungskredits | 55 |
| Alter der jüngsten Kreditlinie | Wie „frisch“ die zuletzt eröffnete Kreditlinie ist | 36 |
| Identitätsbestätigung | Ob Identitätsdaten zuverlässig bestätigt sind | 38 |
| Kreditstatus | Aktueller Status laufender Kreditverpflichtungen | 19 |
*Werte nach den von der Schufa im Rahmen der Score-Reform 2026 kommunizierten Eckdaten, gerundet und ohne Gewähr auf Vollständigkeit. Die Schufa veröffentlicht keine exakte Gewichtungsformel, mit der diese Einzelwerte zum Gesamtscore verrechnet werden.*
Auffällig: Mit bis zu 264 von 999 Punkten ist die Zahlungshistorie mit deutlichem Abstand der wichtigste Einzelfaktor. Wer in den vergangenen Jahren keine Zahlungsstörung hatte, erhält hier die volle Punktzahl – ein einzelner Zahlungsausfall kann dagegen überproportional stark ins Gewicht fallen.
Die vier Bonitätsklassen
Das neue Modell teilt die Punktzahl in vier Klassen ein:
- 776–999 Punkte: hervorragende Bonität
- 709–775 Punkte: gute Bonität
- 642–708 Punkte: akzeptable Bonität
- 100–641 Punkte: erhöhtes Risiko
- Kein Score, wenn offene Zahlungsstörungen vorliegen
Diese Schwellenwerte sind von der Schufa kommuniziert, aber nicht gesetzlich festgelegt – einzelne Vertragspartner können intern noch andere Grenzen für ihre eigene Entscheidung ansetzen. Ob dein Score in der Praxis als "gut genug" gilt, hängt am Ende auch von den individuellen Vergaberichtlinien der jeweiligen Bank oder des jeweiligen Vermieters ab, nicht allein von der Schufa-Klasse.
Was seit der Reform noch nicht öffentlich ist
Bei aller neuen Offenheit bleibt Wesentliches unklar, und seriöse Berichterstattung sollte das nicht verschweigen:
- Die genaue Gewichtungsformel zwischen den zwölf Faktoren ist nicht im Detail veröffentlicht.
- Nicht alle Vertragspartner nutzen bereits das neue Modell – während der Übergangsphase bis 2028 können unterschiedliche Scores für dieselbe Person im Umlauf sein.
- Externe Studien deuten darauf hin, dass beim Rollout ein Großteil der Verbraucher in derselben Bonitätsklasse blieb wie zuvor, ein kleinerer Teil sich verbesserte und ein kleinerer Teil sich verschlechterte – wie stark sich das auf einzelne Personengruppen auswirkt, lässt sich von außen nicht abschließend beurteilen.
Wer im Netz eine „exakte Schufa-Formel“ oder eine Garantie für eine bestimmte Punktzahl verspricht, verkauft dir mehr Gewissheit, als die verfügbaren Fakten hergeben.
Dein Recht auf die kostenlose Datenkopie (Art. 15 DSGVO)
Unabhängig vom neuen Score-Modell hast du seit Jahren ein zentrales, oft unterschätztes Recht: die kostenlose Datenkopie nach Artikel 15 der DSGVO. Die Schufa muss dir auf Anfrage eine vollständige Kopie aller über dich gespeicherten Daten zur Verfügung stellen – inklusive deines aktuellen Scores, aller gemeldeten Verträge, etwaiger Negativmerkmale und der Herkunft der Daten.
Einige praktische Punkte dazu:
- Es ist keine Bezahlvariante nötig. Die Schufa bietet auf ihrer Website teils kostenpflichtige Bonitätsauskünfte (etwa für Vermieter) an – für die reine Datenkopie nach Art. 15 DSGVO darf dir kein Entgelt berechnet werden. Achte bei der Beantragung darauf, ausdrücklich die „Datenkopie nach Art. 15 DSGVO“ anzufragen, nicht ein anderes, kostenpflichtiges Produkt.
- Häufigkeit: Anders als oft behauptet, ist dieses Recht nicht gesetzlich auf „einmal pro Jahr“ begrenzt – Art. 15 DSGVO spricht von „angemessenen Abständen“. In der Praxis bedeutet das: Eine Anfrage etwa einmal pro Quartal ist unproblematisch.
- Beantragung: online über das entsprechende Serviceportal der Schufa (Identitätsprüfung erforderlich) oder schriftlich per Post an die Schufa Holding AG.
- Bearbeitungszeit: Die postalische Zustellung dauert erfahrungsgemäß bis zu vier Wochen, digitale Wege können schneller sein.
Diese Selbstauskunft ist der wichtigste Ausgangspunkt für alles Weitere: Nur wer weiß, was tatsächlich gespeichert ist, kann Fehler erkennen und gezielt an den richtigen Stellen ansetzen.
Falsche oder veraltete Einträge korrigieren
Stellst du in deiner Datenkopie einen fehlerhaften Eintrag fest – etwa einen längst beglichenen, aber weiterhin als offen geführten Rechnungsbetrag –, hast du nach Art. 16 DSGVO einen Anspruch auf unverzügliche Berichtigung. In der Praxis:
1. Fehler schriftlich benennen: Beschreibe konkret, welcher Eintrag falsch ist und warum (z. B. mit Zahlungsbeleg). 2. Frist setzen: Eine Frist von etwa 14 Tagen zur Korrektur ist üblich. 3. Bei Uneinigkeit den Verursacher einschalten: Oft stammt der fehlerhafte Eintrag von einem Vertragspartner (Bank, Versandhändler), der die Korrekturmeldung an die Schufa erst noch übermitteln muss. 4. Verbraucherzentrale oder Rechtsberatung hinzuziehen, wenn eine Korrektur nicht zeitnah erfolgt.
Für bereits erledigte, aber weiterhin gespeicherte Vorgänge gelten außerdem branchenübliche Löschfristen (Verhaltensregeln der Auskunfteien, mit den Datenschutzbehörden abgestimmt, aber nicht gesetzlich fixiert): Kreditanfragen und Informationsabfragen werden in der Regel nach rund 12 Monaten gelöscht, Angaben zu abbezahlten Krediten, erledigten Mahn-/Inkassoverfahren sowie zu Restschuldbefreiungen nach Insolvenz in der Regel nach rund drei Jahren.
So verbesserst du deinen Schufa-Score: konkrete Schritte
Es gibt keinen Trick, der den Score über Nacht in die Höhe schnellen lässt – aber es gibt nachvollziehbare, seriöse Hebel, die mit den offengelegten Faktoren übereinstimmen:
1. Rechnungen und Raten pünktlich zahlen. Da die Zahlungshistorie mit Abstand am stärksten gewichtet ist, ist konsequente Pünktlichkeit bei Krediten, Handyverträgen und Rechnungen der wirksamste Hebel überhaupt. 2. Anfragen bündeln, nicht streuen. Wer innerhalb weniger Wochen bei mehreren Banken parallel einen Ratenkredit oder eine Kreditkarte beantragt, erzeugt mehrere Kreditanfragen in kurzer Zeit – das kann sich in den 12-Monats-Faktoren negativ bemerkbar machen. Nutze stattdessen unverbindliche Konditionsanfragen (siehe Mythen unten) und stelle nur bei einem konkret ausgewählten Anbieter einen echten Antrag. 3. Bestehende Konten und Kreditkarten mit Bedacht behandeln. Da das Alter des ältesten Bankkontos und der ältesten Kreditkarte einfließt, wirkt sich das unüberlegte Kündigen langjähriger, gebührenfreier Konten oder Karten tendenziell eher negativ aus als das Halten einer soliden, alten Verbindung. 4. Kreditlinien nicht dauerhaft ausreizen. Ein Dispokredit, der über Monate am oder über dem Limit läuft, ist ein Warnsignal. Wer regelmäßig den Dispo strapaziert, sollte prüfen, ob eine Umschuldung in einen planbaren Ratenkredit mit fester Laufzeit sinnvoller ist – mehr dazu im Artikel Ratenkredit oder Dispokredit. 5. Meldeadresse stabil halten, wo möglich. Häufige Umzüge fließen über die Adressstabilität negativ in den Score ein. Das heißt nicht, notwendige Umzüge zu vermeiden – aber unnötig häufige Ummeldungen (z. B. aus rein postalischen Gründen) bringen keinen Vorteil. 6. Datenkopie regelmäßig prüfen und Fehler zeitnah korrigieren. Ein einzelner falscher Negativeintrag kann den Score stärker drücken als mehrere kleinere, korrekte Einträge zusammen. 7. Neue Kredite und Kreditkarten nur bei echtem Bedarf aufnehmen. Jeder neu abgeschlossene Ratenkredit und jede neue Kreditlinie wird in den 12-Monats-Faktoren erfasst. Das heißt nicht, dass ein sinnvoller Ratenkredit grundsätzlich schlecht für die Bonität ist – planlos gehäufte Neuabschlüsse in kurzer Zeit wirken sich aber ungünstig aus.
Wichtig: Diese Schritte wirken meist über Monate, nicht Tage. Der Score basiert auf dem Verlauf deiner Vertragshistorie, nicht auf einer Momentaufnahme.
Wie schnell zeigt sich eine Verbesserung?
Eine realistische Erwartungshaltung hilft, nicht vorschnell aufzugeben. Manche Effekte wirken kurzfristig: Ein korrigierter Falscheintrag kann sich bereits bei der nächsten Score-Berechnung bemerkbar machen, sobald die Berichtigung bei der Schufa eingetroffen ist. Andere Faktoren brauchen strukturell länger, weil sie an Zeiträume gekoppelt sind – etwa die 12-Monats-Fenster für Anfragen und neue Kreditlinien oder das Alter deiner ältesten Konten, das sich naturgemäß nicht beschleunigen lässt. Wer also nach wenigen Wochen konsequent pünktlicher Zahlungen keinen sichtbaren Sprung im Score feststellt, hat nicht zwangsläufig etwas falsch gemacht – die Wirkung entfaltet sich häufig erst über mehrere Monate, in denen sich der positive Verlauf in der Zahlungshistorie verfestigt.
Mythen rund um den Schufa-Score – was stimmt wirklich
Mythos: „Wenn ich selbst meinen Score abfrage, sinkt er.“ Falsch. Die Selbstauskunft (Datenkopie nach Art. 15 DSGVO) hat keinen Einfluss auf deinen Score. Score-relevant sind ausschließlich Anfragen, die im Rahmen eines konkreten Kreditantrags oder einer echten Vertragsanfrage von einem Unternehmen gestellt werden – nicht deine eigene Einsicht in deine Daten.
Mythos: „Eine unverbindliche Konditionsanfrage bei der Bank schadet meinem Score.“ Auch das trifft grundsätzlich nicht zu. Viele Banken bieten bei Ratenkrediten eine sogenannte Konditionsanfrage an, bei der du unverbindlich einen individuellen Zinssatz erfährst. Diese wird zwar bei der Schufa als „Anfrage“ hinterlegt, fließt aber – anders als ein tatsächlicher Kreditantrag – in der Regel nicht score-mindernd ein. Vor einem echten Vertragsabschluss solltest du dich trotzdem vergewissern, ob ein Anbieter tatsächlich nur eine Konditionsanfrage stellt.
Mythos: „Ein hohes Einkommen sorgt automatisch für einen guten Score.“ Die Schufa speichert grundsätzlich keine Einkommensdaten. Der Score basiert auf deinem bisherigen Zahlungsverhalten und deiner Vertragshistorie, nicht auf deinem Gehalt. Ein hohes Einkommen kann bei der eigentlichen Kreditentscheidung der Bank zusätzlich eine Rolle spielen – das ist aber eine getrennte Prüfung außerhalb des Schufa-Scores.
Mythos: „Ein einmal negativer Eintrag verfolgt mich für immer.“ Auch das stimmt nicht. Für die meisten Eintragsarten gelten branchenübliche Löschfristen (siehe oben), meist zwischen 12 Monaten und drei Jahren nach Erledigung. Danach müssen die Einträge planmäßig gelöscht werden.
Mythos: „Ich kann mir online einen exakten, für alle Banken gültigen Score anzeigen lassen.“ Während der laufenden Umstellungsphase bis 2028 nutzen unterschiedliche Unternehmen teils noch unterschiedliche Score-Modelle. Der Score, den du in einer Verbraucher-App siehst, kann daher vom Score abweichen, den eine konkrete Bank zum Zeitpunkt deines Antrags tatsächlich abfragt.
Warum das für Ratenkredit und Kreditkarte konkret zählt
Der Schufa-Score entscheidet in der Praxis meist nicht allein über ein glattes Ja oder Nein, sondern beeinflusst maßgeblich die Konditionen, die dir angeboten werden. Bei Ratenkrediten wirkt sich eine bessere Bonitätsklasse häufig direkt auf den angebotenen effektiven Jahreszins aus – viele Anbieter kalkulieren risikoabhängig, sodass ein besserer Score in eine niedrigere Zinsspanne fallen kann. Bei Kreditkarten entscheidet die Bonität oft über das eingeräumte Kreditlimit und darüber, ob überhaupt eine klassische Kreditkarte statt einer Prepaid-Alternative angeboten wird. Mehr zu den grundsätzlichen Kredit-Mechanismen – effektiver Jahreszins, Sondertilgung, Laufzeitwahl – findest du im Ratenkredit-Ratgeber und im Kreditkarten-Ratgeber; dieser Artikel konzentriert sich bewusst auf die Bonitätsseite davor.
Wer aktuell eine Umschuldung plant, findet ergänzend Hintergründe im Artikel Kredit ablösen oder neu aufnehmen. Selbstständige mit einer oft komplexeren Bonitätsprüfung finden zusätzlichen Kontext im Artikel Kredit für Selbstständige.
Häufige Fehler im Umgang mit dem Schufa-Score
- Score erst prüfen, wenn ein Kreditantrag schon läuft. Wer die eigene Datenkopie erst im laufenden Antragsprozess anfordert, hat keine Zeit mehr, Fehler vorher zu korrigieren.
- Mehrere echte Kreditanträge parallel stellen, um „die besten Konditionen zu vergleichen“ – das erzeugt mehrere Anfragen in kurzer Zeit. Besser: erst unverbindliche Konditionsanfragen nutzen, dann gezielt einen Antrag stellen.
- Alte, ungenutzte Konten unüberlegt kündigen, weil sie „eh nicht gebraucht werden“ – dabei trägt ein langjähriges, sauber geführtes Konto zur Kontoalter-Komponente positiv bei.
- Fehlerhafte Einträge ignorieren, weil die Korrektur „zu aufwendig“ erscheint – dabei ist der Prozess mit einer klaren schriftlichen Anfrage meist überschaubar.
- Dubiosen Anbietern vertrauen, die eine „garantierte Score-Verbesserung“ gegen Gebühr versprechen. Seriöse Wege zur Verbesserung sind kostenlos: Datenkopie anfordern, Fehler korrigieren, Zahlungsverhalten verbessern.
Fazit
Seit der Score-Reform 2026 legt die Schufa erstmals konkrete Kriterien und deren maximale Punktzahlen offen – ein echter Fortschritt gegenüber der früheren Black Box, ausgelöst nicht zuletzt durch das EuGH-Urteil von Ende 2023. Die exakte Gewichtungsformel bleibt trotzdem unveröffentlicht, und Versprechen einer „geheimen Formel“ solltest du kritisch sehen. Was du konkret tun kannst, ist unabhängig von dieser Debatte klar: die kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DSGVO regelmäßig anfordern, Fehler zügig korrigieren lassen, Zahlungen pünktlich leisten, Kreditanfragen bündeln statt streuen und Kreditlinien nicht dauerhaft ausreizen. Diese Schritte wirken nicht über Nacht, aber nachweisbar über Monate – und zahlen sich am Ende in besseren Konditionen bei Ratenkrediten und Kreditkarten aus.
*Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Rechts- oder Finanzberatung. Stand: Juli 2026.*
Häufige Fragen
Wie hoch muss mein Schufa-Score sein, um einen Ratenkredit zu bekommen?
Es gibt keine einheitliche, für alle Banken gültige Mindestgrenze. Nach dem seit März 2026 geltenden Modell gelten Werte ab etwa 709 Punkten (von maximal 999) als gute, ab etwa 776 Punkten als hervorragende Bonität. Ob eine konkrete Bank bei einem niedrigeren Wert trotzdem einen Kredit anbietet, hängt zusätzlich von ihren eigenen internen Vergaberichtlinien und weiteren Faktoren wie Einkommen ab.
Senkt es meinen Schufa-Score, wenn ich meine eigene Auskunft anfordere?
Nein. Die kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DSGVO ist eine reine Selbstauskunft und wird nicht als score-relevante Anfrage gewertet. Score-mindernd wirken sich in der Regel nur echte Kreditanfragen von Unternehmen im Rahmen eines konkreten Vertragsantrags aus.
Wie oft darf ich die kostenlose Schufa-Datenkopie beantragen?
Art. 15 DSGVO spricht von 'angemessenen Abständen', nennt aber keine feste Zahl pro Jahr. In der Praxis ist eine Anfrage etwa einmal pro Quartal unproblematisch. Achte bei der Beantragung darauf, ausdrücklich die Datenkopie nach Art. 15 DSGVO zu verlangen, damit keine Kosten anfallen.
Was mache ich, wenn ein Schufa-Eintrag falsch ist?
Du kannst die Berichtigung nach Art. 16 DSGVO schriftlich verlangen, den Fehler konkret belegen (z. B. mit Zahlungsnachweis) und eine Frist von etwa 14 Tagen setzen. Oft muss der ursprüngliche Vertragspartner, der den fehlerhaften Eintrag gemeldet hat, die Korrektur an die Schufa übermitteln. Bleibt eine zügige Korrektur aus, hilft die Verbraucherzentrale weiter.
Kennt die Schufa auch mein Einkommen?
Nein, die Schufa speichert grundsätzlich keine Einkommensdaten. Der Score basiert auf deinem bisherigen Zahlungs- und Vertragsverhalten, nicht auf deinem Gehalt. Das Einkommen prüft die Bank zusätzlich und getrennt vom Schufa-Score bei der eigentlichen Kreditentscheidung.
Gibt es außer der Schufa noch andere Auskunfteien in Deutschland?
Ja, unter anderem CRIF Bürgel, Creditreform Boniversum und Infoscore Consumer Data. Sie führen eigene Datenbestände und Score-Modelle. Für die meisten Ratenkredite, Kreditkarten und Mietverträge in Deutschland ist die Schufa jedoch die am häufigsten abgefragte Auskunftei.