Ratgeber
Duration bei Anleihen und Anleihen-ETFs: Zinsänderungsrisiko verständlich erklärt
Stand: Oktober 2026 · Lesezeit ca. 22 Min. · Redaktion: RenditeRadar
Macaulay- und modifizierte Duration, Konvexität und Haltedauer-Faustregel mit nachgerechneten Beispielen – und was Duration bei Anleihen-ETFs, Bundesanleihen, Pfandbriefen und Unternehmensanleihen bedeutet.
*Stand: 24.10.2026. Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information, ersetzt keine Anlageberatung und ist keine Empfehlung für ein bestimmtes Wertpapier oder einen bestimmten Fonds. Grundlage sind die offizielle EZB-Pressemitteilung zu den geldpolitischen Beschlüssen vom 10.09.2026 (abgerufen 24.10.2026), allgemeine Finanzmathematik sowie ETF-Erklärungen von justETF; alle Rechenbeispiele sind selbst berechnete, illustrative Modellrechnungen und keine realen Produktdaten. Marktrenditen und Fondsdurationen ändern sich laufend – maßgeblich sind stets die aktuellen Anbieterangaben.*
Wer Anleihen oder Anleihen-ETFs betrachtet, stößt früher oder später auf eine Kennzahl, die auf Factsheets unscheinbar in einer Tabellenzeile steht und doch das Wichtigste über das Kursrisiko verrät: die Duration. Sie wird häufig mit der Restlaufzeit verwechselt, ist aber etwas anderes – und genau diese Verwechslung führt in der Praxis zu falschen Erwartungen, etwa zu der Vorstellung, ein Fonds mit „kurzer Laufzeit" könne kaum Kursverluste erleiden, oder ein Fonds mit „Laufzeit 10 Jahre" verliere bei steigenden Zinsen exakt wie eine einzelne 10-jährige Anleihe.
Dieser Ratgeber geht die Duration von der Rechenseite an. Er zeigt Schritt für Schritt, wie sich Macaulay-Duration und modifizierte Duration berechnen, wie gut die bekannte Faustregel funktioniert, wo die Konvexität die Näherung korrigiert und warum die Haltedauer-Faustregel („Duration entspricht ungefähr der Zeit bis zur Erholung") mathematisch begründbar ist. Anschließend geht es um die Besonderheiten von Anleihen-ETFs mit konstanter Duration sowie um den Unterschied zwischen Bundesanleihen, Pfandbriefen und Unternehmensanleihen. Zum Schluss wird der aktuelle Zinsrahmen eingeordnet – ohne Prognose.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Duration ist die mit dem Barwert gewichtete durchschnittliche Zeit, bis eine Anleihe ihre Zahlungen zurückgibt (Macaulay-Duration, in Jahren). Die modifizierte Duration (Macaulay-Duration geteilt durch 1 plus Rendite) misst, um wie viel Prozent der Kurs bei einer Renditeänderung um einen Prozentpunkt näherungsweise schwankt.
- Die Duration ist bei Anleihen mit laufendem Kupon kürzer als die Restlaufzeit; nur bei Nullkupon-Anleihen sind beide gleich. Beispiel (selbst berechnet): Eine 10-jährige Anleihe mit 3 % Kupon bei 3 % Rendite hat eine Macaulay-Duration von 8,79 Jahren und eine modifizierte Duration von 8,53.
- Die Faustregel „Kursänderung ≈ −modifizierte Duration × Renditeänderung" ist für kleine Bewegungen gut, für große ungenau. Die Konvexität erklärt die Abweichung: Bei Zinsanstiegen fällt der Kurs weniger stark als die Faustregel angibt, bei Zinsrückgängen steigt er stärker.
- Haltedauer-Faustregel: Wer eine Anleihe oder einen Anleihen-ETF ungefähr so lange hält wie die (Macaulay-)Duration, hat den Zinsschock rechnerisch ausgeglichen – weil Kursverlust und höhere Wiederanlagerendite sich ungefähr aufheben. Im Beispiel unten liegt der Kreuzungspunkt bei einer 7-jährigen Anleihe zwischen 6 und 7 Jahren (Duration: 6,42).
- Anleihen-ETFs halten die Duration meist ungefähr konstant. Das Zinsänderungsrisiko verschwindet deshalb nicht mit der Zeit, wie es bei einer einzelnen Anleihe kurz vor Fälligkeit der Fall wäre.
- Bundesanleihen, Pfandbriefe und Unternehmensanleihen unterscheiden sich nicht nur im Ausfallrisiko, sondern auch in der Spread-Komponente: Bei Unternehmensanleihen kann sich der Renditeaufschlag zusätzlich zum allgemeinen Zinsniveau verändern.
- Der EZB-Rat hob am 10.09.2026 den Einlagesatz um 25 Basispunkte auf 2,50 % an (wirksam ab 16.09.2026). Leitzinsen und Renditen langlaufender Anleihen sind nicht dasselbe; die EZB legt sich nach eigener Aussage nicht auf einen Zinspfad fest.
Warum Duration mehr verrät als die Laufzeit
Eine Anleihe verspricht feste Zahlungen: regelmäßig den Kupon, am Ende den Nennwert. Der Kurs ist der Barwert dieser künftigen Zahlungen, abgezinst mit dem aktuellen Marktzins (der Rendite). Steigt dieser Marktzins, werden die festen Zahlungen weniger wert – der Kurs fällt. Je weiter eine Zahlung in der Zukunft liegt, desto stärker wirkt die Abzinsung. Das ist die Grundmechanik des Zinsänderungsrisikos.
Die Restlaufzeit sagt nur, wann die *letzte* Zahlung erfolgt. Zwei Anleihen mit 10 Jahren Restlaufzeit können sich jedoch sehr unterschiedlich verhalten: Die eine zahlt jährlich 5 % Kupon und gibt ihr Geld früh in Teilen zurück, die andere zahlt gar keinen Kupon und liefert alles am Ende. Die Duration berücksichtigt die Zeitpunkte *aller* Zahlungen und ist deshalb das genauere Maß für das Kursrisiko.
Abgrenzung zu bestehenden Ratgebern
Die Grundidee der Duration ist in anderen Beiträgen bereits kurz erklärt: der Anleihen-ETF-Ratgeber behandelt den Aufbau von Anleihen-ETFs und die Faustregel, der Beitrag zu Bundeswertpapieren den Kauf von Bundesanleihen, der Beitrag zu Unternehmensanleihen das Bonitätsrisiko. Dieser Ratgeber ergänzt das um die eigentliche Rechnung: Wie entsteht die Kennzahl, wann trägt die Faustregel nicht mehr, und wie lässt sich die Duration für die Haltedauer nutzen?
Macaulay-Duration: die gewichtete Kapitalbindungsdauer
Die Macaulay-Duration ist der Durchschnitt der Zahlungszeitpunkte, gewichtet mit dem Barwertanteil jeder Zahlung am Kurs:
> Macaulay-Duration = Σ (t × Barwert der Zahlung in Jahr t) ÷ Kurs
Rechenbeispiel: 5-jährige Anleihe, 3 % Kupon, 3 % Rendite
Eine Anleihe mit Nennwert 100, jährlichem Kupon von 3 und fünf Jahren Restlaufzeit wird mit einer Rendite von 3 % abgezinst. Da Kupon und Rendite übereinstimmen, liegt der Kurs bei 100 (Pari).
| Jahr t | Zahlung | Barwert bei 3 % | t × Barwert |
|---|---|---|---|
| 1 | 3 | 2,913 | 2,913 |
| 2 | 3 | 2,828 | 5,656 |
| 3 | 3 | 2,745 | 8,236 |
| 4 | 3 | 2,665 | 10,662 |
| 5 | 103 | 88,849 | 444,244 |
| Summe | 100,000 | 471,711 |
Die Macaulay-Duration beträgt 471,711 ÷ 100,000 = 4,717 Jahre. Das ist deutlich weniger als die Restlaufzeit von 5 Jahren, weil die Kupons früher fließen. Der Großteil des Gewichts liegt allerdings im letzten Jahr, da dort der Nennwert zurückgezahlt wird.
Der Einfluss von Kupon und Rendite
Je höher der Kupon, desto früher fließt Geld zurück und desto kürzer ist die Duration. Der Extremfall ist die Nullkupon-Anleihe: Hier gibt es nur eine einzige Zahlung am Ende, die Duration entspricht der Laufzeit. Die folgenden Werte sind selbst berechnet (10 Jahre Restlaufzeit, Rendite 3 %, jährliche Kupons):
| Kupon p. a. | Kurs | Macaulay-Duration (Jahre) | Modifizierte Duration |
|---|---|---|---|
| 0 % (Nullkupon) | 74,41 | 10,00 | 9,71 |
| 1 % | 82,94 | 9,51 | 9,24 |
| 3 % | 100,00 | 8,79 | 8,53 |
| 5 % | 117,06 | 8,27 | 8,03 |
Auch die Rendite beeinflusst die Duration, allerdings schwächer. Bei einer 10-jährigen Anleihe mit 3 % Kupon ergeben sich bei einer Rendite von 1 % 8,91 Jahre, bei 3 % 8,79 Jahre und bei 5 % 8,66 Jahre. Je höher die Rendite, desto stärker werden entfernte Zahlungen abgezinst und desto geringer ihr Gewicht.
Modifizierte Duration: die Kennzahl für das Kursrisiko
Die Macaulay-Duration ist eine Zeitgröße („Jahre"). Für die Kursreaktion wird sie umgerechnet:
> Modifizierte Duration = Macaulay-Duration ÷ (1 + Rendite)
Bei jährlichen Zahlungen ist das exakt; bei halbjährlichen Kupons wird durch (1 + Rendite ÷ 2) geteilt. Im Beispiel: 4,717 ÷ 1,03 = 4,580. Daraus folgt die bekannte Näherung:
> Kursänderung in % ≈ −modifizierte Duration × Renditeänderung in Prozentpunkten
Mit 4,58 bedeutet das: Steigt die Rendite um einen Prozentpunkt, fällt der Kurs ungefähr um 4,58 %. Fällt sie um einen Prozentpunkt, steigt er ungefähr um 4,58 %.
Im Alltag wird mit „Duration" bei Fonds und ETFs fast immer die modifizierte Duration gemeint, weil sie direkt als Prozentzahl lesbar ist. Anbieter weisen allerdings nicht immer aus, welche Variante sie nennen; ein Blick in die Methodik oder die Glossarangaben des Anbieters klärt das. justETF beschreibt die Duration in seinem Beitrag zum Zinsrisiko von Anleihen-ETFs als Maß dafür, wie sich der Kurs bei einer Zinsänderung von einem Prozentpunkt verhält, und bezeichnet sie als gute Faustregel, nicht als perfekten Maßstab.
Wie gut ist die Näherung? Exakte Kurse im Vergleich
Zum Test wird die Anleihe neu bewertet. Die exakte Kursänderung wird mit der Duration-Näherung verglichen (selbst berechnet, 5-jährige Anleihe mit 3 % Kupon, Ausgangsrendite 3 %, modifizierte Duration 4,58):
| Renditeänderung | Neuer Kurs (exakt) | Exakte Änderung | Duration-Näherung |
|---|---|---|---|
| +2,0 Prozentpunkte | 91,341 | −8,66 % | −9,16 % |
| +1,0 Prozentpunkt | 95,548 | −4,45 % | −4,58 % |
| +0,5 Prozentpunkte | 97,742 | −2,26 % | −2,29 % |
| −0,5 Prozentpunkte | 102,323 | +2,32 % | +2,29 % |
| −1,0 Prozentpunkt | 104,713 | +4,71 % | +4,58 % |
| −2,0 Prozentpunkte | 109,707 | +9,71 % | +9,16 % |
Bei kleinen Bewegungen liegt die Faustregel sehr nah am exakten Wert. Bei größeren Bewegungen wird sie ungenauer: Die Näherung überschätzt den Verlust bei steigenden Zinsen und unterschätzt den Gewinn bei fallenden Zinsen. Das hat einen Namen.
Konvexität: warum die Gerade nicht ganz reicht
Der Zusammenhang zwischen Rendite und Kurs ist keine Gerade, sondern eine nach innen gekrümmte Kurve. Die Duration entspricht der Steigung der Tangente an einem Punkt dieser Kurve; die Konvexität beschreibt die Krümmung. Eine genauere Näherung lautet:
> Kursänderung in % ≈ −Duration × Δy + ½ × Konvexität × (Δy)²
mit Δy in Dezimalform (1 Prozentpunkt = 0,01). Für die 5-jährige Anleihe beträgt die Konvexität rund 26,15. Für +1 Prozentpunkt ergibt sich: −4,58 % + ½ × 26,15 × 0,0001 × 100 % = −4,58 % + 0,13 % ≈ −4,45 %, also praktisch der exakte Wert. Die Konvexität wirkt für Anleiheninhaber:innen in beide Richtungen vorteilhaft, aber nur als Korrekturterm: Der Kurs fällt weniger stark als die Gerade vermuten lässt und steigt stärker.
Für eine längere Anleihe fällt die Korrektur größer aus. Selbst berechnet für die 10-jährige Anleihe (3 % Kupon, Rendite 3 %, modifizierte Duration 8,53, Konvexität rund 87,07):
| Renditeänderung | Exakte Änderung | Nur Duration | Duration + Konvexität |
|---|---|---|---|
| +2,0 Prozentpunkte | −15,44 % | −17,06 % | −15,32 % |
| +1,0 Prozentpunkt | −8,11 % | −8,53 % | −8,10 % |
| −1,0 Prozentpunkt | +8,98 % | +8,53 % | +8,97 % |
| −2,0 Prozentpunkte | +18,94 % | +17,06 % | +18,80 % |
Praktische Konsequenz: Für Renditeänderungen von bis zu etwa einem Prozentpunkt genügt die Duration. Bei Szenarien von zwei Prozentpunkten und mehr, besonders bei langen Laufzeiten, sollte die Faustregel als Näherung mit erkennbarer Ungenauigkeit verstanden werden. Fonds-Factsheets weisen die Konvexität in der Regel nicht aus; für Privatanleger:innen ist sie vor allem zum Verständnis nützlich.
Laufzeit versus Duration
Ein verbreiteter Irrtum lautet: „Laufzeit 10 Jahre heißt Duration 10 Jahre." Das gilt nur für Nullkupon-Anleihen. Die folgende Übersicht zeigt die Macaulay-Duration einer Anleihe mit 3 % Kupon bei 3 % Rendite (selbst berechnet):
| Restlaufzeit | Macaulay-Duration | Modifizierte Duration | Faustregel-Verlust bei +1 Prozentpunkt |
|---|---|---|---|
| 1 Jahr | 1,00 | 0,97 | ca. −0,97 % |
| 3 Jahre | 2,91 | 2,83 | ca. −2,83 % |
| 5 Jahre | 4,72 | 4,58 | ca. −4,58 % |
| 7 Jahre | 6,42 | 6,23 | ca. −6,23 % |
| 10 Jahre | 8,79 | 8,53 | ca. −8,53 % |
| 30 Jahre | 20,19 | 19,60 | ca. −19,60 % |
Zwei Beobachtungen: Erstens wächst die Duration mit der Laufzeit, aber unterproportional. Bei 30 Jahren Laufzeit liegt sie bei gut 20 Jahren, weil die Kupons über die Jahre Gewicht verlagern. Zweitens „schrumpft" die Duration einer einzelnen Anleihe im Zeitablauf: Eine heute 10-jährige Anleihe hat nach drei Jahren (Restlaufzeit 7) nur noch eine Macaulay-Duration von 6,42 statt 8,79. Mit der Annäherung an die Fälligkeit nimmt das Kursrisiko ab, bis zur Rückzahlung zum Nennwert – eine Eigenschaft, die ein Anleihen-ETF in der Regel nicht hat (siehe unten).
Die Haltedauer-Faustregel: Duration als Break-even-Horizont
Anleger:innen lesen oft den Satz: „Wer den Anleihen-ETF mindestens so lange hält wie seine Duration, kann Zinsanstiege aussitzen." Der Gedanke dahinter ist rechnerisch nachvollziehbar.
Steigen die Marktzinsen, fällt der Kurs sofort (Verlust). Gleichzeitig werden Kupons und auslaufende Anleihen anschließend zu höheren Renditen angelegt (Gewinn über die Zeit). Die Duration markiert näherungsweise den Zeitpunkt, an dem beide Effekte sich ausgleichen.
Rechenbeispiel: 7-jährige Anleihe, einmaliger Zinsschock
Annahme: Eine 7-jährige Anleihe mit 3 % Kupon wird zu Pari (100) gekauft. Unmittelbar danach steigt die Rendite einmalig auf 4 % und bleibt dort. Kupons werden zu 4 % wieder angelegt. Verglichen wird der Gesamtwert (Kurs plus wieder angelegte Kupons) mit dem Pfad ohne Zinsschock (Wertentwicklung von 3 % p. a.). Selbst berechnet:
| Haltedauer | Wert mit Zinsschock | Wert ohne Zinsschock | Differenz |
|---|---|---|---|
| sofort | 94,00 | 100,00 | −6,00 |
| 1 Jahr | 97,76 | 103,00 | −5,24 |
| 3 Jahre | 105,73 | 109,27 | −3,54 |
| 5 Jahre | 114,36 | 115,93 | −1,56 |
| 6 Jahre | 118,94 | 119,41 | −0,47 |
| 7 Jahre | 123,69 | 122,99 | +0,71 |
Die Macaulay-Duration dieser Anleihe beträgt 6,42 Jahre. Der Kreuzungspunkt liegt tatsächlich zwischen dem sechsten und siebten Jahr. Wichtig ist die Einordnung: Nach 7 Jahren ist die Anleihe fällig und zahlt 100 zurück; die Rechnung zeigt dann, dass die höhere Wiederanlagerendite mehr als ausgleicht, was der Kursverlust anfangs kostete. Eine 5-jährige Anleihe im gleichen Szenario (Duration 4,72) kreuzt zwischen Jahr 4 und Jahr 5: Wert mit Schock nach 4 Jahren 111,78 gegenüber 112,55 ohne Schock, nach 5 Jahren 116,25 gegenüber 115,93.
Grenzen der Faustregel
- Die Rechnung unterstellt einen einmaligen, sofortigen Zinsschock. Verändern sich die Renditen später erneut, verschiebt sich das Ergebnis.
- Sie unterstellt, dass Kupons zu den neuen Renditen wieder angelegt werden. Beim ETF übernimmt das der Fonds (thesaurierend) oder die Anleger:innen selbst (ausschüttend).
- Sie vernachlässigt Kosten (TER, Handelsspannen) und Steuern. Auch bei Anleihenfonds fällt Abgeltungsteuer auf Erträge an, eine Teilfreistellung gibt es bei reinen Rentenfonds nicht. Details zur Besteuerung stehen in den verlinkten Ratgebern.
- Sie gilt für Zinsänderungen bei unveränderter Bonität und ohne Ausfall. Bei Unternehmensanleihen kann sich zusätzlich der Renditeaufschlag verändern.
- Die Haltedauer ist eine Näherung, keine Garantie: Sie sagt nichts darüber aus, ob der Fonds am Ende tatsächlich im Plus liegt oder ob die Inflation die Rendite entwertet.
Für den Zusammenhang zwischen Inflation und realer Rendite siehe den Beitrag zu inflationsindexierten Anleihen, der auch die Duration realer Renditen erläutert.
Anleihen-ETFs: konstante Duration und Fondsduration
Eine einzelne Anleihe hat ein Fälligkeitsdatum; ihre Duration sinkt mit jedem Jahr. Ein Anleihen-ETF bildet dagegen einen Index ab, dessen Regeln festlegen, welche Anleihen enthalten sind: etwa alle Euro-Staatsanleihen mit Restlaufzeiten zwischen 7 und 10 Jahren. Läuft eine Anleihe unter die Untergrenze, scheidet sie aus dem Index aus; neue, längere Anleihen kommen hinzu. Dadurch bleibt die Fondsduration über die Zeit ungefähr konstant (so beschreibt es auch justETF: Ein Anleihen-ETF versucht, die Duration möglichst konstant zu halten).
Wie die Fondsduration entsteht
Die Duration eines Portfolios ist näherungsweise der gewichtete Durchschnitt der Durationen der Einzelanleihen, gewichtet nach Marktwert. Besteht ein Fonds etwa zur Hälfte aus Anleihen mit Duration 2 und zur Hälfte aus Anleihen mit Duration 8, ergibt sich 0,5 × 2 + 0,5 × 8 = 5,0. Das ist die Zahl auf dem Factsheet. Anbieter können sie als „modifizierte Duration", „effektive Duration" (bei Anleihen mit Optionen wie Kündigungsrechten) oder „Duration" ausweisen; die Berechnungsmethode ist in der Anbieterbeschreibung zu finden.
Zielduration-ETFs
Einige Anbieter haben ETFs aufgelegt, die gezielt eine bestimmte Duration anstreben, etwa rund 20 Jahre bei Staatsanleihen (iShares bietet nach Angaben auf Fondsvergleichsportalen eine solche Reihe an; die konkreten Fondsdaten sind vor einer Entscheidung beim Anbieter zu prüfen). Die Zielduration sagt wenig über den Ertrag, aber viel über die Schwankungsbreite: Bei Duration 20 bedeutet ein Renditeanstieg von einem Prozentpunkt grob −20 % Kursänderung.
Was konstante Duration praktisch bedeutet
- Bei einer Einzelanleihe lässt sich das Risiko durch Halten bis Fälligkeit „loswerden": Der Rückzahlungskurs ist bekannt, sofern der Emittent zahlt. Ein Anleihen-ETF hat keinen Fälligkeitstermin. Das Zinsrisiko bleibt bestehen, solange der Fonds gehalten wird.
- Die Haltedauer-Faustregel erfüllt bei ETFs dieselbe Funktion wie die Fälligkeit bei der Einzelanleihe: Sie ist die Zeitspanne, nach der der Zinsschock rechnerisch ausgeglichen ist.
- Wer Duration und Anlagehorizont abgleicht, reduziert das Risiko, in einer ungünstigen Phase verkaufen zu müssen. Ein Fonds mit Duration 8 passt rechnerisch nicht zu einem Verwendungszweck in drei Jahren.
Rechenbeispiel: 10.000 Euro in drei Fonds mit unterschiedlicher Duration
Ein illustratives Rechenbeispiel (keine realen Fonds): 10.000 Euro, Näherung Kursänderung = −Duration × Renditeänderung.
| Fondsduration | +0,25 Prozentpunkte | +0,50 Prozentpunkte | +1,00 Prozentpunkt | −1,00 Prozentpunkt |
|---|---|---|---|---|
| 2 | −50 € | −100 € | −200 € | +200 € |
| 6 | −150 € | −300 € | −600 € | +600 € |
| 9 | −225 € | −450 € | −900 € | +900 € |
Die Kursänderung ist nur ein Teil des Ergebnisses. Hinzu kommt die laufende Rendite (Kupons). Eine vereinfachte 12-Monats-Betrachtung („Gesamtertrag ≈ Anfangsrendite − Duration × Renditeanstieg", ohne Konvexität und Roll-down) mit hypothetischen Anfangsrenditen zeigt, warum auch kurzlaufende Fonds Schwankungen ausgleichen können:
| Fondsduration (hypothetisch) | Anfangsrendite (hypothetisch) | Ertrag 12 Monate bei +0,5 Prozentpunkten | Ertrag bei +1,0 Prozentpunkt | Renditeanstieg bis zum Nullergebnis |
|---|---|---|---|---|
| 2 | 2,65 % | +1,65 % | +0,65 % | 1,32 Prozentpunkte |
| 6 | 3,20 % | +0,20 % | −2,80 % | 0,53 Prozentpunkte |
| 9 | 3,40 % | −1,10 % | −5,60 % | 0,38 Prozentpunkte |
Die letzte Spalte ergibt sich als Anfangsrendite ÷ Duration. Sie zeigt, wie viel Renditeanstieg binnen eines Jahres nötig wäre, damit der Gesamtertrag bei null liegt. Je höher die Duration, desto kleiner dieser Puffer. Die Anfangsrenditen sind frei gewählt und stehen nicht für reale Fonds.
Zinsänderungsrisiko in der Praxis: ein Preis für höhere Erträge?
Längere Laufzeiten und höhere Durationen gehen in vielen Marktphasen mit höheren Renditen einher, weil Anleger:innen für das längere Binden von Kapital einen Aufschlag verlangen (Laufzeitprämie). Das ist keine Regel: Bei inverser Zinsstrukturkurve liegen kurzfristige Renditen über langfristigen. Es ist daher nicht richtig, aus einer hohen Duration automatisch einen höheren erwarteten Ertrag abzuleiten. Sicher ist nur: Je höher die Duration, desto größer die Kursschwankung bei Renditeänderungen – in beide Richtungen.
Das Zinsänderungsrisiko ist zudem kein Ausfallrisiko. Auch eine Bundesanleihe mit höchster Bonität verliert bei steigender Rendite an Kurswert. Wer bis zur Fälligkeit hält, erhält den Nennwert, hat aber in der Zwischenzeit gegebenenfalls höhere Renditen verpasst (Opportunitätskosten). Mit Stückzinsen und ihrer steuerlichen Behandlung befasst sich der Ratgeber zu Stückzinsen bei Anleihen.
Bundesanleihen, Pfandbriefe, Unternehmensanleihen: gleiche Duration, anderes Risiko
Die Duration misst nur die Empfindlichkeit gegenüber dem allgemeinen Zinsniveau. Zwei Anleihen mit gleicher Duration können sich dennoch unterschiedlich entwickeln, weil sie zusätzliche Risikokomponenten tragen.
| Merkmal | Bundesanleihe | Pfandbrief | Unternehmensanleihe |
|---|---|---|---|
| Emittent | Bundesrepublik Deutschland | Kreditinstitut mit gesetzlicher Deckungsmasse | Unternehmen |
| Wichtigster Risikotreiber | Marktzinsen (Duration) | Marktzinsen; zusätzlich Renditeaufschlag und Deckungsmasse | Marktzinsen, Renditeaufschlag (Spread) und Bonität |
| Reaktion auf Zinsänderung | ca. −Duration × Δy | ca. −Duration × Δy, zusätzlich Spreadbewegung | ca. −Duration × Δy, zusätzlich Spreadbewegung |
| Ausfallrisiko | im Marktvergleich sehr gering, aber nicht null | gesetzlich besichert, Details siehe Ratgeber | höher, abhängig von Rating |
| Typischer Zugang | Börse, Anleihen-ETF | Börse, Anleihen-ETF | Anleihen-ETF, selten Einzelkauf |
Spread-Duration
Bei Anleihen mit Renditeaufschlag gegenüber Bundesanleihen verändert sich nicht nur der Zins, sondern auch der Spread. Weitet sich der Aufschlag aus (etwa in Krisenphasen), fällt der Kurs zusätzlich; verengt er sich, steigt er. Die Sensitivität gegenüber dem Spread heißt Spread-Duration und entspricht bei einfachen Anleihen ungefähr der modifizierten Duration.
Illustratives Beispiel: Eine Unternehmensanleihe mit Duration 5 verliert bei einem Anstieg des Spreads um 0,5 Prozentpunkte und unveränderten Bundrenditen näherungsweise 5 × 0,5 = 2,5 %. Steigen gleichzeitig die Bundrenditen um 0,25 Prozentpunkte, kommt ein weiteres Minus von etwa 1,25 % dazu – zusammen rund −3,75 %. Das Beispiel ist hypothetisch.
Für Pfandbriefe beschreibt der Beitrag zu Pfandbriefen die gesetzliche Deckungsmasse und deren Grenzen. Die Duration ändert daran nichts: Auch ein besicherter Pfandbrief mit langer Laufzeit schwankt im Kurs, wenn die Marktzinsen steigen. Für Unternehmensanleihen steht Bonität im Vordergrund; die Duration ist ein ergänzender Blick auf das Zinsrisiko.
Zinsumfeld 2026: Leitzinsen, Renditen und Duration
Der EZB-Rat hat am 10.09.2026 beschlossen, die drei Leitzinsen um jeweils 25 Basispunkte anzuheben; der Einlagesatz liegt damit bei 2,50 %, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 % und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,90 %, wirksam ab dem 16.09.2026. Die EZB erklärt in ihrer Pressemitteilung, sie verfolge einen datenabhängigen Ansatz von Sitzung zu Sitzung und lege sich nicht auf einen bestimmten Zinspfad fest. Dem vorausgegangen war nach Berichten (und Angaben in früheren RenditeRadar-Beiträgen) eine Erhöhung im Juni 2026 auf 2,25 %; im Juli blieb der Satz unverändert. Einzelheiten im Beitrag zum EZB-Zinsentscheid vom September 2026. Die nächste Ratssitzung steht laut Terminangaben von Marktbeobachtern am 29.10.2026 an; ihr Ergebnis ist offen und wird hier nicht vorweggenommen.
Was daraus für die Duration folgt – und was nicht
- Der Einlagesatz ist ein kurzfristiger Zins. Die Renditen zehn- oder dreißigjähriger Anleihen werden von Inflationserwartungen, Wachstumsaussichten, Angebot und Nachfrage bestimmt. Sie können steigen, wenn die EZB erhöht, müssen es aber nicht – im Extremfall sinken sie sogar, wenn Märkte eine Konjunkturabkühlung erwarten.
- Die Duration eines Fonds sagt, wie stark der Kurs auf eine Renditeänderung reagiert, nicht ob sie eintritt. Die Faustregel ist ein Rechenwerkzeug für Szenarien, keine Prognose.
- Für kurzfristige Rücklagen sind Anleihen-ETFs mit mittlerer oder hoher Duration wegen der Kursschwankungen strukturell ungeeignet; die Alternativen sind Tagesgeld, Festgeld oder – mit Einschränkungen – Geldmarktfonds, die im Ratgeber zu Geldmarktfonds als Tagesgeld-Alternative beschrieben sind. Geldmarktfonds haben sehr niedrige Durationen, sind aber keine Einlagen und unterliegen nicht der Einlagensicherung.
Szenario-Denken statt Prognose
Ein nützlicher Umgang mit der Duration ist die Szenarioprüfung: Welcher Kursverlust wäre bei +0,5 oder +1,0 Prozentpunkten rechnerisch zu erwarten, wie groß ist der Ertragspuffer, und wie lange müsste der Fonds gehalten werden? Wer diese Fragen mit der eigenen Verwendungsdauer abgleicht, braucht keine Zinsprognose. Eine weiterführende Risikoübersicht liefert der Ratgeber zu ETF-Risiken.
Wie Duration praktisch gelesen wird: Checkliste
1. Welche Duration steht auf dem Factsheet? Modifizierte, effektive oder Macaulay-Duration? Sie unterscheiden sich um Rendite-Faktor beziehungsweise Optionsannahmen. 2. Stichtag und Quelle prüfen. Die Duration ändert sich laufend mit Kupons, Renditen und Indexumschichtungen. 3. Szenarien rechnen. Duration × Zinsänderung für +0,5 und +1,0 Prozentpunkte; zum Vergleich der Ertrag der laufenden Rendite. 4. Duration mit dem Horizont vergleichen. Liegt die Verwendungsdauer deutlich unter der Duration, besteht ein Verkaufsrisiko in ungünstigen Marktphasen. 5. Bonität und Spread-Risiko getrennt betrachten. Besonders bei Unternehmensanleihen und Fonds mit hohem Anteil niedrigerer Ratings. 6. Währung prüfen. Bei Fremdwährungsanleihen kommt ein Wechselkursrisiko hinzu, das die Duration nicht erfasst. 7. Kosten und Steuern einkalkulieren. TER, Spreads beim Handel und Abgeltungsteuer verringern den Nettoertrag.
Häufige Fehler
- Duration mit Laufzeit gleichsetzen. Eine Anleihe mit 10 Jahren Laufzeit und 3 % Kupon hat eine Macaulay-Duration von 8,79 Jahren, nicht von 10.
- Faustregel als Prognose lesen. Duration × Zinsänderung ist eine Rechnung unter der Annahme einer Renditeänderung, nicht eine Vorhersage, dass sie eintritt.
- Große Zinsbewegungen mit der linearen Näherung rechnen. Bei ±2 Prozentpunkten und langer Duration weicht die Faustregel spürbar vom exakten Kurs ab (im Beispiel: −17,06 % gegenüber −15,44 %).
- Anleihen-ETF wie eine Einzelanleihe behandeln. Ohne Fälligkeit gibt es keine automatische Rückkehr zum Nennwert; die Haltedauer-Faustregel muss selbst angewendet werden.
- Kurzfristige Ziele mit hoher Duration finanzieren. Wer in zwei Jahren Geld braucht, ist bei Duration 8 einem Verkaufsrisiko ausgesetzt, das mit der Haltedauer-Logik nicht abgedeckt ist.
- Spread-Risiko ignorieren. Bei Unternehmensanleihen verändern sich Kurse auch ohne Zinsänderung, wenn sich der Renditeaufschlag verschiebt.
- Leitzins und Anleiherendite gleichsetzen. Eine EZB-Erhöhung sagt nicht automatisch etwas über Renditen zehnjähriger Anleihen aus.
- Duration verschiedener Anbieter unbesehen vergleichen. Unterschiedliche Berechnungsarten und Stichtage können Abweichungen verursachen.
- Ausschüttungen und Wiederanlage übersehen. Die Haltedauer-Faustregel setzt voraus, dass Erträge wieder angelegt werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Macaulay-Duration und modifizierter Duration?
Die Macaulay-Duration ist der barwertgewichtete Durchschnitt der Zahlungszeitpunkte einer Anleihe, angegeben in Jahren. Die modifizierte Duration ergibt sich daraus, indem sie durch 1 plus die Rendite geteilt wird; sie gibt näherungsweise die prozentuale Kursänderung bei einer Renditeänderung von einem Prozentpunkt an. Im Beispiel dieses Ratgebers: 4,717 Jahre Macaulay-Duration entsprechen 4,58 modifizierter Duration.
Wie berechnet sich die Kursänderung einer Anleihe näherungsweise?
Kursänderung in Prozent ≈ −modifizierte Duration × Renditeänderung in Prozentpunkten. Bei Duration 6 und einem Renditeanstieg von 0,5 Prozentpunkten ergibt das etwa −3 %. Für größere Bewegungen wird die Näherung mit der Konvexität verbessert.
Warum ist die Duration einer Anleihe kleiner als ihre Laufzeit?
Weil Kupons vor der Endfälligkeit fließen. Die Duration ist der gewichtete Durchschnitt aller Zahlungszeitpunkte, daher liegt sie bei Anleihen mit Kupon unter der Restlaufzeit. Bei Nullkupon-Anleihen stimmen beide überein.
Was bedeutet die Haltedauer-Faustregel „Haltedauer = Duration"?
Sie besagt, dass ein Zinsanstieg rechnerisch ausgeglichen ist, wenn die Anleihe ungefähr so lange gehalten wird wie ihre Macaulay-Duration. Im Beispiel einer 7-jährigen Anleihe (Duration 6,42) lag der Kreuzungspunkt zwischen dem sechsten und siebten Jahr. Die Regel gilt als Näherung unter vereinfachten Annahmen und garantiert kein Ergebnis.
Warum bleibt das Zinsänderungsrisiko bei einem Anleihen-ETF bestehen?
Ein Anleihen-ETF hat keine Fälligkeit; er ersetzt auslaufende Anleihen durch neue und hält die Duration ungefähr konstant. Bei einer Einzelanleihe sinkt das Kursrisiko dagegen mit der Annäherung an die Fälligkeit. Wer den ETF hält, trägt das Zinsrisiko daher dauerhaft.
Wirkt sich eine EZB-Zinserhöhung direkt auf Anleihenkurse aus?
Nicht zwingend im gleichen Umfang. Der Einlagesatz ist ein kurzfristiger Leitzins; Kurse langlaufender Anleihen reagieren auf die Renditen am Anleihemarkt, die auch von Inflations- und Konjunkturerwartungen abhängen. Die EZB hob den Einlagesatz am 10.09.2026 auf 2,50 % an und legt sich nach eigener Aussage nicht auf einen Zinspfad fest.
Haben Pfandbriefe oder Bundesanleihen ein Zinsänderungsrisiko?
Ja. Auch sehr bonitätsstarke Anleihen verlieren an Kurswert, wenn die Marktrenditen steigen. Das Ausmaß hängt von der Duration ab. Bei Pfandbriefen und Unternehmensanleihen kommt zusätzlich das Risiko einer Spreadveränderung hinzu.
Fazit
Die Duration ist die zentrale Kennzahl, um das Zinsänderungsrisiko von Anleihen und Anleihen-ETFs einzuordnen. Sie ist nicht mit der Laufzeit identisch: Sie berücksichtigt alle Zahlungszeitpunkte, liegt bei Anleihen mit Kupon unter der Restlaufzeit und lässt sich als modifizierte Duration direkt in eine Kursreaktion übersetzen. Die Faustregel „Kursänderung ≈ −Duration × Renditeänderung" funktioniert bei Bewegungen bis etwa einem Prozentpunkt gut; bei größeren Bewegungen verbessert die Konvexität die Näherung.
Die Haltedauer-Faustregel erklärt, warum Zinsanstiege für langfristig orientierte Halter:innen weniger dramatisch sein können als der anfängliche Kursverlust vermuten lässt – mit den genannten Einschränkungen. Bei Anleihen-ETFs mit konstanter Duration ist diese Überlegung besonders wichtig, weil es keinen Fälligkeitstermin gibt. Zwischen Bundesanleihen, Pfandbriefen und Unternehmensanleihen unterscheidet sich vor allem das Zusatzrisiko neben dem Zins: Spread und Bonität.
Das aktuelle Zinsumfeld mit einem Einlagesatz von 2,50 % seit dem 16.09.2026 ist ein guter Anlass, die Duration gehaltener oder geplanter Anleihenbausteine mit dem eigenen Anlagehorizont abzugleichen. Eine Prognose, wohin sich die Renditen bewegen, lässt sich daraus nicht ableiten. Was sich ableiten lässt, sind Szenarien: Wie viel Kursschwankung ist bei +0,5 oder +1,0 Prozentpunkten zu erwarten, und passt das zum Zeithorizont? Diese Fragen beantwortet die Duration – und sie sind unabhängig von der Entscheidung der nächsten EZB-Sitzung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Macaulay-Duration und modifizierter Duration?
Die Macaulay-Duration ist der barwertgewichtete Durchschnitt der Zahlungszeitpunkte einer Anleihe, angegeben in Jahren. Die modifizierte Duration ergibt sich daraus, indem sie durch 1 plus die Rendite geteilt wird; sie gibt näherungsweise die prozentuale Kursänderung bei einer Renditeänderung von einem Prozentpunkt an. Im Beispiel dieses Ratgebers: 4,717 Jahre Macaulay-Duration entsprechen 4,58 modifizierter Duration.
Wie berechnet sich die Kursänderung einer Anleihe näherungsweise?
Kursänderung in Prozent ≈ −modifizierte Duration × Renditeänderung in Prozentpunkten. Bei Duration 6 und einem Renditeanstieg von 0,5 Prozentpunkten ergibt das etwa −3 %. Für größere Bewegungen wird die Näherung mit der Konvexität verbessert.
Warum ist die Duration einer Anleihe kleiner als ihre Laufzeit?
Weil Kupons vor der Endfälligkeit fließen. Die Duration ist der gewichtete Durchschnitt aller Zahlungszeitpunkte, daher liegt sie bei Anleihen mit Kupon unter der Restlaufzeit. Bei Nullkupon-Anleihen stimmen beide überein.
Was bedeutet die Haltedauer-Faustregel „Haltedauer = Duration"?
Sie besagt, dass ein Zinsanstieg rechnerisch ausgeglichen ist, wenn die Anleihe ungefähr so lange gehalten wird wie ihre Macaulay-Duration. Im Beispiel einer 7-jährigen Anleihe (Duration 6,42) lag der Kreuzungspunkt zwischen dem sechsten und siebten Jahr. Die Regel gilt als Näherung unter vereinfachten Annahmen und garantiert kein Ergebnis.
Warum bleibt das Zinsänderungsrisiko bei einem Anleihen-ETF bestehen?
Ein Anleihen-ETF hat keine Fälligkeit; er ersetzt auslaufende Anleihen durch neue und hält die Duration ungefähr konstant. Bei einer Einzelanleihe sinkt das Kursrisiko dagegen mit der Annäherung an die Fälligkeit. Wer den ETF hält, trägt das Zinsrisiko daher dauerhaft.
Wirkt sich eine EZB-Zinserhöhung direkt auf Anleihenkurse aus?
Nicht zwingend im gleichen Umfang. Der Einlagesatz ist ein kurzfristiger Leitzins; Kurse langlaufender Anleihen reagieren auf die Renditen am Anleihemarkt, die auch von Inflations- und Konjunkturerwartungen abhängen. Die EZB hob den Einlagesatz am 10.09.2026 auf 2,50 % an und legt sich nach eigener Aussage nicht auf einen Zinspfad fest.
Haben Pfandbriefe oder Bundesanleihen ein Zinsänderungsrisiko?
Ja. Auch sehr bonitätsstarke Anleihen verlieren an Kurswert, wenn die Marktrenditen steigen. Das Ausmaß hängt von der Duration ab. Bei Pfandbriefen und Unternehmensanleihen kommt zusätzlich das Risiko einer Spreadveränderung hinzu.