Renditeradar

EZB-Zinsentscheid am 29. Oktober 2026: Leitzins bleibt bei 2,50 % – was das für Tagesgeld, Festgeld und Inflation heißt

30. Oktober 2026 · Lesezeit ca. 6 Min. · Redaktion: RenditeRadar

Die EZB hat die Leitzinsen am 29. Oktober 2026 unverändert gelassen, der Einlagesatz bleibt bei 2,50 %. Was die Zinspause für Tagesgeld, Festgeld und Kredite bedeutet und wie die Inflation von 3,3 % den Realzins drückt.

Die EZB hat am 29. Oktober 2026 alle drei Leitzinsen unverändert gelassen: Der Einlagesatz bleibt bei 2,50 %, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 % und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,90 %. Damit folgt auf die Erhöhung vom 10. September (wirksam seit dem 16. September) eine Zinspause. Für Tagesgeld und Festgeld ändert sich dadurch zunächst nichts an den Leitzinsen selbst, wichtig bleibt aber der Abstand zur Inflation.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der EZB-Rat hat am 29. Oktober 2026 die drei Leitzinsen unverändert gelassen: 2,50 % (Einlagefazilität), 2,65 % (Hauptrefinanzierung) und 2,90 % (Spitzenrefinanzierung).
  • Die EZB nennt weiter steigende Energiepreise als Aufwärtsrisiko für die Inflation und als Abwärtsrisiko für das Wachstum. Die Finanzierungsbedingungen haben sich seit der Sitzung im September verschärft.
  • Die Teuerung im Euroraum lag laut EZB im September 2026 bei 3,8 % (August: 3,2 %). Die Energiepreise stiegen um 18,9 %, ohne Energie lag die Rate bei 2,3 %.
  • In Deutschland lag die Inflationsrate im September 2026 laut Statistischem Bundesamt bei 3,3 %, dem höchsten Wert seit Dezember 2023.
  • Einen festen Zinspfad nennt die EZB nicht. Sie entscheidet „von Sitzung zu Sitzung" und abhängig von den Daten. Die nächste Sitzung findet im Dezember statt, dann mit neuen Projektionen des EZB-Stabs.

Was die EZB am 29. Oktober beschlossen hat

Der EZB-Rat hat die drei Leitzinsen nicht verändert. Die Sätze gelten seit der Erhöhung vom 10. September 2026, die zum 16. September wirksam wurde. Eine Zusammenfassung dieser Erhöhung findest du im Artikel zum EZB-Zinsentscheid im September 2026.

LeitzinsSatz nach dem 29.10.2026Veränderung gegenüber September
Einlagefazilität2,50 %unverändert
Hauptrefinanzierungsgeschäfte2,65 %unverändert
Spitzenrefinanzierungsfazilität2,90 %unverändert

Der Einlagesatz ist der Zins, den Banken für Geld erhalten, das sie über Nacht bei der EZB parken. Er gilt als wichtigster Orientierungswert für die Zinsen auf Tagesgeld und Festgeld, auch wenn Banken ihre Konditionen eigenständig festlegen. Die Sparzinsen deiner Bank sind also nicht identisch mit 2,50 %.

Bei den Wertpapierbeständen bleibt es beim bisherigen Kurs: Die Anleihebestände aus den Programmen APP und PEPP schrumpfen, weil die Rückzahlungen fälliger Anleihen nicht mehr wieder angelegt werden. Für Stress an den Märkten verweist die EZB auf ihr Instrument zur Absicherung der geldpolitischen Transmission (TPI).

Warum die EZB pausiert, obwohl die Inflation steigt

Auf den ersten Blick wirkt eine Pause überraschend, denn die Inflation ist zuletzt gestiegen. Die EZB selbst gibt in ihrer Erklärung mehrere Anhaltspunkte:

  • Energie treibt die Teuerung. Die Gesamtrate im Euroraum stieg im September auf 3,8 %, während die Kerninflation ohne Energie bei 2,3 % lag. Der Anstieg geht also zu einem großen Teil auf Energie zurück.
  • Die Kerninflation ist stabil. Die EZB beschreibt die Indikatoren der zugrunde liegenden Inflation als „weitgehend stabil". Die Tariflöhne sollen laut EZB-Erwartung im Rest von 2026 um 2,5 bis 2,8 % steigen.
  • Die Finanzierungsbedingungen sind bereits strenger. Die EZB verweist auf gestiegene Renditen für zehnjährige Staatsanleihen (rund 35 Basispunkte seit den Projektionen vom September) und auf höhere Kreditkosten: Hypothekenzinsen im Euroraum lagen im August bei 3,6 % nach 3,5 % im Juli.
  • Die Wirtschaft wächst weiter, aber mit Risiken. Im dritten Quartal ist die Wirtschaft laut EZB weiter gewachsen. Die Risiken für das Wachstum sieht sie nach unten gerichtet, vor allem wegen des Konflikts im Nahen Osten und möglicher Störungen der Energieversorgung.

Die EZB erwartet, dass die Teuerung in den kommenden Quartalen „deutlich über dem Zielwert" bleibt und danach in Richtung 2 % zurückgeht, wenn der Energiepreisanstieg nachlässt und frühere Zinsschritte wirken. Das ist eine Erwartung, keine Garantie.

Inflation in Deutschland: Warum die Zahl von der EZB-Zahl abweicht

Zwei Prozentwerte kursieren derzeit: 3,8 % und 3,3 %. Beide stimmen, sie messen aber Unterschiedliches.

KennzahlWert September 2026Quelle
Teuerung im Euroraum (HVPI)3,8 %EZB
Teuerung in Deutschland (Verbraucherpreisindex)3,3 %Statistisches Bundesamt
Deutschland ohne Nahrungsmittel und Energie2,4 %Statistisches Bundesamt
Deutschland: Energie+14,9 %Statistisches Bundesamt

Das Statistische Bundesamt nennt für Deutschland im September eine Inflationsrate von +3,3 % nach 2,9 % im August und 2,8 % im Juli. Treiber waren Kraftstoffe (+37,1 % gegenüber dem Vorjahr) und Heizöl (+74,9 %), während Strom (−5,5 %) und Erdgas (−2,8 %) günstiger waren als ein Jahr zuvor. Der Tankrabatt des Bundes gilt seit dem 1. Oktober und ist in den September-Zahlen noch nicht enthalten. Die Werte für Oktober lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Entscheidend für deine eigene Rechnung ist ohnehin deine persönliche Teuerung, die je nach Verbrauch von der Durchschnittsrate abweicht.

Was die Zinspause für Tagesgeld und Festgeld bedeutet

Tagesgeld. Die Zinsen sind variabel. Banken können sie jederzeit ändern und tun das erfahrungsgemäß mit Verzögerung und nicht eins zu eins zum Leitzins. Weil die EZB am 29. Oktober nichts geändert hat, gibt es aus dieser Sitzung keinen neuen Anlass für Anpassungen. Spätere Anhebungen aus dem September können aber noch bei einzelnen Anbietern ankommen. Warum das so lange dauern kann, erklärt der Beitrag Tagesgeld: Zinserhöhung wird verzögert weitergegeben. Aktuelle Konditionen zeigt der Tagesgeld-Vergleich und die Übersicht unter Zinsen.

Festgeld. Der Zins steht für die gesamte Laufzeit fest. Bereits abgeschlossenes Festgeld ist von der Entscheidung nicht betroffen. Bei neuen Abschlüssen spielt die Erwartung über künftige Zinsschritte eine Rolle, und diese Erwartung ist unsicher, weil die EZB keinen Pfad vorgibt. Wie sich Laufzeiten staffeln lassen, zeigt der Beitrag zur Festgeld-Leiter. Aktuelle Angebote findest du im Festgeld-Vergleich.

Variable Kredite. Wer einen Kredit mit variablem Zins hat, etwa einen Dispo oder ein an den Euribor gekoppeltes Darlehen, profitiert von der Pause insofern, als keine weitere Erhöhung vom Leitzins ausgeht. Bereits eingetretene Erhöhungen bleiben jedoch bestehen.

Rechenbeispiel: Wie viel bleibt nach Inflation?

Ein nominaler Zins sagt noch nichts über die Kaufkraft. Das Beispiel nutzt die deutsche Inflationsrate vom September (3,3 %) und drei angenommene Zinssätze. Die Sätze sind Rechenbeispiele und keine Marktangaben. Steuern und Gebühren sind nicht berücksichtigt.

Bei 10.000 € Guthaben und einem Zins von 3,0 % beträgt der Zinsertrag nach einem Jahr 300 €. Würden die Preise im selben Zeitraum um 3,3 % steigen, wäre ein Warenkorb, der vorher 10.000 € gekostet hat, auf 10.330 € gestiegen. Das Guthaben von 10.300 € reicht dann nicht ganz dafür.

Angenommener ZinsZinsertrag auf 10.000 € (brutto)Realzins bei 3,3 % Inflation
2,0 %200 €rund −1,3 %
3,0 %300 €rund −0,3 %
4,0 %400 €rund +0,7 %

Der Realzins berechnet sich als (1 + Zins) geteilt durch (1 + Inflation) minus 1. Das Prinzip erklärt der Beitrag Realzins und Inflation, eigene Zahlen kannst du im Inflationsrechner durchspielen. Wichtig: Die Inflation der Vergangenheit sagt nichts über die Inflation der nächsten zwölf Monate. Beim Festgeld ist der Zins fix, die Inflation nicht.

Was du jetzt prüfen kannst

  • Welchen Zinssatz zahlt dein Tagesgeldkonto aktuell, und seit wann gilt er? Ist er befristet, etwa als Neukundenaktion?
  • Wie weit liegt dein Zins im Vergleich zur aktuellen Inflationsrate und zum Einlagesatz von 2,50 %?
  • Wann laufen bestehende Festgelder aus, und wie viel Liquidität brauchst du bis dahin?
  • Hast du variabel verzinste Kredite? Wie hoch wäre die Rate bei einem um einen Prozentpunkt höheren Zins?
  • Liegen Beträge über der Einlagensicherung von 100.000 € je Kunde und Bank?

Das sind Prüffragen, keine Empfehlung. RenditeRadar ist ein Informations- und Vergleichsangebot und bietet weder Anlageberatung noch Vermittlung an.

Quellen

Häufige Fragen

Was hat die EZB am 29. Oktober 2026 beschlossen?

Der EZB-Rat hat alle drei Leitzinsen unverändert gelassen: Einlagefazilität 2,50 %, Hauptrefinanzierungsgeschäfte 2,65 %, Spitzenrefinanzierungsfazilität 2,90 %. Die Sätze gelten seit der Erhöhung vom 10. September 2026 (wirksam ab 16. September).

Warum hat die EZB die Zinsen nicht weiter erhöht?

Die EZB nennt keine einzelne Begründung für die Pause, verweist aber auf stabile Indikatoren der zugrunde liegenden Inflation, bereits verschärfte Finanzierungsbedingungen und Abwärtsrisiken für das Wachstum. Sie entscheidet datenabhängig von Sitzung zu Sitzung.

Steigen die Tagesgeldzinsen nach der Entscheidung?

Aus der Sitzung vom 29. Oktober ergibt sich kein neuer Impuls, da die Leitzinsen unverändert blieben. Banken legen Tagesgeldzinsen selbst fest und passen sie oft verzögert und nur teilweise an. Die Konditionen einzelner Anbieter kannst du im Tagesgeld-Vergleich einsehen.

Wie hoch ist die Inflation in Deutschland aktuell?

Das Statistische Bundesamt meldet für September 2026 eine Inflationsrate von 3,3 % (August: 2,9 %). Ohne Nahrungsmittel und Energie lag sie bei 2,4 %. Für den Euroraum nennt die EZB 3,8 %. Die Oktober-Werte lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

Wann tagt die EZB das nächste Mal?

Die nächste geldpolitische Sitzung findet laut EZB im Dezember 2026 statt, dann mit neuen Projektionen des EZB-Stabs. Einen festen Zinspfad hat die EZB nicht angekündigt.

Passend weiterlesen

Ähnliche Artikel

← Alle Beiträge