N26 und Scalable Capital erhöhen die Gebühren: Was sich für Wertpapier-Kunden im Herbst 2026 ändert
13. September 2026 · Lesezeit ca. 8 Min. · Redaktion: RenditeRadar
N26 verlangt seit dem 2. September 2026 wieder 0,90 € pro Order, Scalable Capital seit dem 1. September pauschal 1,99 € auf gettex. Was hinter den Preiserhöhungen steckt, wen sie treffen – und wie du deine Depotkosten jetzt einordnest.
> Hinweis: Dieser Beitrag informiert über öffentlich bekannte Preisänderungen zweier Anbieter und ordnet sie ein. Er ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung für oder gegen ein bestimmtes Depot – welcher Anbieter zu deiner Nutzung passt, musst du anhand deines eigenen Handelsverhaltens selbst abwägen. RenditeRadar vermittelt keine Finanzprodukte.
Das Wichtigste in Kürze
- N26 verlangt seit dem 2. September 2026 im kostenlosen Standardkonto wieder 0,90 € pro Order für Aktien und ETFs. Sparpläne bleiben laut Anbieter weiterhin gebührenfrei.
- Die kostenpflichtigen Kontomodelle N26 Go (9,90 €/Monat) und N26 Metal (16,90 €/Monat) enthalten weiterhin ein monatliches Freikontingent an Orders (nach verfügbaren Angaben 3 bzw. 10 Gratis-Orders), bevor auch dort Gebühren greifen.
- Scalable Capital verlangt seit dem 1. September 2026 auf dem Handelsplatz gettex pauschal 1,99 € je Order – unabhängig von der Ordergröße und auch für die eigenen PRIME-ETFs, die zuvor oft vergünstigt oder kostenlos handelbar waren.
- Beide Schritte fallen zeitlich mit dem EU-weiten PFOF-Verbot zusammen, das in Deutschland seit dem 1. Juli 2026 gilt: Broker dürfen seither keine Rückvergütungen mehr von Market Makern für die Weiterleitung von Kundenorders annehmen – eine bisher wichtige Finanzierungsquelle für kostenlose oder sehr günstige Orders.
- Für die meisten ETF-Sparplan-Sparer ändert sich zunächst wenig, da Sparplanausführungen bei beiden Anbietern weiterhin ohne Ordergebühr laufen. Betroffen sind vor allem Nutzer mit Einzelkäufen, Umschichtungen oder Verkäufen.
- Ein Anbieter-Wechsel wegen einer einzelnen Gebührenänderung sollte gegen die eigenen Depotkosten insgesamt abgewogen werden – nicht isoliert gegen die Marketingaussage "kostenlos" von vor einem Jahr.
Was bei N26 seit dem 2. September 2026 konkret gilt
N26 hatte den Wertpapierhandel im Januar 2025 als einer der ersten Anbieter in Europa vollständig gebührenfrei gestellt – ein Novum, das in der Neobroker-Szene viel Aufmerksamkeit bekam. Seit dem 2. September 2026 kehrt N26 laut mehreren unabhängig berichtenden Fachmedien zu einem Gebührenmodell zurück, das dem Stand vor Januar 2025 ähnelt: 0,90 € je Einzelorder im kostenlosen Standardkonto.
Wer eines der kostenpflichtigen Kontomodelle nutzt, ist nach verfügbaren Angaben unterschiedlich betroffen:
- N26 Standard (kostenloses Konto): 0,90 € je Order, keine Freikontingente.
- N26 Go (9,90 €/Monat): laut Berichterstattung 3 Gratis-Orders pro Monat, danach reguläre Gebühr.
- N26 Metal (16,90 €/Monat): laut Berichterstattung 10 Gratis-Orders pro Monat, danach reguläre Gebühr.
Sparpläne – also die automatisierte, wiederkehrende Ausführung eines festgelegten Betrags in einen ETF oder eine Aktie – bleiben nach bisherigem Kenntnisstand weiterhin ohne separate Ordergebühr. Wer sein N26-Depot ausschließlich für einen laufenden ETF-Sparplan nutzt und keine Einzelkäufe tätigt, merkt von der Umstellung im Alltag zunächst wenig.
Was bei Scalable Capital seit dem 1. September 2026 konkret gilt
Bei Scalable Capital betrifft die Änderung speziell den Handelsplatz gettex (die Börse München für den außerbörslichen bzw. börsengehandelten Direkthandel): Seit dem 1. September 2026 kostet dort jede Order pauschal 1,99 € – unabhängig von der Ordergröße. Das gilt nach Berichten auch für die PRIME-ETFs des Anbieters, die zuvor unter bestimmten Bedingungen kostenlos oder vergünstigt handelbar waren.
Über die anbietereigene Handelsplattform EIX bot Scalable Capital zuletzt weiterhin eine niedrigere Gebühr von rund 0,99 € pro Order an – wer über EIX statt über gettex handelt, ist von der gettex-spezifischen Erhöhung also nicht in gleichem Maß betroffen. Für Sparplanausführungen, die Scalable Capital standardmäßig über eigene Ausführungswege abwickelt, gilt auch hier: Sie sind bislang nicht mit der gettex-Ordergebühr gleichzusetzen.
Warum ausgerechnet jetzt? Der Zusammenhang mit dem PFOF-Verbot
Beide Preisänderungen fallen in ein Zeitfenster, das mit einer regulatorischen Zäsur zusammenfällt: Seit dem 1. Juli 2026 dürfen Broker in Deutschland keine Payment-for-Order-Flow (PFOF)-Zahlungen mehr annehmen – also keine Vergütungen mehr von Market Makern dafür, dass Kundenorders bevorzugt an sie weitergeleitet werden. Deutschland hatte die in der EU-Verordnung MiFIR vorgesehene Übergangsfrist bis zum 30. Juni 2026 ausgeschöpft; das grundsätzliche PFOF-Verbot gilt EU-weit bereits länger. Wir haben den Übergang selbst ausführlich eingeordnet in „PFOF-Verbot ab 1. Juli 2026: Was sich für Neobroker-Kunden ändert".
Drei Wochen nach Inkrafttreten des Verbots präzisierte die BaFin am 22. Juli 2026 in einer Aufsichtsmitteilung, welche Geschäftsmodell-Anpassungen sie für zulässig hält und welche sie als verdeckte Umgehung des Verbots einstuft – dazu mehr im Hintergrundartikel „BaFin zieht Grenzen: Welche Neobroker-Modelle nach dem PFOF-Verbot noch erlaubt sind". PFOF-Zahlungen waren für viele Broker in der Vergangenheit eine wesentliche Finanzierungsquelle für kostenlose oder sehr günstige Orderausführung. Fällt diese Einnahmequelle weg, müssen Anbieter ihre Kosten auf anderem Weg decken – etwa über direkte Ordergebühren, Kontomodelle mit Freikontingent oder andere Erlösquellen wie Zinsen auf Verrechnungskonten.
Wichtig zur Einordnung: Weder N26 noch Scalable Capital haben die PFOF-Regulierung öffentlich als alleinigen Grund für ihre Preisänderung genannt – dieser Beitrag stellt lediglich den zeitlichen und branchenweiten Zusammenhang dar, wie er auch von mehreren Fachmedien beschrieben wird, ohne einzelnen Anbietern eine bestimmte interne Kalkulation zu unterstellen.
Preismodelle im Überblick (Stand: September 2026)
Die folgende Tabelle fasst öffentlich bekannte Gebühren für den Einzelkauf von Aktien/ETFs zusammen. Ordergebühren ändern sich in der Neobroker-Branche derzeit häufig – prüfe vor einer Entscheidung immer die aktuellen Konditionen direkt beim Anbieter.
| Anbieter | Gebühr je Einzelorder (Stand 09/2026) | Besonderheit |
|---|---|---|
| N26 (Standard) | 0,90 € | Sparpläne weiterhin ohne Ordergebühr |
| N26 Go (9,90 €/Monat) | 3 Gratis-Orders, danach 0,90 € | Kontomodell mit Freikontingent |
| N26 Metal (16,90 €/Monat) | 10 Gratis-Orders, danach 0,90 € | Kontomodell mit Freikontingent |
| Scalable Capital (gettex) | 1,99 € pauschal | Gilt auch für PRIME-ETFs |
| Scalable Capital (EIX) | rund 0,99 € | Anbietereigener Handelsplatz |
| Trade Republic | rund 1 € | Je nach Handelsplatz |
| Bitpanda | rund 1 € | Je nach Handelsplatz |
| Justtrade | rund 1 € | Je nach Handelsplatz |
| eToro | ohne separate Ordergebühr | Andere Erlösquellen (u. a. Spreads) |
| Flatex | ab 5,90 € zzgl. Fremdkostenpauschale | Klassisches Filialbank-nahes Preismodell |
| ING | ab 4,90 € zzgl. 0,25 % Provision | Klassisches Filialbank-Preismodell |
Diese Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder tagesaktuelle Genauigkeit – einen laufend aktualisierten, strukturierten Vergleich findest du im Depot-Vergleich.
Was das für ETF-Sparpläne konkret bedeutet
Wer sein Depot ausschließlich für einen oder mehrere laufende ETF-Sparpläne nutzt und keine Einzelkäufe oder häufigen Umschichtungen vornimmt, ist von beiden hier beschriebenen Änderungen nach aktuellem Stand nicht unmittelbar betroffen – die reguläre Sparplanausführung bleibt bei beiden Anbietern nach eigenen Angaben gebührenfrei. Relevant werden die neuen Gebühren vor allem für:
- Einzelkäufe außerhalb eines Sparplans (z. B. ein größerer Einmalbetrag oder eine gezielte Nachkaufsentscheidung),
- Verkäufe einzelner Positionen,
- Umschichtungen, etwa beim Wechsel von einem ETF auf einen anderen,
- Nutzer, die sehr viele kleine Einzelorders statt eines gebündelten Sparplans ausführen.
Rechenbeispiel: Ab wann lohnt sich ein Kontomodell mit Freikontingent?
Ob sich ein kostenpflichtiges Kontomodell wie N26 Go oder N26 Metal gegenüber dem kostenlosen Standardkonto rechnet, hängt allein von der Anzahl der Einzelorders pro Monat ab – nicht vom investierten Betrag. Ein vereinfachtes Beispiel für N26 Go (9,90 €/Monat, 3 Gratis-Orders):
- Bei 3 Einzelorders im Monat: Standardkonto kostet 3 × 0,90 € = 2,70 €; N26 Go kostet 9,90 € (unabhängig genutzter Gratis-Orders). Das Standardkonto ist günstiger.
- Bei 11 Einzelorders im Monat: Standardkonto kostet 11 × 0,90 € = 9,90 €; N26 Go kostet 9,90 € Grundgebühr + 8 × 0,90 € für die über das Freikontingent hinausgehenden Orders = 17,10 €. Das Standardkonto bleibt günstiger.
In diesem vereinfachten Rechenbeispiel lohnt sich ein Umstieg auf ein Kontomodell mit Freikontingent allein aus reiner Order-Kostensicht kaum, solange die Gratis-Orders die Grundgebühr nicht kompensieren – die Konten bieten allerdings zusätzliche Leistungen (z. B. Kartenfeatures, Versicherungsbausteine), die in einer Gesamtabwägung eine Rolle spielen können und hier bewusst ausgeklammert bleiben, weil sie individuell sehr unterschiedlich gewichtet werden.
Checkliste: Was du jetzt sinnvoll prüfen kannst
1. Schau in die aktuelle Preisliste deines Brokers statt dich auf ältere Marketingaussagen ("kostenlos") zu verlassen – Konditionen ändern sich 2026 branchenweit häufig. 2. Unterscheide zwischen Sparplan- und Einzelorder-Gebühren. Viele Anbieter behandeln beides unterschiedlich. 3. Rechne dein eigenes Orderverhalten durch, bevor du ein kostenpflichtiges Kontomodell wählst – wie im Beispiel oben lohnt sich ein Upgrade nicht automatisch. 4. Prüfe den genutzten Handelsplatz. Bei Scalable Capital macht es beispielsweise einen Unterschied, ob über gettex oder EIX gehandelt wird. 5. Vermeide einen überstürzten Wechsel allein wegen einer einzelnen Gebührenerhöhung – ein Depotwechsel ist mit Aufwand verbunden und lohnt sich eher bei einer grundsätzlichen, dauerhaften Kostendifferenz als bei einer einzelnen Anpassung.
Wer sein Depot grundsätzlich neu vergleichen möchte, findet eine strukturierte Übersicht im Depot-Vergleich; den grundsätzlichen Unterschied zwischen Neobroker und klassischer Filialbank erklärt der Beitrag „Neobroker oder Filialbank? Der ehrliche Vergleich für Einsteiger", versteckte Kostenarten jenseits der reinen Ordergebühr behandelt „Depotgebühren im Blick".
Häufiger Denkfehler: "Der günstigste Anbieter von 2025 ist auch 2026 der günstigste"
Da sich Gebührenmodelle in der Neobroker-Branche seit dem PFOF-Verbot spürbar in Bewegung befinden, ist eine einmal getroffene Einschätzung ("Anbieter X ist der günstigste") keine dauerhafte Tatsache mehr, sondern eine Momentaufnahme. Wer seine Depotwahl auf Basis veralteter Vergleichsdaten trifft, läuft Gefahr, eine Preiserhöhung zu übersehen, die inzwischen bei einem vermeintlich günstigen Anbieter längst umgesetzt wurde. Ein regelmäßiger, aktueller Blick auf die tatsächlichen Konditionen ersetzt hier verlässlicher als jede pauschale Anbieterempfehlung.
Fazit
N26 und Scalable Capital haben im September 2026 unabhängig voneinander ihre Ordergebühren für Einzelkäufe angehoben – N26 auf 0,90 € im Standardkonto, Scalable Capital auf pauschal 1,99 € über den Handelsplatz gettex. Beide Schritte fallen zeitlich mit dem PFOF-Verbot zusammen, das eine bisherige Finanzierungsquelle für kostenlose Orders entfallen lässt, auch wenn keiner der beiden Anbieter dies öffentlich als alleinigen Grund benannt hat. Für reine ETF-Sparplan-Nutzer ändert sich nach aktuellem Stand wenig; wer regelmäßig Einzelkäufe tätigt, sollte die eigenen Depotkosten neu durchrechnen, statt sich auf ältere "kostenlos"-Aussagen zu verlassen.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Anlageberatung. RenditeRadar ist ein Vergleichs- und Informationsangebot, keine Anlageberatung und keine Vermittlung von Finanzprodukten.
Häufige Fragen
Ab wann gilt die neue N26-Ordergebühr von 0,90 €?
Nach übereinstimmender Berichterstattung mehrerer Fachmedien seit dem 2. September 2026 im kostenlosen N26-Standardkonto. Sparpläne sollen laut Anbieter weiterhin ohne separate Ordergebühr laufen.
Betrifft die Scalable-Capital-Gebühr auch Sparpläne?
Die berichtete Erhöhung auf pauschal 1,99 € gilt für Einzelorders über den Handelsplatz gettex, einschließlich der PRIME-ETFs. Reguläre Sparplanausführungen sind davon nach bisherigem Kenntnisstand nicht in gleicher Weise betroffen; für eine verbindliche Einschätzung der eigenen Konditionen empfiehlt sich ein Blick in die aktuelle Preisliste des Anbieters.
Hängen die Gebührenerhöhungen mit dem PFOF-Verbot zusammen?
Zeitlich fallen beide Änderungen in den Zeitraum nach dem EU-weiten PFOF-Verbot, das in Deutschland seit dem 1. Juli 2026 gilt und eine bisherige Einnahmequelle für kostenlose Orderausführung entfallen lässt. Weder N26 noch Scalable Capital haben dies öffentlich als alleinigen Grund genannt – der zeitliche Zusammenhang wird jedoch auch von mehreren Fachmedien so eingeordnet.
Lohnt sich wegen der Gebührenerhöhung ein Depotwechsel?
Das hängt vom eigenen Orderverhalten ab. Wer überwiegend über Sparpläne investiert, ist kaum betroffen. Wer viele Einzelorders tätigt, sollte die eigenen Kosten mit anderen Anbietern im Depot-Vergleich durchrechnen, statt allein wegen einer einzelnen Preisänderung zu wechseln.
Was ist der Unterschied zwischen Scalable Capital gettex und EIX?
Gettex ist ein Handelsplatz der Börse München, EIX (Europace Interbank Exchange) ist der anbietereigene Handelsplatz von Scalable Capital. Die berichtete Gebührenerhöhung auf 1,99 € betrifft gettex; über EIX lag die Ordergebühr zuletzt niedriger (rund 0,99 €).
Gibt es noch komplett kostenlose Broker für Einzelorders?
Laut aktuellen Vergleichsdaten bietet etwa eToro Handel ohne separate Ordergebühr an, finanziert sich dafür aber über andere Erlösquellen wie Spreads. Ein Vergleich lohnt sich immer im Gesamtbild aus Ordergebühr, Spread, Fremdkostenpauschale und weiteren Konditionen.