Verrechnungskonto-Zinsen 2026: Was Broker aktuell zahlen

13. August 2026 · Lesezeit ca. 13 Min. · Redaktion: RenditeRadar

Trade Republic, Scalable Capital und Co.: Wie Verrechnungskonto-Zinsen funktionieren, wer aktuell was zahlt, wie sicher das Geld ist und was steuerlich zu beachten ist – Stand August 2026.

Wer sein Depot bei einem Neobroker oder einer Direktbank führt, hat fast automatisch auch ein Verrechnungskonto – meist ohne sich das bewusst zu machen. Erst wenn dort plötzlich ein paar Euro Zinsen auftauchen, stellen sich viele die Frage: Woher kommt das Geld eigentlich, wie sicher ist es dort, und lohnt es sich, nicht angelegtes Cash bewusst dort liegen zu lassen? Die Antwort hängt stark vom Anbieter ab – die Bandbreite reicht von 0 % bis über 2 % pro Jahr, und die Bedingungen unterscheiden sich erheblich. Dieser Beitrag ordnet ein, wie Verrechnungskonto-Zinsen funktionieren, wer aktuell was zahlt und worauf es bei der Einordnung ankommt.

Was ist ein Verrechnungskonto überhaupt?

Ein Verrechnungskonto ist das Cash-Konto, das automatisch zu jedem Wertpapierdepot gehört. Käufe und Verkäufe von Aktien, ETFs oder Fonds werden darüber abgewickelt: Wenn Wertpapiere gekauft werden, fließt das Geld vom Verrechnungskonto ab, bei einem Verkauf landet der Erlös dort. Auch Dividenden, Zinszahlungen aus Anleihen oder Ausschüttungen von Fonds werden zunächst auf dem Verrechnungskonto gutgeschrieben, bevor sie weiterverwendet oder ausgezahlt werden. Mehr zur genauen Funktionsweise und den Begriffen rund um Depotführung gibt es im Glossareintrag zum Verrechnungskonto.

Technisch ist das Verrechnungskonto kein Depotbestandteil im engeren Sinn, sondern ein separates Konto, das lediglich mit dem Depot verknüpft ist. Bei klassischen Filialbanken ist das oft das bestehende Girokonto, bei Neobrokern und vielen Direktbanken wird meist ein eigenes, funktional aufs Depot zugeschnittenes Cash-Konto eingerichtet. Wie unterschiedlich Broker-Modelle insgesamt aufgebaut sind – vom klassischen Filialdepot bis zum App-first-Neobroker – lässt sich im Überblick Neobroker vs. Filialbank nachlesen, und einen strukturierten Vergleich aktueller Broker-Konditionen bietet der RenditeRadar-Depotvergleich.

Dass diese Frage überhaupt relevant geworden ist, hat mit der Zinsentwicklung der vergangenen Jahre zu tun: Zwischen 2015 und 2022 lag der EZB-Einlagenzins zeitweise bei null oder sogar im negativen Bereich, entsprechend brachte auch praktisch kein Verrechnungskonto nennenswerte Zinsen. Erst mit den Zinserhöhungen ab 2022 und der seither anhaltenden Normalisierung auf einem positiven Zinsniveau wurde Cash auf dem Konto überhaupt wieder zu einem Betrag, bei dem sich ein Blick auf die Verzinsung lohnt.

Wie die Gutschrift technisch abläuft

Bei den meisten Anbietern wird der Zins tagesgenau auf den jeweiligen Tagesendsaldo berechnet und dann monatlich oder quartalsweise gesammelt gutgeschrieben – Trade Republic beispielsweise rechnet täglich ab und schreibt die Summe einmal im Monat gut, Smartbroker+ und Consorsbank zahlen ihre Zinsen dagegen quartalsweise aus. Für die Höhe des tatsächlich verdienten Betrags macht das über ein Jahr gerechnet nur einen kleinen Unterschied durch den Zinseszinseffekt der häufigeren Gutschrift; relevanter ist meist, ob der Satz während des gesamten Zeitraums stabil bleibt oder zwischenzeitlich gesenkt wird.

Verrechnungskonto vs. klassisches Tagesgeldkonto

Ein Tagesgeldkonto ist ein eigenständiges Sparprodukt: Geld liegt dort bewusst als Liquiditätsreserve, ist täglich verfügbar und dient nicht der Abwicklung von Wertpapiergeschäften. Ein Verrechnungskonto dagegen ist in erster Linie ein technisches Durchlaufkonto – dass es überhaupt Zinsen gibt, ist bei vielen Anbietern eher ein Zusatzangebot als der eigentliche Zweck des Kontos. Wie Tagesgeldzinsen grundsätzlich funktionieren, welche Rolle der Leitzins spielt und wie man Angebote vergleicht, erklärt der Beitrag Tagesgeldzinsen verstehen.

Der wichtigste praktische Unterschied: Bei einem Tagesgeldkonto weiß man in der Regel genau, bei welcher Bank das Geld liegt und welche Einlagensicherung greift. Beim Verrechnungskonto eines Brokers ist das nicht immer auf den ersten Blick erkennbar – dazu gleich mehr.

Das Partnerbank-Modell: Wo liegt das Geld wirklich?

Viele Neobroker sind selbst keine klassische Bank mit eigenem Einlagengeschäft, sondern arbeiten mit einer oder mehreren Partnerbanken zusammen, bei denen das nicht angelegte Cash der Kundinnen und Kunden tatsächlich verwahrt wird. Das gilt selbst dann, wenn ein Anbieter formal über eine eigene Banklizenz verfügt: Trade Republic etwa ist seit 2023 eine Vollbank, hält Kundengelder aber weiterhin über mehrere Partnerbanken – laut aktuellen Berichten unter anderem J.P. Morgan SE, HSBC Continental Europe, Natixis und die schwedische SEB. Bei Scalable Capital übernehmen unter anderem die Baader Bank, ING-DiBa und die Deutsche Bank diese Rolle, bei Smartbroker+ ist es die Baader Bank.

Für die Einlagensicherung ist das relevant, weil die gesetzliche Sicherung von bis zu 100.000 Euro pro Kundin oder Kunde je Bank gilt – nicht je Broker. Verteilt ein Anbieter das Cash automatisch auf mehrere Partnerbanken, kann sich der effektiv geschützte Betrag entsprechend addieren. Wie genau das im Detail funktioniert, was im Falle einer Broker- oder Bank-Insolvenz mit Verrechnungskonto-Guthaben passiert und wie sich das von der Sicherung des Wertpapierdepots selbst unterscheidet, ist ausführlich im Beitrag Depotsicherheit bei Broker-Insolvenz beschrieben – das würde hier den Rahmen sprengen. Einen allgemeinen Einstieg in Freibeträge und Funktionsweise der Einlagensicherung bietet zusätzlich Einlagensicherung einfach erklärt.

Wichtig für die Praxis: Wer bei einem Broker recherchiert, welche Zinsen es aufs Cash gibt, sollte auch kurz nachsehen, bei welcher Bank oder welchen Banken das Verrechnungskonto tatsächlich geführt wird – diese Information findet sich meist in den AGB oder auf einer eigenen „Zinsen“- oder „Sicherheit“-Seite des Anbieters.

Zinsen im Überblick: Stand August 2026

Die folgende Tabelle zeigt öffentlich einsehbare Angaben mehrerer Broker und Direktbanken zu den Zinsen auf nicht investiertes Cash, Stand Mitte August 2026. Wichtig: Es handelt sich um eine Momentaufnahme. Die meisten dieser Zinssätze sind variabel und an den EZB-Einlagenzins gekoppelt, der aktuell bei 2,25 % liegt (unverändert seit der EZB-Sitzung am 23. Juli 2026, nach einer Anhebung Mitte Juni 2026). Änderungen ohne lange Vorlaufzeit sind bei praktisch allen Anbietern möglich – bitte vor einer Entscheidung immer die aktuelle Konditionsseite des jeweiligen Anbieters direkt prüfen.

AnbieterZins auf CashBedingungen / DeckelBank(en) im Hintergrund
Trade Republic2,25 % p.a. (variabel)Kein Deckel, ab dem ersten Euro, monatliche GutschriftMehrere Partnerbanken (u. a. J.P. Morgan SE, HSBC)
Scalable Capital2,50 % p.a. (variabel) auf separatem „Scalable Overnight“-Konto; reguläres Verrechnungskonto seit April 2026 mit 0 %Kein Deckel auf dem Overnight-KontoPartnerbanken, u. a. Baader Bank, ING-DiBa
Smartbroker+2,00 % p.a. bis 100.000 €, 1,75 % p.a. von 100.000 € bis 1.000.000 €, darüber 0 %Gestaffelt, quartalsweise Gutschrift, variabel an EZB-Satz gekoppeltBaader Bank
ConsorsbankVerrechnungskonto laut mehreren Vergleichsportalen 0 %; separates Tagesgeld „Topzins“ aktuell 3,40 % p.a. für Neukunden befristet auf 5 MonateDanach Bestandskundenzins von 0,80 % p.a., Tagesgeld bis 1 Mio. €Consorsbank (BNP-Paribas-Gruppe)
comdirectVerrechnungskonto laut Vergleichsportalen 0 %; separates Tagesgeld 1,75 % p.a. für Neukunden mit Girokonto (max. 12 Monate), 1,50 % ohne GirokontoDanach Bestandskundenzins ca. 0,75 % p.a.comdirect (Commerzbank-Gruppe)
INGGirokonto/Verrechnungskonto regulär niedrig verzinst; separates Extra-Konto mit befristeter Aktion im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich für mehrere MonateAktionskonditionen ändern sich häufig – Details unbedingt aktuell auf ing.de prüfenING-DiBa AG
DKBVerrechnungskonto = DKB-Girokonto, regulär niedrig verzinst; separates DKB-Tagesgeld dauerhaft 1,00 % p.a.Zeitweise befristete Neukunden-/Neugeld-Aktionen mit höherem Satz möglichDKB AG
flatexLaut unabhängigen Vergleichsportalen 0,00 % auf dem Verrechnungskonto; eine offizielle, aktuell einsehbare Zinsangabe von flatex selbst konnten wir nicht verifizierenflatex Bank AG

Einordnung zu einzelnen Zeilen: Bei Trade Republic und Scalable Capital handelt es sich um die am häufigsten zitierten „hohe Zinsen aufs Cash“-Angebote unter Neobrokern, weil hier tatsächlich das reguläre Verrechnungskonto (bei Scalable Capital genauer: das damit verknüpfte separate Zinskonto) verzinst wird, ohne dass eine gesonderte Anlageentscheidung nötig ist. Bei Consorsbank, comdirect, ING und DKB ist das Verrechnungskonto selbst dagegen bei klassischen Direktbanken tendenziell unverzinst oder nur niedrig verzinst; die attraktiveren Sätze gelten für ein separates Tagesgeldkonto, das erst aktiv beantragt oder verknüpft werden muss und häufig nur befristet zum beworbenen Satz läuft. Bei flatex konnten wir keine aktuelle, vom Anbieter selbst veröffentlichte Zinsangabe für das Verrechnungskonto finden; mehrere unabhängige Vergleichsportale gehen von 0 % aus, was aber nicht mit letzter Sicherheit als aktuelle Bedingung bestätigt werden kann.

Beispielrechnung: Wer 10.000 Euro Cash über ein volles Jahr auf einem mit 2,25 % p.a. verzinsten Verrechnungskonto liegen lässt (unterstellt: der Satz bleibt über zwölf Monate konstant, was bei variablen Zinsen keineswegs garantiert ist), erhält vor Steuern rund 225 Euro Zinsen. Bei 0 % auf einem klassischen Verrechnungskonto sind es entsprechend 0 Euro – der Unterschied entsteht also ausschließlich durch die Wahl des Kontomodells, nicht durch eine Anlageentscheidung im eigentlichen Sinn. Bei einem gestaffelten Modell wie dem von Smartbroker+ ergäbe sich für dieselben 10.000 Euro (vollständig im 2,00-%-Tarif) rechnerisch rund 200 Euro vor Steuern; bei einem sechsstelligen Betrag, der teilweise in die niedriger verzinste zweite Stufe rutscht, müsste der Zins entsprechend der Staffel für jeden Teilbetrag separat berechnet werden.

Checkliste: Wie prüfe ich mein eigenes Verrechnungskonto?

  • Auf der Konditionsseite des Brokers nachsehen, ob explizit vom „Verrechnungskonto“ die Rede ist oder ob sich der beworbene Zins auf ein separates, zusätzlich zu eröffnendes Tagesgeld- oder Zinskonto bezieht.
  • Prüfen, ob eine Staffelgrenze existiert (z. B. „bis 100.000 Euro“) und was oberhalb davon gilt.
  • Nachsehen, ob es sich um einen dauerhaften variablen Satz oder eine befristete Neukundenaktion handelt, und falls befristet: bis wann.
  • In den AGB oder auf der Sicherheitsseite nachschauen, bei welcher Bank oder welchen Banken das Guthaben tatsächlich geführt wird.
  • Kontrollieren, ob beim Broker ein Freistellungsauftrag hinterlegt ist – unabhängig davon, ob bereits einer bei einer anderen Bank existiert.

Steuern auf Verrechnungskonto-Zinsen

Zinsen auf dem Verrechnungskonto sind steuerlich nichts Besonderes: Sie zählen wie Tagesgeldzinsen zu den Kapitalerträgen und unterliegen der Abgeltungssteuer von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Innerhalb des Sparerpauschbetrags – aktuell 1.000 Euro für Einzelveranlagte und 2.000 Euro für gemeinsam veranlagte Ehepaare beziehungsweise eingetragene Lebenspartnerschaften – bleiben Kapitalerträge steuerfrei, sofern ein entsprechender Freistellungsauftrag vorliegt.

Ein Punkt, der häufig übersehen wird: Der Freistellungsauftrag muss beim jeweiligen Broker beziehungsweise der depotführenden Bank separat hinterlegt werden. Wer bereits einen Freistellungsauftrag bei seiner Hausbank für das Tagesgeldkonto eingerichtet hat, profitiert davon beim Broker nicht automatisch mit – der Pauschbetrag lässt sich zwar auf mehrere Institute aufteilen, muss aber bei jedem einzeln beantragt werden. Ohne hinterlegten Freistellungsauftrag behält der Broker die Abgeltungssteuer direkt bei Zinsgutschrift ein; eine Erstattung ist dann nur über die Steuererklärung möglich. Grundlagen zu Freibeträgen und Besteuerung von Zinserträgen sind auch im Tagesgeld-Ratgeber zusammengefasst.

Praktisch heißt das zum Beispiel: Wer bei einer Bank für das Tagesgeldkonto bereits 800 Euro des Sparerpauschbetrags per Freistellungsauftrag verplant hat, kann beim Broker zusätzlich einen Freistellungsauftrag über die verbleibenden 200 Euro (bei Einzelveranlagung) einrichten. Verrechnungskonto-Zinsen, die über den beim jeweiligen Institut hinterlegten Freibetrag hinausgehen, werden direkt mit Abgeltungssteuer belastet – die Gutschrift auf dem Konto ist dann bereits der Nettobetrag nach Steuerabzug.

Verrechnungskonto, Tagesgeld oder Geldmarkt-ETF – wohin mit ungenutztem Cash?

Für Geld, das kurzfristig nicht investiert ist, aber auch nicht komplett brachliegen soll, gibt es im Kern drei Optionen, die sich in Verfügbarkeit, Sicherheit und Aufwand unterscheiden:

  • Verrechnungskonto beim Broker mit attraktivem Zins (z. B. bei einigen Neobrokern): keine zusätzliche Kontoeröffnung nötig, Geld bleibt sofort für Wertpapierkäufe verfügbar, Zinssatz kann sich aber jederzeit ändern und gilt oft nur „bis auf Weiteres“.
  • Separates Tagesgeldkonto, auch bei einer anderen Bank als der Depotbank: teils höhere oder länger garantierte Zinsen, dafür ein zusätzlicher Überweisungsschritt zwischen Tagesgeld- und Verrechnungskonto, bevor das Geld tatsächlich investiert werden kann. Eine ausführliche Gegenüberstellung von Tagesgeld und Festgeld findet sich unter Tagesgeld oder Festgeld.
  • Geldmarkt-ETF, der kurzlaufende Euro-Geldmarktinstrumente oder Staatsanleihen mit sehr kurzer Laufzeit abbildet und die Rendite nahe am €STR beziehungsweise dem EZB-Einlagenzins nachbildet, abzüglich der Fondskosten (TER). Solche ETFs unterliegen als Sondervermögen keiner betragsmäßig gedeckelten Einlagensicherung wie ein Bankkonto, sind aber ein Wertpapier mit (sehr geringem, aber nicht null) Kursschwankungsrisiko und werden über das Depot gehandelt statt einfach nur „verzinst“. Ein ausführlicher Vergleich beider Ansätze findet sich unter Geldmarkt-ETF oder Tagesgeld.

Diese drei Optionen schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern lassen sich je nach Anlagehorizont und gewünschter Verfügbarkeit kombinieren. Welche Kombination im Einzelfall passt, hängt von individuellen Faktoren ab wie der Frage, wie schnell auf das Geld zugegriffen werden muss, wie viel Verwaltungsaufwand akzeptabel ist und wie die persönliche Steuersituation aussieht – das kann dieser Beitrag nicht pauschal beantworten und ersetzt keine individuelle Prüfung.

Risiken und Besonderheiten

Ein paar Punkte, die bei Verrechnungskonto-Zinsen häufig unterschätzt werden:

  • Variable Zinsen ohne Ankündigungsfrist: Die meisten Broker behalten sich vor, den Zinssatz jederzeit anzupassen oder das Zinsangebot ganz einzustellen. Anders als bei manchen Tagesgeld-Neukundenaktionen mit fest zugesagter Laufzeit gibt es beim Verrechnungskonto oft keine Zinsgarantie über einen bestimmten Zeitraum.
  • Staffelungen und Deckel: Wie in der Tabelle oben zu sehen, zahlen manche Anbieter oberhalb bestimmter Schwellenwerte (zum Beispiel 100.000 Euro oder 1 Million Euro) einen niedrigeren Satz oder gar keinen Zins mehr.
  • Nicht jedes Verrechnungskonto ist verzinst: Bei klassischen Filial- und Direktbanken ist 0 % auf dem eigentlichen Verrechnungskonto eher die Regel als die Ausnahme – die beworbenen Zinsen beziehen sich dort meist auf ein separates, aktiv zu beantragendes Tagesgeldkonto.
  • Aktionszinsen mit Ablaufdatum: Gerade bei Neukundenaktionen fällt der Zins nach einigen Monaten häufig deutlich – teils auf ein Zehntel des Anfangswerts. Wer nur wegen eines Aktionszinses wechselt, sollte den Kalender im Blick behalten.
  • Kopplung an den Leitzins wirkt in beide Richtungen: Sinkt der EZB-Einlagenzins, sinken in aller Regel auch die Verrechnungskonto-Zinsen der Neobroker zeitnah mit – der aktuell vergleichsweise hohe Stand von 2,25 % ist kein dauerhaft garantiertes Niveau.

Häufige Fehler und Missverständnisse

Ein verbreitetes Missverständnis ist, Verrechnungskonto-Zinsen und Tagesgeldzinsen für dasselbe Produkt zu halten, nur weil beide „Zinsen aufs Cash“ bringen. Wie oben beschrieben, unterscheiden sich beide in Zweck, Kündbarkeit und teils auch im dahinterliegenden Bankpartner erheblich – ein Vergleich der reinen Prozentzahl ohne Blick auf die Rahmenbedingungen greift zu kurz.

Ein zweiter Fehler ist die Annahme, ein beworbener Zinssatz gelte automatisch für das gesamte Guthaben und dauerhaft. Gerade Staffelgrenzen (etwa ab 100.000 Euro) und befristete Aktionszinsen werden beim ersten Blick auf eine Werbeseite leicht übersehen.

Drittens wird oft unterschätzt, dass Zinsen aufs Verrechnungskonto genauso steuerpflichtig sind wie jede andere Kapitalertragsart – ohne rechtzeitig hinterlegten Freistellungsauftrag beim Broker geht ein Teil der Zinsen zunächst automatisch an das Finanzamt, auch wenn der persönliche Sparerpauschbetrag anderswo noch nicht ausgeschöpft ist.

Viertens wird die Frage der Einlagensicherung häufig zu oberflächlich beantwortet: „Mein Broker ist sicher“ ist keine vollständige Aussage, wenn nicht klar ist, bei welcher Bank das Geld tatsächlich liegt und ob dieser Schutz auf 100.000 Euro begrenzt ist oder sich durch mehrere Partnerbanken addiert.

Und fünftens: Wer größere Summen ausschließlich wegen des Zinses längere Zeit ungenutzt auf dem Verrechnungskonto liegen lässt, verzichtet unter Umständen auf Alternativen mit ähnlicher Verfügbarkeit, aber anderen Konditionen – ein bewusster Vergleich lohnt sich, ohne dass daraus eine pauschale Empfehlung für die eine oder andere Variante folgt.

Fazit

Verrechnungskonto-Zinsen sind in den letzten Jahren vom Nebenaspekt zu einem eigenständigen Auswahlkriterium bei Depotanbietern geworden, weil einige Neobroker inzwischen recht attraktive und unkomplizierte Zinssätze aufs nicht investierte Cash zahlen. Gleichzeitig bleibt die Landschaft uneinheitlich: Klassische Direktbanken verzinsen das eigentliche Verrechnungskonto oft gar nicht und verweisen stattdessen auf separate, häufig befristete Tagesgeldangebote. Wer die für die eigene Situation passenden Konditionen sucht, sollte nicht nur auf die Prozentzahl schauen, sondern auch auf Staffelgrenzen, Befristungen, den steuerlichen Freistellungsauftrag und die Frage, bei welcher Bank das Geld tatsächlich liegt. Einen strukturierten Überblick über aktuelle Broker- und Tagesgeldkonditionen bieten der RenditeRadar-Depotvergleich und der RenditeRadar-Tagesgeldvergleich – beide redaktionell sortiert und ohne Wertung als „beste“ Wahl, weil das immer von der individuellen Situation abhängt.

Dieser Beitrag ist ein journalistisch-informativer Überblick, keine Anlage- oder Finanzberatung und keine Vermittlung von Finanzprodukten. Alle genannten Zinssätze sind eine Momentaufnahme (Stand: August 2026); Zinssätze ändern sich laufend, teils kurzfristig und ohne lange Vorankündigung. Bitte vor jeder Entscheidung die aktuell gültigen Konditionen direkt beim jeweiligen Anbieter prüfen.

Häufige Fragen

Was ist ein Verrechnungskonto genau?

Das Verrechnungskonto ist das Cash-Konto, das automatisch zu jedem Wertpapierdepot gehört. Darüber laufen Käufe und Verkäufe von Wertpapieren sowie Gutschriften wie Dividenden oder Zinsen. Es ist kein eigenständiges Sparprodukt, sondern ein technisches Abwicklungskonto.

Bekomme ich auf jedem Verrechnungskonto Zinsen?

Nein. Einige Neobroker verzinsen das Verrechnungskonto direkt, während bei vielen klassischen Direktbanken das eigentliche Verrechnungskonto laut mehreren Vergleichsportalen unverzinst bleibt und stattdessen ein separates Tagesgeldkonto mit eigenem Zinssatz angeboten wird. Ob und wie viel Zins gezahlt wird, unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter deutlich.

Wie hoch sind die Zinsen bei Trade Republic und Scalable Capital aktuell?

Stand August 2026 zahlt Trade Republic laut eigenen Angaben 2,25 % p.a. variabel ohne Deckel auf das Cash-Guthaben. Scalable Capital zahlt 2,50 % p.a. variabel ohne Deckel auf dem separaten „Scalable Overnight“-Konto, während das reguläre Verrechnungskonto seit April 2026 mit 0 % geführt wird. Beide Sätze sind variabel und können sich jederzeit ändern – bitte aktuell beim Anbieter prüfen.

Ist mein Geld auf dem Verrechnungskonto sicher?

Für Guthaben auf dem Verrechnungskonto gilt in der Regel die gesetzliche Einlagensicherung von bis zu 100.000 Euro pro Kundin oder Kunde und Bank. Da viele Neobroker mit einer oder mehreren Partnerbanken arbeiten, kann der tatsächlich abgedeckte Betrag je nach Verteilung variieren. Die Details zu Partnerbank-Modellen und Broker-Insolvenz sind in einem eigenen Beitrag zur Depotsicherheit ausführlich erklärt.

Muss ich Steuern auf Verrechnungskonto-Zinsen zahlen?

Ja. Zinsen auf dem Verrechnungskonto zählen wie Tagesgeldzinsen zu den Kapitalerträgen und unterliegen der Abgeltungssteuer von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Innerhalb des Sparerpauschbetrags bleiben sie steuerfrei, sofern ein Freistellungsauftrag beim Broker hinterlegt ist.

Muss ich beim Broker einen eigenen Freistellungsauftrag einrichten?

Ja. Ein bei der Hausbank oder einer anderen Bank hinterlegter Freistellungsauftrag gilt nicht automatisch auch beim Broker. Der Sparerpauschbetrag lässt sich zwar auf mehrere Institute aufteilen, muss aber bei jedem einzeln beantragt werden, sonst wird die Abgeltungssteuer direkt bei der Zinsgutschrift einbehalten.

Was ist besser: Verrechnungskonto, Tagesgeld oder Geldmarkt-ETF?

Das hängt von der individuellen Situation ab und lässt sich nicht pauschal beantworten. Ein Verrechnungskonto mit Zins ist unkompliziert und sofort investitionsbereit, ein separates Tagesgeldkonto bietet teils höhere oder länger garantierte Zinsen bei etwas mehr Verwaltungsaufwand, und ein Geldmarkt-ETF bildet die Geldmarktrendite nach, unterliegt aber keiner betragsmäßig gedeckelten Einlagensicherung und wird als Wertpapier gehandelt.

Warum ändern sich Verrechnungskonto-Zinsen so oft?

Die meisten Anbieter koppeln ihre variablen Zinssätze an den EZB-Einlagenzins. Ändert die Europäische Zentralbank ihren Leitzins, ziehen viele Broker und Banken ihre Konditionen zeitnah nach – nach oben wie nach unten, häufig ohne lange Ankündigungsfrist.

Was bedeutet eine Staffelgrenze beim Verrechnungskonto?

Einige Anbieter zahlen den beworbenen Zinssatz nur bis zu einem bestimmten Guthaben, etwa 100.000 Euro. Für den Teil des Guthabens oberhalb dieser Grenze gilt dann häufig ein niedrigerer Satz oder gar kein Zins mehr, wie es zum Beispiel bei gestaffelten Modellen der Fall ist.

Sind Aktionszinsen bei Neukunden dauerhaft?

In der Regel nicht. Viele Neukundenaktionen, etwa auf separaten Tagesgeldkonten von Direktbanken, gelten nur für einige Monate und fallen danach auf einen deutlich niedrigeren Bestandskundenzins zurück. Ein Blick auf das Ablaufdatum der Aktion lohnt sich vor jeder Entscheidung.

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