Welche Rendite ist realistisch? Renditeerwartung für ETF, Tagesgeld & Co.
22. Juni 2026 · Lesezeit ca. 4 Min. · Redaktion: RenditeRadar
Welche Rendite ist realistisch? Wir ordnen historische und realistische Erwartungen für Tagesgeld, Festgeld, Anleihen und Aktien-ETF ein – inklusive Realrendite.
„Mit ETF machst du 10 Prozent im Jahr“ – solche Sätze hört man oft, und sie sind gefährlich. Wer mit zu optimistischen Annahmen plant, baut sein Sparziel auf Sand. Eine realistische Renditeerwartung ist die Grundlage jeder seriösen Finanzplanung. In diesem Artikel ordnen wir ein, was die wichtigsten Anlageklassen langfristig wirklich liefern – und warum die reale Rendite nach Inflation der ehrlichere Maßstab ist.
Warum die Renditeerwartung so wichtig ist
Jede Sparplanung steht und fällt mit der angenommenen Rendite. Setzt du sie zu hoch an, sparst du zu wenig und verfehlst dein Ziel. Setzt du sie ehrlich an, stehst du am Ende auf festem Boden. Wichtig ist, zwischen historischen Durchschnitten und einer vorsichtigen Erwartung für die Zukunft zu unterscheiden – die Vergangenheit ist keine Garantie.
Renditeerwartung je Anlageklasse
Die folgende Übersicht zeigt grobe Richtwerte für die wichtigsten Anlageklassen. Es handelt sich um langfristige Durchschnitte vor Steuern und Inflation – keine Garantien und im Einzeljahr stark schwankend.
| Anlageklasse | Realistische Rendite p. a. | Risiko / Schwankung |
|---|---|---|
| Tagesgeld | nahe Leitzins, derzeit rund 2–2,5 % | sehr gering |
| Festgeld | leicht über Tagesgeld | gering, aber gebunden |
| Anleihen (solide) | etwa 2–4 % | mittel |
| Breite Aktien-ETF | historisch grob 6–8 % | hoch, langfristig |
Tagesgeld und Festgeld orientieren sich am Leitzins. Aktuell liegt der EZB-Einlagenzins bei 2,25 Prozent und der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,40 Prozent. Sinkt der Leitzins, sinken auch diese Zinsen. Anleihen liefern je nach Bonität und Laufzeit etwas mehr. Breit gestreute Aktien-ETF haben langfristig grob 6 bis 8 Prozent pro Jahr erzielt – allerdings mit teils heftigen Schwankungen und zwischenzeitlichen Verlusten.
Vorsicht vor zu optimistischen Werten
Die verbreiteten 10 Prozent stammen oft aus besonders guten Phasen einzelner Märkte und sind nicht repräsentativ. Wer langfristig plant, rechnet besser konservativ mit 5 bis 7 Prozent für Aktien-ETF. Drei Gründe sprechen für Vorsicht:
- Kosten: Die laufenden ETF-Kosten und Depotgebühren schmälern die Bruttorendite jedes Jahr.
- Steuern: Auf Kursgewinne und Ausschüttungen fällt Abgeltungssteuer von 26,375 Prozent an – abzüglich Teilfreistellung von 30 Prozent bei Aktien-ETF und Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person.
- Schwankungen: Renditen kommen nicht gleichmäßig. Ein schlechtes Jahrzehnt am Anfang kann das Ergebnis stark drücken.
Wie eng Ertrag und Risiko zusammenhängen, beleuchtet unser Beitrag zu Risiko und Rendite – den beiden Seiten derselben Medaille.
Nominal ist nicht real
Der ehrlichste Maßstab ist die reale Rendite – also nach Abzug der Inflation. Sie zeigt, wie viel Kaufkraft du tatsächlich dazugewinnst. Die Faustformel lautet: Realrendite ≈ Nominalrendite − Inflationsrate.
Ein Beispiel: Dein Tagesgeld bringt 2,5 Prozent, die Inflation liegt bei rund 3 Prozent. Deine reale Rendite ist dann leicht negativ – dein Geld verliert trotz Zinsen an Kaufkraft. Bei einem Aktien-ETF mit angenommenen 7 Prozent bleibt nach 3 Prozent Inflation eine reale Rendite von rund 4 Prozent. Genau dieser Unterschied erklärt, warum „sicheres“ Geld real verlieren kann, während Sachwerte langfristig Kaufkraft erhalten. Tiefer steigst du im Beitrag zu Realzins und Inflation ein.
Deine eigene Erwartung durchrechnen
Welche Rendite für dich realistisch ist, hängt von deiner Anlageklasse und deinem Zeithorizont ab. Mit dem Rendite-Rechner ermittelst du die tatsächliche Rendite einer Anlage und kannst Szenarien vergleichen. Für die langfristige Hochrechnung nutzt du den Zinseszins-Rechner oder den Sparplan-Rechner. Wer einen passenden Aktien-ETF sucht, wird in der ETF-Suche fündig.
So kommst du zu deiner eigenen Annahme
Statt eine Zahl aus der Werbung zu übernehmen, leitest du deine Renditeannahme besser selbst her. Drei Schritte helfen dabei:
1. Anlageklasse festlegen: Womit willst du das Geld anlegen – sicheres Tagesgeld, Anleihen oder breit gestreute Aktien-ETFs? Jede Klasse hat ihren eigenen Renditekorridor. 2. Konservativen Wert wählen: Nimm eher das untere Ende der historischen Spanne. Für Aktien-ETFs sind 5 bis 6 Prozent eine vorsichtige Annahme, für Tagesgeld orientierst du dich am aktuellen Zinsniveau. 3. Kosten und Steuern abziehen: Ziehe Produktkosten, Depotgebühren und die Abgeltungssteuer von 26,375 Prozent gedanklich ab, um auf eine realistische Nettorendite zu kommen.
Dieser bewusst vorsichtige Ansatz hat einen großen Vorteil: Du planst mit Sicherheitspuffer. Fällt die tatsächliche Rendite höher aus, ist das eine angenehme Überraschung. Verfehlst du eine zu optimistische Annahme, fehlt dir am Ende dagegen womöglich ein erheblicher Betrag. Lieber positiv überrascht werden als enttäuscht.
Der Zeithorizont relativiert das Risiko
Eine wichtige Ergänzung: Wie verlässlich eine Renditeannahme ist, hängt stark vom Anlagehorizont ab. Über ein einzelnes Jahr ist die Schwankungsbreite bei Aktien-ETFs riesig – von kräftigem Plus bis zu deutlichem Minus ist alles möglich. Über 15 Jahre und mehr nähert sich das Ergebnis dagegen historisch dem langfristigen Durchschnitt an. Je länger du anlegst, desto eher kannst du mit einer mittleren Renditeannahme planen. Für kurze Zeiträume solltest du dagegen bewusst vorsichtiger rechnen.
Fazit
Eine realistische Rendite ist die ehrliche Grundlage jeder Finanzplanung. Tagesgeld und Festgeld liefern nahe am Leitzins, Aktien-ETF langfristig grob 6 bis 8 Prozent vor Kosten und Steuern. Plane lieber vorsichtig und denke immer an die reale Rendite nach Inflation. Den tatsächlichen Wert deiner Anlage berechnest du mit dem Rendite-Rechner.
*Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Stand: Juni 2026.*
Häufige Fragen
Welche Rendite ist bei ETF realistisch?
Breit gestreute Aktien-ETF haben langfristig grob 6 bis 8 Prozent pro Jahr vor Kosten, Steuern und Inflation erzielt. Für die eigene Planung solltest du eher konservativ mit 5 bis 7 Prozent rechnen, da Kosten und Steuern die Rendite schmälern und die Märkte stark schwanken.
Sind 10 Prozent Rendite pro Jahr realistisch?
Dauerhaft eher nicht. Solche Werte stammen meist aus besonders guten Marktphasen und sind nicht repräsentativ. Wer langfristig mit 10 Prozent plant, riskiert, sein Sparziel zu verfehlen. Vorsichtige 5 bis 7 Prozent sind die sicherere Grundlage.
Was ist der Unterschied zwischen nominaler und realer Rendite?
Die nominale Rendite ist der ausgewiesene Wertzuwachs. Die reale Rendite zieht davon die Inflation ab und zeigt, wie viel Kaufkraft du wirklich gewinnst. Bei 3 Prozent Inflation bleibt von 7 Prozent nominal nur rund 4 Prozent real übrig.
Welche Rendite bringt Tagesgeld aktuell?
Tagesgeld orientiert sich am Leitzins. Bei einem EZB-Einlagenzins von derzeit 2,25 Prozent liegen gute Tagesgeldangebote in ähnlicher Höhe. Nach Inflation von rund 3 Prozent ist die reale Rendite jedoch oft leicht negativ.