Nominalzins vs. Realzins: Was die Inflation deinem Ersparten wirklich antut
22. Juni 2026 · Lesezeit ca. 4 Min. · Redaktion: RenditeRadar
Realzins und Inflation einfach erklärt: Warum dein Geld trotz Zinsen an Kaufkraft verlieren kann – mit Formel, Beispielrechnung und Tipps gegen den Wertverlust.
Dein Tagesgeld bringt Zinsen – und trotzdem kannst du dir am Ende weniger leisten als vorher. Wie kann das sein? Die Antwort steckt im Unterschied zwischen Nominalzins und Realzins. Der Nominalzins ist die Zahl auf deinem Kontoauszug. Der Realzins zeigt, was nach Abzug der Inflation an echtem Wertzuwachs übrig bleibt. Wer diesen Unterschied versteht, trifft bessere Entscheidungen für sein Geld.
Nominalzins und Realzins – der Unterschied
Der Nominalzins ist der Zinssatz, den dir eine Bank für dein Tagesgeld oder Festgeld zahlt. Er sagt nichts darüber aus, wie viel du dir für dein Geld kaufen kannst. Der Realzins dagegen berücksichtigt die Inflation, also den allgemeinen Preisanstieg. Er beantwortet die eigentlich wichtige Frage: Habe ich am Ende mehr Kaufkraft als vorher?
Die Faustformel ist einfach:
Realzins ≈ Nominalzins − Inflationsrate
Ein Beispiel mit aktuellen Größenordnungen: Der EZB-Einlagenzins liegt bei 2,25 Prozent, gute Tagesgeldangebote orientieren sich daran. Die Inflation lag zuletzt bei rund 3 Prozent. Dein Realzins beträgt damit etwa 2,25 − 3 = −0,75 Prozent. Trotz positiver Zinsen verlierst du real an Kaufkraft.
So frisst die Inflation deine Kaufkraft
Inflation wirkt schleichend, aber stetig. Bei rund 3 Prozent Inflation pro Jahr verliert dein Geld jedes Jahr ein Stück seiner Kaufkraft – und der Effekt summiert sich über die Zeit, genau wie der Zinseszins, nur in die falsche Richtung.
Die folgende Tabelle zeigt, was aus der Kaufkraft von 10.000 Euro bei 3 Prozent Inflation wird, wenn das Geld zinslos liegen bleibt:
| Zeitraum | Kaufkraft von 10.000 € |
|---|---|
| heute | 10.000 € |
| nach 5 Jahren | rund 8.630 € |
| nach 10 Jahren | rund 7.440 € |
| nach 20 Jahren | rund 5.540 € |
Nach zehn Jahren ist die Kaufkraft also um mehr als ein Viertel gesunken, obwohl auf dem Konto nominal weiterhin 10.000 Euro stehen. Das ist der stille Preis, den Bargeld und unverzinste Guthaben zahlen.
Warum auch „sicheres“ Geld real verlieren kann
Viele halten Tagesgeld und Festgeld für risikolos. Das stimmt nur für den Nominalwert – dein Euro-Betrag schrumpft nicht. Real betrachtet tragen aber auch diese Anlagen ein Risiko: Solange der Nominalzins unter der Inflation liegt, verlierst du Kaufkraft. Genau das passiert derzeit, wenn rund 2,25 Prozent Zinsen auf rund 3 Prozent Inflation treffen.
Das heißt nicht, dass Tagesgeld sinnlos ist. Für den Notgroschen und kurzfristige Reserven ist Sicherheit beim Nominalwert wichtiger als die Realrendite. Für den langfristigen Vermögensaufbau brauchst du aber Anlagen, die die Inflation schlagen können – historisch etwa breit gestreute Aktien-ETF mit grob 6 bis 8 Prozent pro Jahr. Mehr dazu in unserem Beitrag zur realistischen Rendite.
Was du gegen den Wertverlust tun kannst
- Tagesgeld optimal nutzen: Wähle ein Konto mit Zinsen nahe am Leitzins, damit der reale Verlust klein bleibt. Ein Tagesgeldvergleich hilft.
- Langfristig in Sachwerte: Breit gestreute Aktien-ETF haben langfristig die Inflation übertroffen. Den Einstieg erleichtert ein ETF-Sparplan.
- Nicht zu viel parken: Halte nur so viel auf dem Konto, wie du als Reserve brauchst. Den Rest lässt du arbeiten.
Wie sich Inflation und Zinsen über die Jahre auswirken, machst du dir am besten mit dem Zinseszins-Rechner sichtbar – er zeigt sowohl das nominale Wachstum als auch, was real übrig bleibt. Vertiefen kannst du das Thema mit unserem Beitrag dazu, wie du Tagesgeldzinsen verstehen lernst.
Was die Inflation über Jahrzehnte anrichtet
Über kurze Zeiträume wirkt Inflation harmlos, über lange wird sie zur Macht. Bei rund 3 Prozent pro Jahr verliert Geld in etwa 24 Jahren die Hälfte seiner Kaufkraft – aus 10.000 Euro Kaufkraft werden also rund 5.000 Euro, ohne dass sich am Kontostand etwas ändert. Genau diese schleichende Entwertung übersieht man im Alltag leicht.
Daraus folgt eine klare Konsequenz für deine Geldaufteilung: Trenne zwischen Reserve und Vermögensaufbau. Den Teil, den du kurzfristig brauchst, hältst du sicher und verzinst auf dem Tagesgeld – der reale Verlust bleibt dort überschaubar. Den langfristig entbehrlichen Teil legst du in Sachwerte wie breit gestreute Aktien-ETFs an, die historisch die Inflation übertroffen haben.
Inflation in der Planung berücksichtigen
Wenn du ein langfristiges Sparziel hast, rechne in heutiger Kaufkraft. Ein Ziel von „100.000 Euro in 25 Jahren“ entspricht real deutlich weniger, als es heute klingt. Plane deshalb lieber mit einem etwas höheren Zielbetrag oder einer realen Renditeannahme, die die Inflation bereits abzieht. So vermeidest du die Enttäuschung, am Ende zwar die geplante Summe, aber weniger Kaufkraft zu haben als gedacht.
Ein Wort zur Einordnung
Die Inflationsrate schwankt von Jahr zu Jahr und kann zeitweise deutlich höher oder niedriger liegen. Für die langfristige Planung rechnest du am besten mit einem mittleren Erfahrungswert von rund 2 bis 3 Prozent pro Jahr und passt ihn an, wenn sich das Bild dauerhaft ändert.
Fazit
Der Nominalzins steht auf dem Kontoauszug, doch zählen tut der Realzins: Nominalzins minus Inflation. Liegt die Inflation über deinen Zinsen, verlierst du real an Kaufkraft – selbst bei vermeintlich sicherem Tagesgeld. Halte deine Reserve verzinst, aber baue langfristiges Vermögen mit inflationsschlagenden Anlagen auf. Rechne den Effekt mit dem Zinseszins-Rechner selbst nach.
*Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Juni 2026.*
Häufige Fragen
Wie berechne ich den Realzins?
Vereinfacht ziehst du die Inflationsrate vom Nominalzins ab: Realzins ist ungefähr Nominalzins minus Inflation. Bei 2,25 Prozent Zinsen und 3 Prozent Inflation ergibt das einen Realzins von rund minus 0,75 Prozent. Du verlierst dann trotz Zinsen an Kaufkraft.
Kann ich trotz Zinsen Geld verlieren?
Real ja. Wenn die Inflation höher ist als dein Zinssatz, sinkt die Kaufkraft deines Geldes, obwohl der Euro-Betrag wächst. Das ist derzeit bei vielen Tagesgeldkonten der Fall, weil die Inflation über den Zinsen liegt.
Ist Tagesgeld bei Inflation sinnlos?
Nein. Für den Notgroschen und kurzfristige Reserven ist die Sicherheit beim Nominalwert wichtiger als die Realrendite. Du solltest aber nur so viel parken, wie du als Reserve brauchst, und ein Konto mit möglichst hohen Zinsen wählen, um den realen Verlust gering zu halten.
Welche Anlagen schlagen die Inflation?
Langfristig haben breit gestreute Aktien-ETF mit historisch grob 6 bis 8 Prozent pro Jahr die Inflation übertroffen. Sie schwanken jedoch stark und eignen sich nur für lange Zeiträume. Für kurzfristige Ziele bleibt verzinstes Tagesgeld die passendere Wahl.