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Inflationsindexierte Anleihen (Linker): Funktionsweise, Break-even und Risiken

23. Oktober 2026 · Lesezeit ca. 20 Min. · Redaktion: RenditeRadar

Wie funktionieren Linker? Kupon und Kapital sind an den Euroraum-HVPI gekoppelt. Mit Rechenbeispielen zu Realrendite, Break-even-Inflation, Steuer, Risiken und dem Emissionsstopp des Bundes seit 2024.

*Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist weder Anlage-, Steuer- noch Rechtsberatung und keine Empfehlung für ein bestimmtes Wertpapier. Er stützt sich auf die Emissionsbedingungen des Bundes (Bekanntmachung des Bundesministeriums der Finanzen vom 2. Juni 2015), Meldungen zur Entscheidung der Deutschen Finanzagentur vom November 2023, die Bundesbank sowie auf Sekundärquellen (Stiftung Warentest, Biallo, Deubner, dejure.org). Die Primärquelle gesetze-im-internet.de war bei der Recherche nicht erreichbar (HTTP 503); steuerliche Aussagen beruhen daher auf mehreren Sekundärquellen und sind als Prüfhinweis zu verstehen. Kurse, Renditen und Marktdaten ändern sich laufend und sind hier nicht aktuell abgebildet. Stand: 23.10.2026.*

Wer seine Ersparnisse über Jahre anlegt, kennt das Problem: Ein fester Zins von 3 % sieht gut aus, bis die Inflation 3,3 % beträgt. Darüber, wie sich dieser Effekt bei Tagesgeld und Festgeld auswirkt, haben wir bereits geschrieben (siehe Nominalzins vs. Realzins und Inflation 3,3 % im September 2026). Hier geht es um ein Wertpapier, das genau an dieser Stelle ansetzt: die inflationsindexierte Anleihe, im Markt meist Linker genannt. Sie koppelt Zinszahlung und Rückzahlung an einen Verbraucherpreisindex, statt einen festen Euro-Betrag zu versprechen.

Dieser Artikel erklärt die Mechanik Schritt für Schritt, zeigt anhand der Bundeswertpapiere, wie die Kopplung konkret geregelt ist, rechnet mit eigenen Beispielzahlen durch, was Realrendite und Break-even-Inflation bedeuten, und ordnet Steuer, Risiken und die Zugangswege für Privatanleger ein. Die allgemeine Funktionsweise von Bundeswertpapieren findest du im Ratgeber Bundeswertpapiere direkt kaufen, die Grundlagen von Anleihenfonds im Anleihen-ETF-Ratgeber. Beide behandeln Linker nur am Rande – hier liegt der Schwerpunkt auf der Mechanik, der Rechnung und der Frage, wann ein Linker besser oder schlechter abschneidet als eine klassische Anleihe.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei einer inflationsindexierten Anleihe werden Zinsbetrag und Rückzahlungsbetrag mit einer Index-Verhältniszahl multipliziert, die die Entwicklung eines Verbraucherpreisindex seit der Emission abbildet. Der feste Kupon ist niedrig, weil er nur den *realen* Zins darstellt.
  • Beim Bund ist der Referenzindex der unrevidierte Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) der Euro-Zone, Gesamtindex ohne Tabak, berechnet von Eurostat. Das steht in den Emissionsbedingungen des Bundes.
  • Das Kapital ist nach unten abgesichert: Der Rückzahlungsbetrag entspricht mindestens dem Gesamtnennbetrag (Deflationsschutz beim Kapital). Die Zinsen haben nach der Formel der Emissionsbedingungen keinen solchen Boden.
  • Der Bund hat nach Meldungen vom 22./23.11.2023 angekündigt, ab 2024 keine neuen Linker mehr auszugeben und bestehende nicht aufzustocken. Laut Stiftung Warentest (April 2026) sind noch Papiere mit Fälligkeit 15.04.2030, 15.04.2033 und 15.04.2046 im Umlauf.
  • Die Break-even-Inflation ist die Differenz aus der Rendite einer nominalen und der Realrendite einer gleich laufenden indexierten Anleihe. Liegt die tatsächliche Inflation darüber, schneidet der Linker (bei Haltedauer bis Fälligkeit) besser ab, darunter schlechter.
  • Linker schützen nicht vor Kursschwankungen: Steigende Realrenditen können die Kurse auch bei hoher Inflation drücken. Hinzu kommen Index-Verzögerung, geringe Liquidität einzelner Papiere und steuerliche Besonderheiten.
  • Privatanleger kommen über den Börsenhandel einzelner Bonds oder über ETFs und Fonds auf inflationsgebundene Staatsanleihen heran. Beide Wege haben unterschiedliche Risiken; keiner ist ein „Selbstläufer".

Wie funktioniert eine inflationsindexierte Anleihe?

Das Grundprinzip: reale statt nominale Verzinsung

Eine normale Anleihe verspricht feste Euro-Beträge: 1.000 € Nennwert, 2 % Kupon bedeuten 20 € Zinsen pro Jahr und 1.000 € Rückzahlung am Ende. Was diese Euro in zehn Jahren kaufen können, hängt von der Inflation ab. Bei einer inflationsindexierten Anleihe werden beide Beträge mit einem Indexfaktor multipliziert, der die Preisentwicklung seit der Emission abbildet.

Das hat eine wichtige Konsequenz für die Höhe des Kupons. Der Kupon eines Linkers beschreibt nur den realen Zins, also den Zuschlag auf den Inflationsausgleich. Ein Beispiel aus der Praxis: Biallo nennt Ende 2023 für die Bundesanleihe mit Fälligkeit April 2033 einen Kupon von 0,10 %, für eine vergleichbare klassische Bundesanleihe 2,42 %. Der Unterschied ist kein Nachteil des Linkers, sondern der Preis für die Absicherung: Der Anleger verzichtet auf nominale Zinsen und erhält dafür den Inflationsausgleich.

Kupon und Kapital: die zwei Bausteine

Die Emissionsbedingungen des Bundes (Bekanntmachung des BMF vom 2. Juni 2015, gültig ab 8. Juni 2015) regeln die Mechanik so:

  • Zinsen: Der Bund zahlt jährlich nachträglich. Der Zinsbetrag ergibt sich, indem der nominale Zinsbetrag (Gesamtnennbetrag mal Kupon) mit der Index-Verhältniszahl des jeweiligen Zinszahlungstags multipliziert wird.
  • Rückzahlung: Der Rückzahlungsbetrag ist der Gesamtnennbetrag mal Index-Verhältniszahl am Fälligkeitstag.
  • Deflationsboden: Sollte der so ermittelte Rückzahlungsbetrag niedriger sein als der Gesamtnennbetrag, wird der Gesamtnennbetrag gezahlt.
  • Kündigung: Weder der Bund noch der Gläubiger kann das Papier vor Fälligkeit kündigen. Der Nennbetrag je Teilschuldverschreibung beträgt 0,01 €; die Mindestgebote bei Auktionen (laut Bundesbank 1 Mio. €) betreffen nur die Bietergruppe der Banken.

Die Index-Verhältniszahl vergleicht den aktuellen Wert des Referenzindex mit dem Basisindex, den der Bund bei der jeweiligen Emission festlegt. Steigt das Preisniveau seit der Emission um 12 %, beträgt die Index-Verhältniszahl rund 1,12.

Der Referenzindex: HVPI ohne Tabak

Die Emissionsbedingungen definieren den Referenzindex als „unrevidierten Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) in der Euro-Zone – Gesamtindex ohne Tabak", der monatlich von Eurostat berechnet wird. Das ist ausdrücklich nicht der deutsche Verbraucherpreisindex (VPI) des Statistischen Bundesamts. Die deutsche und die Euroraum-Rate können also voneinander abweichen – für den Linker zählt die Euroraum-Zahl ohne Tabak. Wer die Meldungen zur Inflation in Deutschland verfolgt, sollte das im Hinterkopf haben.

Weitere Details aus den Bedingungen, die für Anleger relevant sind:

  • Der Indexwert für einen Zinszahlungstag wird per linearer Interpolation zwischen den Werten des dritten und des zweiten Monats vor dem Zahlungsmonat bestimmt. Das ist der Index-Lag (siehe unten).
  • Die Berechnung erfolgt am fünften Geschäftstag vor dem Zinszahlungstag. Lag nur ein vorläufiger Indexwert vor, wird er verwendet; eine Nachkorrektur findet nicht statt.
  • Spätere Revisionen des Index bleiben unberücksichtigt, außer bei einer Basisjahrrevision, für die Anpassungen vorgesehen sind. Fällt der Index aus, greifen ein Ersatzreferenzindex bzw. ein Ersatzindex.
  • Stückzinsen werden nach Actual/Actual berechnet.

Wichtig: Dies sind die Bedingungen in der Fassung von 2015. Die Konditionen einzelner Emissionen (Kupon, Basisindex, Termine) legt der Bund jeweils in der Tender-Ausschreibung fest; Abweichungen von den allgemeinen Bedingungen sind möglich. Maßgeblich ist immer das Produktblatt bzw. die Ausschreibung des jeweiligen Papiers.

Deflationsschutz: was der Boden wirklich schützt

Der „Floor" wird gern als Rundum-Schutz missverstanden. Nach dem Wortlaut der Bedingungen gilt er für den Rückzahlungsbetrag. Fällt der Index über die Laufzeit unter den Basiswert, bekommst du am Ende mindestens den Nennbetrag zurück. Für den Zinsbetrag sieht die Formel dagegen lediglich die Multiplikation mit der Index-Verhältniszahl vor; ein eigener Boden wird in den Bedingungen nicht genannt. Bei einer Index-Verhältniszahl unter 1 würde der Zinsbetrag also kleiner als nominal. Bei einem Kupon von 0,10 % geht es dabei allerdings um Centbeträge pro 100 € Nennwert.

Für dein Portfolio bedeutet das: Der Boden schützt am Ende der Laufzeit vor einem Kapitalverlust durch Deflation – er schützt nicht vor Kursverlusten *zwischendurch*, wenn du das Papier vorzeitig verkaufst. Und der Floor bezieht sich auf den Nennwert, nicht auf deinen Einstandskurs: Wer ein Papier zu einem Kurs über 100 % kauft, ist nicht bis zu seinem Kaufpreis abgesichert.

Deutsche Linker: Beispiele und aktuelle Lage

Eine kurze Geschichte der Bundes-Linker

Deutschland begab seine erste inflationsindexierte Anleihe im März 2006: Laufzeit bis 15. April 2016, Kupon 1,5 %, Volumen laut Deubner 5,5 Mrd. €, Referenzindex HVPI ohne Tabak (ISIN laut Finanzagentur-Mitteilung DE0001030500). Es folgten weitere Emissionen, darunter eine 30-jährige Anleihe von 2015 mit Kupon 0,10 % und Laufzeit bis 15. April 2046 sowie die 0,10 % inflationsindexierte Anleihe von 2021 mit Fälligkeit 2033 (ISIN DE0001030583). Für diese stockte der Bund im Oktober 2022 per Tender nochmals auf; das Volumen betrug damals laut Bundesbank 6,3 Mrd. €.

Emissionsstopp seit 2024

Am 22. November 2023 meldeten Nachrichtenagenturen unter Berufung auf die Deutsche Finanzagentur, dass der Bund ab 2024 keine inflationsindexierten Bundeswertpapiere mehr neu ausgibt und bestehende nicht aufstockt. Die ausstehenden Papiere bleiben handelbar. Die Meldungen nannten vier verbleibende Papiere mit insgesamt 66,25 Mrd. € und Restlaufzeiten von rund 2,5 bis 22,5 Jahren; rund 3,5 % der ausstehenden Bundeswertpapiere waren damals inflationsgekoppelt. Finanzagentur-Chef Tammo Diemer begründete den Schritt laut „Börsen-Zeitung" damit, dass die wirtschaftlichen Vorteile durch die Risiken „konterkariert" würden; als Risiko wird insbesondere das schwer planbare Zinskostenrisiko des Bundes in Jahren hoher Inflation genannt.

Nach Stiftung Warentest (30.04.2026) laufen derzeit noch drei Papiere: mit Fälligkeit 15.04.2030, 15.04.2033 und 15.04.2046. Das Papier mit Fälligkeit 2026 ist demnach ausgelaufen. Die Mitteilung der Finanzagentur zum Stopp habe ich nur über Presseberichte, nicht im Original gelesen – bitte prüfe die aktuellen Wertpapierlisten der Deutschen Finanzagentur und der Bundesbank, bevor du dich auf einzelne Laufzeiten verlässt.

Für Anleger heißt das: Es gibt keinen Nachschub. Der Bestand ist begrenzt, die Auswahl an Laufzeiten klein, und der Sekundärmarkt kann für einzelne Papiere dünn sein. Wer Linker-Exposure möchte, schaut deshalb oft auf Linker anderer Euro-Staaten (etwa Frankreich oder Italien), die jeweils eigene Indizes, Bonitäten und Bedingungen haben. Diese Papiere sind nicht Gegenstand dieses Artikels; eine Gleichsetzung mit Bundeslinkern wäre falsch.

Realrendite, Nominalrendite und Break-even-Inflation

Die drei Begriffe

  • Nominalrendite: die Rendite in Euro, so wie sie in den Konditionen steht – etwa 2,5 % bei einer klassischen Anleihe bis Fälligkeit.
  • Realrendite: die Rendite nach Abzug der Inflation, also der Zuwachs an Kaufkraft. Näherungsweise: Nominalrendite minus Inflationsrate. Genau: (1 + nominal) / (1 + Inflation) − 1.
  • Break-even-Inflation: die durchschnittliche jährliche Inflationsrate, bei der eine klassische und eine inflationsindexierte Anleihe gleicher Laufzeit dieselbe Gesamtrendite liefern. Näherungsweise: Nominalrendite der klassischen Anleihe minus Realrendite des Linkers.

Biallo rechnet in einem Beispiel von Ende 2023 mit einer zehnjährigen Bundesanleihe bei rund 2,4 %, einer realen Linker-Rendite von 0,1 % und folgert daraus eine Break-even-Inflation von 2,3 %. Das sind Marktpreise von damals, die heute anders aussehen; das Prinzip bleibt.

Beispielrechnung zur Break-even-Inflation

*Beispiel mit angenommenen Zahlen, keine aktuellen Marktdaten:* Eine klassische Bundesanleihe rendiere bis Fälligkeit 2,5 % p. a., ein Linker gleicher Laufzeit habe eine reale Rendite von 0,3 % p. a. Exakt gerechnet gilt: 1,025 / 1,003 − 1 = 2,19 %. Das ist die Break-even-Inflation; die Näherung 2,5 % − 0,3 % = 2,2 % liegt sehr nah dran.

Was bedeutet das für 10.000 € über zehn Jahre? Vereinfachend wird angenommen, dass beide Anlagen ihre Rendite exakt bis zur Fälligkeit erzielen und Erträge zur gleichen Rendite wiederangelegt werden (keine Steuern, keine Kosten, keine Kursschwankungen):

Durchschnittliche Inflation p. a.Klassische Anleihe (2,5 % p. a.) nominal nach 10 JahrenLinker (0,3 % real p. a.) nominal nach 10 Jahren
1 %12.801 €11.382 €
2 %12.801 €12.561 €
3 %12.801 €13.848 €
4 %12.801 €15.253 €

Rechenweg: klassisch 10.000 € × 1,025¹⁰ = 12.801 €; Linker 10.000 € × (1,003 × (1 + Inflation))¹⁰. Bei einer Inflation von rund 2,19 % wären beide Anlagen gleichauf. Darunter liegt die klassische Anleihe vorn, darüber der Linker. Der Linker ist damit keine Renditeoptimierung, sondern eine Versicherung gegen eine höhere Inflation als vom Markt eingepreist. Stiftung Warentest formuliert es als „eine Wette auf höhere Inflation als der Markt aktuell erwartet" – mit dem Hinweis, dass der Schutz nur greift, wenn die tatsächliche Inflation über der Break-even-Rate liegt.

Ein weiterer Punkt: Die reale Rendite ist nach Warentest nur bei Haltung bis zur Fälligkeit garantiert. Ein vorzeitiger Verkauf kann zu einer anderen realen Rendite führen, weil sich Kurs und Realzins zwischenzeitlich geändert haben.

Durchgerechnetes Beispiel: Kupon und Rückzahlung eines Linkers

*Alle Zahlen sind eigene Beispielwerte, keine Marktdaten.* Angenommen, du hältst 10.000 € Nennwert eines Linkers mit 0,10 % Kupon über zehn Jahre, gekauft zu 100 % (Pari) und gehalten bis Fälligkeit. Die Inflation sei jedes Jahr konstant. Der Zinsbetrag im Jahr t ist 10.000 € × 0,10 % × Indexfaktor(t) und die Rückzahlung 10.000 € × Indexfaktor(10), mindestens aber 10.000 €. Zur Vereinfachung wird der Indexfaktor als (1 + Inflation)^t angesetzt – in der Praxis kommen Index-Lag und Interpolation hinzu.

Inflation p. a.Summe Zinsen über 10 JahreRückzahlungZinsen + Rückzahlung − Einsatz
0 %100,00 €10.000,00 €100,00 €
1 %105,67 €11.046,22 €1.151,89 €
2 %111,69 €12.189,94 €2.301,63 €
3 %118,08 €13.439,16 €3.557,24 €
5 %132,07 €16.288,95 €6.421,01 €

Die Rückzahlung bei z. B. 3 % Inflation (13.439,16 €) entspricht in heutiger Kaufkraft genau den 10.000 € zuzüglich des realen Zinses: 13.439,16 € / 1,03¹⁰ = 10.000 €. Das Kapital hält also seine Kaufkraft; die realen Zinsen sind in diesem Beispiel mit 0,10 % nur gering.

Deflationsfall: Angenommen, der Index liegt bei Fälligkeit 5 % unter dem Basisindex (Index-Verhältniszahl 0,95). Der Zinsbetrag in diesem Jahr läge bei 10.000 € × 0,10 % × 0,95 = 9,50 €. Die Rückzahlung wäre nach der Rechnung 9.500 €, wird aber auf den Nennbetrag 10.000 € angehoben. Dieser Fall zeigt, wofür der Floor da ist – und wie wenig er im Verhältnis zu den möglichen Inflationsgewinnen kostet.

Zum Vergleich: Eine klassische 10-jährige Anleihe mit 2,5 % Kupon würde 10 × 250 € = 2.500 € Zinsen plus 10.000 € Rückzahlung zahlen, unabhängig von der Inflation. Bei 3 % Inflation wären 10.000 € in zehn Jahren real nur noch rund 7.441 € wert (10.000 € / 1,03¹⁰), die Zinsen noch nicht gegengerechnet.

Steuer: was nach aktuellem Stand zu beachten ist

*Prüfhinweis: Die Primärquelle gesetze-im-internet.de war bei der Recherche nicht erreichbar. Die folgenden Angaben stützen sich auf dejure.org (Fassung seit 1.1.2025), einen Deubner-Beitrag von 2006, die Börsen-Zeitung von 2007 und Haufe. Die Details zur Behandlung des Inflationsausgleichs sind steuerlich komplex und im Einzelfall ungeklärt; sprich sie mit einer Steuerberatung oder dem Finanzamt ab.*

Zinsen und Kapitalertrag

Die laufenden Zinsen fallen unter die Einkünfte aus Kapitalvermögen nach § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG (Erträge aus sonstigen Kapitalforderungen jeder Art). Für Gewinne aus der Veräußerung solcher Forderungen gilt § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7; als Veräußerung zählt nach Satz 2 auch die Einlösung bzw. Rückzahlung. Der Gewinn ist nach Abs. 4 grundsätzlich der Unterschied zwischen Einnahmen und Anschaffungskosten. Der Abgeltungsteuersatz beträgt 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer; der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1.000 € (Einzelveranlagung) bzw. 2.000 € (Zusammenveranlagung).

Der Indexierungsgewinn

Der Inflationsausgleich auf das Kapital zeigt sich beim Linker als Differenz zwischen Rückzahlungsbetrag und Anschaffungskosten. Nach den hier gelesenen Quellen wurde er schon in der älteren Rechtslage steuerlich als Kapitaleinnahme behandelt: Deubner (2006) beschreibt diese Papiere als Finanzinnovationen, bei denen die Rückzahlung garantiert, die Ertragshöhe aber ungewiss ist; der Kursgewinn sei unabhängig von der Haltedauer steuerpflichtig. Die Börsen-Zeitung (2007) nennt, dass Zinskupon und Inflationsprämie besteuert werden und ab 2009 die Abgeltungsteuer von 25 % gelten soll. Ob und wie Banken den Inflationsausgleich im Depot technisch abrechnen, kann sich unterscheiden; wende dich im Zweifel an deine Depotbank.

Praktisch heißt das: Besteuert wird nach diesen Quellen der nominale Zuwachs, nicht der reale. Der Inflationsausgleich erhöht deine steuerpflichtigen Einnahmen, obwohl er nur die Kaufkraft erhält.

*Beispiel (eigene Annahmen, kein Steuerrat):* 10.000 € Nennwert, 0,10 % Kupon, 3 % Inflation p. a. über zehn Jahre, Kauf zu Pari. Rückzahlung 13.439,16 €, nominaler Zuwachs 3.439,16 €. Bei 25 % Abgeltungsteuer plus – angenommen – 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf (Gesamtsatz 26,375 %, ohne Kirchensteuer, ohne Berücksichtigung eines Freibetrags) wären das rund 907 € Steuer auf den Zuwachs und rund 31 € auf die Zinsen. Nach Steuern bleiben 12.619 €; in Kaufkraft von heute sind das 12.619 € / 1,03¹⁰ = rund 9.390 €. Der Linker hält in diesem Beispiel nach Steuern also nicht die volle Kaufkraft, weil die Steuer auf den nominalen Inflationsausgleich erhoben wird. Das gilt grundsätzlich auch für andere nominal besteuerte Kapitalanlagen und ist ein Argument, die Nachsteuerrendite zu betrachten, nicht nur die Vorsteuer-Realrendite.

Verlusttopf und Stückzinsen

Verluste aus Kapitalvermögen dürfen nach § 20 Abs. 6 EStG nicht mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten verrechnet werden, mindern aber die Kapitalerträge der Folgejahre. Beim Kauf zwischen zwei Zinsterminen zahlst du Stückzinsen; wie sie steuerlich laufen, erklärt der Ratgeber Stückzinsen bei Anleihen: Berechnung, Steuer und Verlusttopf.

Risiken und typische Fehler

Zinsänderungsrisiko und Duration

Auch ein Linker ist eine Anleihe. Seine Kurse reagieren auf die Realrendite: Steigt der Realzins am Markt, fällt der Kurs – unabhängig davon, wie hoch die Inflation ist. Die Kursempfindlichkeit misst die Duration. Als grobe Faustregel verliert ein Papier mit Duration 7 bei einem Anstieg des Marktzinses um einen Prozentpunkt rund 7 % an Wert (7 × 1 Punkt; vereinfachte Näherung, die Konvexität ignoriert). Je länger die Laufzeit, desto stärker der Effekt – das gilt besonders für das 2046er-Papier. Stiftung Warentest weist darauf hin, dass indexierte Anleihen sich 2021 bis 2023 besonders gut schlugen, als die Inflation stark stieg und der Markt diesen Anstieg zunächst unterschätzt hatte; steigende Realrenditen können umgekehrt trotz Inflationsschutz zu Kursverlusten führen (Börsen-Zeitung, 2007). Grundlagen zum Zinsrisiko findest du im Anleihen-ETF-Ratgeber.

Index-Lag und Messproblem

Weil der Indexwert eines Zahlungstags aus den Werten des dritten und zweiten Vormonats interpoliert wird, hinkt der Ausgleich der aktuellen Preisentwicklung um rund zwei bis drei Monate hinterher. Bei stetiger Inflation ist das unproblematisch, bei raschen Sprüngen entstehen kurzfristige Abweichungen. Zudem misst der HVPI den Durchschnitt des Euroraums: Dein persönlicher Warenkorb, deine Miete oder dein Wohnort können eine deutlich andere Teuerung zeigen. Der Linker schützt vor der *Index*-Inflation, nicht vor der individuellen.

Liquidität

Mit dem Emissionsstopp sind nur wenige Papiere am Markt (rund 3,5 % der ausstehenden Bundeswertpapiere waren 2023 inflationsgekoppelt). Bei geringen Umsätzen einzelner Bonds können die Spannen zwischen An- und Verkaufskurs größer ausfallen als bei klassischen Bundesanleihen. Wie hoch sie aktuell sind, hängt vom Börsenplatz ab; schau vor einer Order in deine Handelsplattform.

Typische Fehler

  • Linker mit Inflationsversicherung zu jedem Preis verwechseln: Wer einen Linker kauft, wenn der Markt bereits hohe Inflation einpreist, kann trotz Teuerung schlechter abschneiden als mit einer klassischen Anleihe.
  • Ausschließlich auf den Kupon schauen: 0,10 % Kupon sagen wenig über die erwartete Realrendite, weil Kaufkurs, Indexstand und Restlaufzeit mitzählen.
  • Nominale Renditen vergleichen: Vergleichbar sind Real- und Nominalrendite nur über die Break-even-Inflation.
  • Zu kurz halten: Die reale Rendite gilt nur bis Fälligkeit; bei vorzeitigem Verkauf entscheidet der dann herrschende Realzins.
  • Steuer vergessen: siehe Beispiel oben – der nominale Zuwachs wird besteuert.
  • Bonität ausblenden: Das Papier ist so sicher wie der Emittent; bei Linkern anderer Staaten können Bonität und Indexregeln abweichen.

Zugang für Privatanleger

Einzelne Bonds über die Börse

Die ausstehenden Bundes-Linker können grundsätzlich an Börsen gehandelt werden. Ein direkter Kauf bei der Finanzagentur ist für Privatanleger nicht möglich; darauf geht der Ratgeber Bundeswertpapiere direkt kaufen ein. Wichtig sind: die ISIN des konkreten Papiers, Indexstand und Indexfaktor beim Kauf, Stückzinsen, Spreads und Orderentgelte. Klär vorab, wie dein Broker den Kurs ausweist (Kurs bezogen auf den Nennwert oder inklusive Indexfaktor) und welche Mindestordergröße gilt; das unterscheidet sich je nach Plattform.

ETFs und Fonds auf inflationsgebundene Staatsanleihen

Alternativ bündeln ETFs inflationsgebundene Staatsanleihen mehrerer Länder. Vorteile laut Stiftung Warentest: Der Fonds kümmert sich um die Wiederanlage, hat kein festes Enddatum, und du brauchst keine Einzelauswahl. Nachteile: Der Wert spiegelt die täglichen Kurse wider, nicht die Rendite bis Fälligkeit. Die Garantie des Floors am Laufzeitende gibt es für Anteile nicht. Außerdem sinken Kurse bei steigenden Realzinsen. Die Warentest-Autoren raten wegen des Währungsrisikos zu Euro-ETFs und merken an, dass indexierte Anleihen-ETFs langfristig in der Regel niedrigere Renditen als normale Anleihen-ETFs erzielen, dafür aber Schutz vor Inflationsrisiken bieten.

Prüfe bei jedem Produkt: Welcher Index wird abgebildet? Welche Länder und Laufzeiten sind enthalten? Wie hoch sind die laufenden Kosten? Ist das Produkt in Euro abgesichert? Ein Produktvergleich ist hier nicht möglich und nicht beabsichtigt; im ETF-Vergleich kannst du Kennzahlen selbst nachschlagen, und der Rechner-Bereich hilft bei eigenen Beispielrechnungen. Fachbegriffe findest du im Glossar.

Abgrenzung zu anderen Bausteinen

BausteinInflationsbezugKurs- / ZinsrisikoTypische Einordnung
TagesgeldVariabler Zins, nicht an Inflation gekoppeltKein Kursrisiko, Zins schwanktLiquiditätsreserve (Tagesgeld-Ratgeber)
FestgeldFester NominalzinsKein Kurs, aber BindungPlanbarer Zinsertrag (Festgeld-Leiter)
Klassische BundesanleiheFester NominalzinsKursrisiko durch ZinsenNominale Rückzahlung (Bundeswertpapiere)
Inflationsindexierte AnleiheKapital und Zins indexiertKursrisiko durch RealzinsenReal vereinbarter Zins
GeldmarktfondsFolgt kurzfristigen ZinsenGering, aber nicht nullSiehe Geldmarktfonds als Tagesgeld-Alternative

Die Tabelle ist eine Einordnung der Funktionsweise, keine Rangfolge und keine Empfehlung. Wie sich Banken mit Zinsentscheidungen verhalten, zeigt der Beitrag EZB-Zinsentscheid im September 2026.

Wann stellt sich die Frage nach einem Linker – und wann eher nicht?

Neutral betrachtet hängt der Nutzen eines Linkers von drei Dingen ab: dem Verhältnis von tatsächlicher zu eingepreister Inflation, deinem Zeithorizont und der Frage, ob du die Anleihe bis Fälligkeit halten kannst. Eine Bündelung von Argumenten:

  • Für einen Linker spricht: Du willst eine konkret vereinbarte reale Verzinsung bis zu einem bekannten Datum; dein Anlagehorizont deckt sich mit der Restlaufzeit; du erwartest, dass die Inflation über der Break-even-Rate liegt.
  • Dagegen spricht: Du brauchst das Geld möglicherweise vorzeitig (Kursrisiko); du erwartest eine niedrigere Inflation; das Angebot passt nicht zu deiner Laufzeit; der Spread am Markt ist hoch; die Steuer auf den nominalen Zuwachs schmälert den Effekt.

Das ist eine Gegenüberstellung von Argumenten, keine Empfehlung. Ob ein Linker zu deiner Situation passt, ist eine individuelle Frage, die dieser Artikel nicht beantwortet.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist eine inflationsindexierte Anleihe?

Welcher Index gilt bei deutschen inflationsindexierten Bundeswertpapieren?

Bekomme ich bei Deflation weniger Geld zurück als ich eingezahlt habe?

Gibt es noch neue inflationsindexierte Bundesanleihen?

Was bedeutet Break-even-Inflation?

Wie werden Linker besteuert?

Schützt ein Linker vor Kursverlusten?

Linker einzeln kaufen oder ETF – wo liegt der Unterschied?

Fazit

Die inflationsindexierte Anleihe löst ein klar umrissenes Problem: Sie ersetzt die feste nominale Zusage durch eine reale Zusage. Der Bund zahlt Kupon und Kapital angepasst an den Euroraum-HVPI ohne Tabak; das Kapital ist beim Rückzahlungsbetrag nach unten bis auf den Nennwert abgesichert. Die Rechnung zeigt, dass der Linker nicht automatisch „besser" ist: Er gewinnt gegen die klassische Anleihe, wenn die Inflation über der Break-even-Rate liegt, und verliert, wenn sie darunter bleibt. Hinzu kommen das Zinsänderungsrisiko, die Verzögerung des Index, die dünne Auswahl seit dem Emissionsstopp 2024 und eine Steuer, die den nominalen Zuwachs erfasst.

Für den Alltag heißt das: Verstehe zuerst, was du absichern willst (Zeitraum, Betrag), und vergleiche dann Real- und Nominalrendite über die Break-even-Inflation. Prüfe Konditionen, Steuer und Kosten selbst – und ziehe bei der Steuer eine Fachperson hinzu. Grundlagen zu Inflation und Realzins bekommst du im Beitrag Nominalzins vs. Realzins, die Einordnung von Anleihen im Portfolio im Anleihen-ETF-Ratgeber. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Beratung.

Häufige Fragen

Was ist eine inflationsindexierte Anleihe?

Eine inflationsindexierte Anleihe (Linker) ist eine Schuldverschreibung, bei der Zinsbetrag und Rückzahlungsbetrag mit einer Index-Verhältniszahl multipliziert werden. Diese bildet die Entwicklung eines Verbraucherpreisindex seit der Emission ab. Der feste Kupon steht deshalb für den realen Zins.

Welcher Index gilt bei deutschen inflationsindexierten Bundeswertpapieren?

Nach den Emissionsbedingungen des Bundes ist es der unrevidierte Harmonisierte Verbraucherpreisindex der Euro-Zone, Gesamtindex ohne Tabak, den Eurostat berechnet. Es ist nicht der deutsche VPI des Statistischen Bundesamts. Maßgeblich sind immer die Konditionen des einzelnen Papiers.

Bekomme ich bei Deflation weniger Geld zurück als ich eingezahlt habe?

Nach den Emissionsbedingungen entspricht der Rückzahlungsbetrag mindestens dem Gesamtnennbetrag. Dieser Schutz bezieht sich auf den Nennwert, nicht auf einen über Pari gezahlten Kaufkurs. Bei einem vorzeitigen Verkauf kann der Kurs unter deinem Einstandskurs liegen.

Gibt es noch neue inflationsindexierte Bundesanleihen?

Nach Meldungen vom November 2023 gibt der Bund seit 2024 keine neuen inflationsindexierten Wertpapiere mehr aus und stockt bestehende nicht auf. Laut Stiftung Warentest (April 2026) sind noch Papiere mit Fälligkeit 2030, 2033 und 2046 im Umlauf. Prüfe vor einer Entscheidung die aktuelle Wertpapierliste.

Was bedeutet Break-even-Inflation?

Es ist die durchschnittliche jährliche Inflationsrate, bei der eine klassische und eine inflationsindexierte Anleihe gleicher Laufzeit dieselbe Gesamtrendite erzielen. Näherungsweise ist sie die Nominalrendite abzüglich der Realrendite. Liegt die tatsächliche Inflation darüber, schneidet der Linker besser ab.

Wie werden Linker besteuert?

Zinsen und Gewinne aus Kapitalforderungen fallen nach § 20 EStG unter die Einkünfte aus Kapitalvermögen, grundsätzlich mit 25 % Abgeltungsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Der Inflationsausgleich auf das Kapital erhöht nach den gelesenen Quellen den steuerpflichtigen Zuwachs. Die genaue Behandlung solltest du mit einer Steuerberatung klären.

Schützt ein Linker vor Kursverlusten?

Nein. Der Inflationsschutz bezieht sich auf Kupon und Rückzahlung bei Fälligkeit. Zwischenzeitlich schwanken Kurse mit den Realzinsen. Steigen diese, kann der Kurs fallen, auch wenn die Inflation hoch ist.

Linker einzeln kaufen oder ETF – wo liegt der Unterschied?

Beim einzelnen Bond kennst du Restlaufzeit und Rückzahlungsregeln, trägst aber das Klumpenrisiko eines Papiers. Ein ETF bündelt mehrere Anleihen, hat kein Enddatum und kein garantiertes Laufzeitende; der Wert folgt den täglichen Kursen. Beide Wege haben eigene Kosten und Risiken.

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