Ratgeber

Miete oder Kaufen? Der Rechner-gestützte Vergleich für die eigene Immobilie

Stand: Juli 2026 · Lesezeit ca. 15 Min. · Redaktion: RenditeRadar

Miete oder Kaufen ist vor allem eine Opportunitätskosten-Frage, keine reine Finanzierbarkeitsfrage. Ein durchgerechnetes Beispiel zeigt Breakeven-Logik, Kaufnebenkosten und weiche Faktoren jenseits der reinen Rendite-Annahme.

Das Wichtigste in Kürze

  • Miete oder Kaufen ist in erster Linie eine Opportunitätskosten-Frage: Was passiert mit dem Geld, das beim Mieten nicht in Eigenkapital, Zinsen und Tilgung fließt, sondern investiert werden könnte?
  • Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, ggf. Makler) liegen je nach Bundesland und Maklereinsatz meist bei rund 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises – sie sind beim Kauf sofort weg und müssen erst „erwirtschaftet" werden.
  • In der Verbraucherberatung wird häufig eine Mindesthaltedauer von etwa 10 bis 15 Jahren genannt, ab der sich diese Nebenkosten gegenüber dem Mieten überhaupt amortisieren – bei kürzeren Zeiträumen lohnt Kaufen rein finanziell selten.
  • Eine Instandhaltungsrücklage von rund 1 bis 1,5 Prozent des Kaufpreises pro Jahr wird in vielen Vergleichsrechnungen vergessen, gehört aber zu den laufenden Kosten des Eigentums dazu.
  • Ein fairer Vergleich stellt die Warmmiete (inklusive Nebenkosten) der monatlichen Kreditrate plus Instandhaltungsrücklage gegenüber – nicht die kalte Miete gegen die reine Tilgungsrate.
  • Wer mietet, sollte die Differenz aus nicht gebundenem Eigenkapital und monatlicher Ersparnis diszipliniert investieren, sonst existiert der rechnerische Vorteil nur auf dem Papier.
  • Neben der Zahlen-Rechnung zählen weiche Faktoren: berufliche Flexibilität, Zwangssparen-Effekt, emotionale Sicherheit und der Inflationsschutz einer abbezahlten Immobilie im Alter.
  • Es gibt keine pauschal richtige Antwort – die individuell geplante Bleibedauer beeinflusst das Ergebnis meist stärker als die Wahl der Rendite-Annahme.

Die Frage Miete oder Kaufen stellt sich fast jedem, der in Deutschland langfristig wohnen will – und sie wird meist falsch gestellt. Wer nur prüft, ob die Bank eine Finanzierung genehmigt, beantwortet eine andere Frage als die, ob sich der Kauf gegenüber dem Mieten und Investieren tatsächlich lohnt. Dieser Ratgeber zeigt die Rechenlogik dahinter, ein durchgerechnetes Beispiel und die weichen Faktoren, die keine Tabelle erfasst – bewusst getrennt von der reinen Finanzierungsmechanik und getrennt von der Frage, ob eine Immobilie als Kapitalanlage taugt.

Die falsche Frage: „Kann ich mir das leisten?" ist nicht „Lohnt sich das?"

Wer eine Immobilie kaufen möchte, beschäftigt sich zuerst fast zwangsläufig mit der Finanzierbarkeit: Wie viel Eigenkapital ist vorhanden, wie hoch darf der Kredit sein, welche monatliche Rate ist tragbar. Das sind wichtige Fragen – sie beantworten aber nur, ob ein Kauf technisch möglich ist, nicht ob er sich wirtschaftlich lohnt im Vergleich zur Alternative, weiter zur Miete zu wohnen. Die Mechanik der Finanzierung selbst – Eigenkapitalquote, Zinsbindung, Tilgungssatz, Sondertilgungen, Anschlussfinanzierung – ist ausführlich im Ratgeber Baufinanzierung Grundlagen erklärt und wird hier bewusst nicht wiederholt.

Die ökonomisch relevantere Frage lautet: Was ist die beste Verwendung für das Geld, das in beiden Szenarien zur Verfügung steht – das Eigenkapital und die monatliche Differenz zwischen Wohnkosten beim Kaufen und beim Mieten? Das ist eine klassische Opportunitätskosten-Betrachtung. Eigenkapital, das in eine Immobilie fließt, kann nicht gleichzeitig in ein Wertpapierdepot investiert werden. Eine monatliche Kreditrate, die höher ist als die Warmmiete einer vergleichbaren Wohnung, bindet Geld, das sonst angespart oder investiert werden könnte. Ob sich das lohnt, hängt von der erwarteten Rendite dieser Alternativanlage ab, vom Verlauf der Mieten, von der Haltedauer und von Faktoren, die sich nicht in eine Formel packen lassen. Diese Fragestellung ist deshalb auch nicht identisch mit der Frage, ob eine vermietete Immobilie als Kapitalanlage sinnvoll ist – dazu und zum direkten Renditevergleich mit einem ETF-Investment gibt es einen eigenen Beitrag: Vermietete Immobilie oder ETF. Hier geht es ausschließlich um die selbstgenutzte Immobilie – das Zuhause, nicht die Geldanlage.

Warum diese Abwägung 2026 an Bedeutung gewinnt

Die Entscheidung zwischen Miete und Kauf ist kein rein akademisches Gedankenspiel. Neuvertragsmieten in Deutschland sind zuletzt bundesweit spürbar gestiegen, in einzelnen Großstädten sogar zweistellig gegenüber dem Vorjahr, während gleichzeitig zu wenige neue Wohnungen fertiggestellt werden, um den Bedarf zu decken. Wer heute eine neue Mietwohnung sucht, zahlt in vielen Regionen deutlich mehr als Bestandsmieter mit langjährigem Vertrag – ein Effekt, der die reine „heutige Miete fortschreiben"-Rechnung zusätzlich verzerrt. Gleichzeitig bleiben Kreditzinsen und Immobilienpreise nach den Ausschlägen der vergangenen Jahre ein bewegliches Ziel. Genau das macht eine saubere, auf Annahmen statt auf Bauchgefühl gestützte Rechnung wichtiger als in ruhigeren Marktphasen – und genau deshalb sollte diese Rechnung robust gegenüber verschiedenen Annahmen sein, nicht auf eine einzelne, aktuell beobachtete Zahl gestützt.

Die Breakeven-Logik: Wie lange musst du bleiben, damit sich der Kauf lohnt?

Ein Immobilienkauf verursacht einmalige Transaktionskosten, die beim Mieten schlicht nicht anfallen. Diese Kaufnebenkosten sind sofort weg – anders als eine Mietkaution, die bei Auszug zurückfließt – und müssen erst durch Vorteile des Wohnens im Eigentum (niedrigere laufende Kosten, Tilgung als Vermögensaufbau, ggf. Wertsteigerung) wieder ausgeglichen werden. Nach heutigem Stand setzen sich die Kaufnebenkosten typischerweise so zusammen:

KostenpositionGrößenordnungBemerkung
Grunderwerbsteuerca. 3,5 % – 6,5 % des KaufpreisesHöhe ist Ländersache, unterschiedlich je Bundesland
Notar- und Grundbuchkostenca. 1,5 % – 2 % des Kaufpreisesgesetzlich geregelte Gebühren, bundesweit ähnlich
Maklercourtageca. 3 % – 3,57 % je Seite (inkl. USt.)seit 2020 tragen Käufer und Verkäufer meist je zur Hälfte, entfällt bei privatem Verkauf ohne Makler

In Summe kommen dabei häufig rund 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises zusammen, je nach Bundesland und danach, ob überhaupt ein Makler beteiligt ist – ohne Makler kann die Quote spürbar niedriger liegen. Eine vollständige Übersicht der Grunderwerbsteuersätze nach Bundesland würde diesen Ratgeber sprengen; entscheidend ist hier nur die Größenordnung für die Breakeven-Rechnung.

Diese Summe – bei einem Kaufpreis von 400.000 Euro schnell 40.000 bis 60.000 Euro – ist der Betrag, den ein Käufer gegenüber einem Mieter zusätzlich „investiert", ohne dafür direkt einen Gegenwert zu erhalten. Er zahlt sich erst aus, wenn die laufenden Vorteile des Eigentums über die Zeit größer werden als dieser einmalige Nachteil. Deshalb wird in der Verbraucherberatung häufig eine Faustregel genannt: Wer voraussichtlich weniger als etwa 7 bis 10 Jahre in der Immobilie bleibt, für den lohnt sich ein Kauf rein finanziell selten; erst ab einer Haltedauer von rund 10 bis 15 Jahren amortisieren sich die Nebenkosten in den meisten Konstellationen. Das ist eine grobe Orientierung, keine exakte Formel – das tatsächliche Ergebnis hängt von Zinsniveau, Mietentwicklung und der individuellen Rechnung ab, wie das folgende Beispiel zeigt.

Eine ergänzende, ebenfalls grobe Orientierung liefert das sogenannte Kaufpreis-Miete-Verhältnis: der Kaufpreis geteilt durch die Jahreskaltmiete einer vergleichbaren Mietimmobilie. Ein Wert unter etwa 20 gilt in dieser Faustregel als eher günstige Kaufgelegenheit, deutlich höhere Werte sprechen tendenziell für das Mieten. Auch dieses Verhältnis ersetzt keine individuelle Rechnung mit den eigenen Zahlen, hilft aber als schneller erster Anhaltspunkt, ob sich eine tiefere Prüfung überhaupt lohnt – etwa bevor Zeit in eine Finanzierungsanfrage investiert wird, deren Details wiederum im Ratgeber Baufinanzierung Grundlagen beschrieben sind.

Rechenbeispiel: Kaufen mit Kredit vs. Mieten und Investieren

Das folgende Beispiel ist bewusst mit runden, hypothetischen Zahlen gerechnet. Es soll die Rechenlogik zeigen, nicht eine konkrete Stadt oder ein konkretes Objekt abbilden. Die angenommene Wertentwicklung des ETF-Portfolios ist eine Illustration auf Basis historischer Durchschnittswerte für ein breit gestreutes Aktienportfolio – keine Prognose und keine Garantie. Wie unterschiedlich reale Renditen ausfallen können und warum es „die sichere Rendite" nicht gibt, ist im Beitrag Welche Rendite ist realistisch? eingeordnet.

Ausgangslage:

AnnahmeWert
Kaufpreis der Immobilie400.000 €
Kaufnebenkosten (12 % des Kaufpreises)48.000 €
Eingesetztes Eigenkapital100.000 € (davon 48.000 € für Nebenkosten, 52.000 € Anzahlung)
Finanzierter Betrag348.000 €
Angenommener Zinssatz / anfänglicher Tilgungssatz3,8 % / 2,0 %
Monatliche Kreditraterund 1.680 €
Instandhaltungsrücklage (1,2 % p. a. des Kaufpreises)rund 400 €/Monat
Monatliche Wohnkosten beim Kauf (Rate + Rücklage)rund 2.080 €
Vergleichbare Wohnung zur Miete (kalt)1.300 €/Monat
Nebenkosten Miete250 €/Monat
Warmmiete1.550 €/Monat

Wie die Kreditrate im Detail aus Zinsbindung, Tilgungssatz und Sondertilgungen entsteht, erklärt der Ratgeber Baufinanzierung Grundlagen; hier wird die Rate als Ergebnis übernommen.

Szenario Kauf: Die 100.000 Euro Eigenkapital fließen vollständig in Kaufnebenkosten und Anzahlung. Die monatliche Belastung aus Kreditrate und Instandhaltungsrücklage liegt bei rund 2.080 Euro. Diese Rate bleibt über die Zinsbindungsfrist nominal konstant, während die Immobilie nach vollständiger Tilgung – bei diesen Eckdaten nach rund 25 bis 28 Jahren – schuldenfrei ist und danach nur noch Instandhaltung, Grundsteuer und Versicherungen anfallen.

Szenario Miete + Investieren: Die 100.000 Euro Eigenkapital werden stattdessen in ein breit diversifiziertes, weltweites ETF-Portfolio investiert (Details zum Aufbau eines solchen Sparplans im Sparplan-Rechner). Zusätzlich wird die monatliche Differenz zwischen Kauf-Wohnkosten (2.080 €) und Warmmiete (1.550 €), also rund 530 Euro, ebenfalls investiert – solange die Miete unter der Kaufbelastung liegt. Da Mieten historisch tendenziell stärker steigen als eine über Jahrzehnte fixierte Kreditrate, schrumpft diese monatliche Sparsumme im Zeitverlauf und kann sich später sogar umkehren; im Modell wird hier vereinfachend mit einer durchschnittlichen monatlichen Sparrate von rund 400 Euro über die gesamte Laufzeit gerechnet.

Legt man diesem Modell eine illustrative, keineswegs garantierte durchschnittliche Wertentwicklung von 5 Prozent pro Jahr für das ETF-Portfolio zugrunde – wie sich ein solcher Zinseszinseffekt grundsätzlich entwickelt, lässt sich im Zinseszinsrechner nachvollziehen –, ergibt sich über verschiedene Zeithorizonte ungefähr folgendes Bild:

ZeithorizontVermögensposition Kauf (illustrativ)Vermögensposition Miete + Investieren (illustrativ)
nach 10 JahrenImmobilie abzüglich Restschuld: spürbare, aber noch begrenzte Netto-Position durch TilgungDepotwert deutlich über dem eingesetzten Eigenkapital, aber ohne Immobilienvermögen
nach 15 JahrenRestschuld weiter gesunken, Netto-Position wächst durch Tilgung strukturellDepotwert wächst durch Zinseszins spürbar schneller weiter
nach 25 JahrenImmobilie überwiegend oder vollständig entschuldet, danach kaum noch WohnkostenDepotwert kann – abhängig von der tatsächlichen Rendite – in der Größenordnung des Immobilienwerts liegen oder darüber

Die konkreten Endbeträge hängen extrem stark von Annahmen ab, die niemand mit Sicherheit vorhersagen kann: der tatsächlichen ETF-Rendite über Jahrzehnte, der Entwicklung der Immobilienpreise, der Mietsteigerungen und des Zinsniveaus bei einer möglichen Anschlussfinanzierung. Genau deshalb ist die zentrale Erkenntnis aus diesem Beispiel nicht eine Zahl, sondern die Struktur: Kaufen baut Vermögen zwangsläufig und planbar über die Tilgung auf, mit begrenzter Flexibilität und einem illiquiden Vermögenswert am Ende. Mieten und Investieren baut Vermögen nur auf, wenn die Differenz tatsächlich diszipliniert investiert wird – mit höherer Flexibilität, aber auch mit echtem Marktrisiko, das keine Anlageform vollständig ausschließen kann.

Was der Taschenrechner nicht erfasst: weiche Faktoren

Eine reine Zahlenrechnung blendet mehrere Aspekte aus, die für die tatsächliche Entscheidung oft genauso wichtig sind wie die Rendite-Annahme:

  • Flexibilität und berufliche Mobilität: Ein Mietverhältnis lässt sich in der Regel mit gesetzlicher Frist kündigen; eine Immobilie zu verkaufen dauert Monate, kostet erneut Transaktionskosten (Makler, ggf. Vorfälligkeitsentschädigung bei laufender Zinsbindung) und ist bei ungünstiger Marktlage nicht immer zum gewünschten Preis möglich. Wer beruflich häufig umzieht oder den Wohnort noch nicht festgelegt hat, trägt beim Kauf ein zusätzliches Risiko.
  • Zwangssparen-Effekt: Eine monatliche Kreditrate ist ein festes Ausgabenkorsett, das automatisch Vermögen in Form von Tilgung aufbaut. Beim Mieten funktioniert der gleiche Effekt nur, wenn die eingesparte Differenz tatsächlich diszipliniert per Sparplan investiert wird und nicht im Alltag versickert – ein psychologisch nicht zu unterschätzender Unterschied.
  • Inflationsschutz im Alter: Eine vollständig abbezahlte Immobilie bedeutet im Ruhestand eine weitgehend inflationsunabhängige Wohnkostenposition – nur noch Instandhaltung, Grundsteuer und Versicherung fallen an, während Mieten tendenziell weiter steigen. Das ist ein Sicherheitsargument, das sich nur bedingt in eine Renditezahl übersetzen lässt.
  • Emotionale und soziale Faktoren: Gestaltungsfreiheit an der eigenen Immobilie, Verwurzelung im Wohnumfeld, Planbarkeit für eine Familie – solche Aspekte sind real, aber nicht monetär vergleichbar. Sie sind kein Rechenfehler, wenn sie in die Entscheidung einfließen, sondern ein legitimer Teil davon.
  • Klumpenrisiko: Eine selbstgenutzte Immobilie bindet einen großen Teil des Vermögens in einem einzigen, nicht diversifizierten Sachwert an einem einzigen Standort. Das steht im Kontrast zur Diversifikation, die ein breit gestreutes ETF-Portfolio bietet.
  • Steuerliche Behandlung beim Verkauf: Ein späterer Verkaufsgewinn einer durchgehend selbstgenutzten Immobilie bleibt nach § 23 Einkommensteuergesetz regelmäßig einkommensteuerfrei, unabhängig von der Haltedauer – anders als bei einer vermieteten Immobilie, für die außerhalb der Zehnjahresfrist grundsätzlich Spekulationssteuer anfallen kann. Das ist ein struktureller Unterschied zur reinen Kapitalanlage-Betrachtung, wie sie im Beitrag Vermietete Immobilie oder ETF behandelt wird; im Einzelfall sollte diese Einschätzung steuerlich geprüft werden, etwa über eine Steuerberatung.

Keiner dieser Punkte lässt sich pauschal für oder gegen den Kauf werten – sie sind individuell zu gewichten und gehören ehrlich in die Entscheidung, auch wenn sie sich nicht in einer Tabellenzeile abbilden lassen.

Die häufigsten Fehler beim Vergleich

  • Opportunitätskosten des Eigenkapitals ignorieren: Wer nur die Kreditrate mit der Miete vergleicht, aber das eingesetzte Eigenkapital nicht als „entgangene Anlage" berücksichtigt, überschätzt systematisch den Vorteil des Kaufs.
  • Instandhaltungsrücklage vergessen: Rund 1 bis 1,5 Prozent des Kaufpreises pro Jahr für Instandhaltung fließen in vielen Milchmädchenrechnungen gar nicht ein – gerade bei älteren Objekten kann der tatsächliche Bedarf sogar höher liegen.
  • Kaltmiete statt Warmmiete vergleichen: Ein fairer Vergleich stellt die Kreditrate plus Instandhaltungsrücklage der Warmmiete (inklusive Nebenkosten) gegenüber – nicht der kalten Miete, die systematisch niedriger ist.
  • Steigende Mieten ignorieren: Wer nur die heutige Miete über Jahrzehnte fortschreibt, unterschätzt die künftige Belastung beim Weitermieten – ebenso wie wer eine Kreditrate fälschlich für „unveränderlich über die gesamte Kreditlaufzeit" hält, obwohl nach Ende der Zinsbindung eine Anschlussfinanzierung zu neuen Konditionen nötig wird.
  • Kaufnebenkosten unterschätzen: 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises als einmalige, nicht wiederkehrende Kosten werden regelmäßig zu niedrig angesetzt oder ganz vergessen.
  • Die investierte Differenz nur theoretisch einplanen: Der rechnerische Vorteil des Mietens setzt voraus, dass die monatliche Ersparnis tatsächlich regelmäßig investiert wird – ohne einen Sparplan bleibt davon oft wenig übrig. Wie ein solcher Sparplan aufgebaut wird, zeigt der Sparplan-Rechner.
  • Fehlenden Puffer für Notfälle einplanen: Wer sein gesamtes Eigenkapital in den Kauf steckt, sollte trotzdem einen Notgroschen für unvorhergesehene Ausgaben zurückhalten – Reparaturen an der eigenen Immobilie lassen sich nicht immer aufschieben.

Entscheidungs-Checkliste: So gehst du die Frage praktisch an

Die folgende Liste ersetzt keine individuelle Beratung, fasst aber die zentralen Schritte aus diesem Ratgeber zusammen, bevor eine Kauf- oder Finanzierungsentscheidung ansteht:

  • Bleibedauer realistisch einschätzen: Wie wahrscheinlich ist ein Umzug in den nächsten 10 bis 15 Jahren – beruflich, familiär, persönlich?
  • Warmmiete und Kaufbelastung sauber gegenüberstellen: Kreditrate plus Instandhaltungsrücklage plus Grundsteuer und Versicherung gegen die tatsächliche Warmmiete einer vergleichbaren Immobilie rechnen, nicht gegen die Kaltmiete.
  • Kaufnebenkosten für das konkrete Bundesland recherchieren: Grunderwerbsteuersatz, Notarkosten und Maklerregelung vor Ort einbeziehen, nicht nur die bundesweite Größenordnung.
  • Eigene Rendite-Annahme bewusst konservativ wählen: Für die Alternativanlage lieber mit einer vorsichtigen statt einer optimistischen Rendite rechnen – der Renditerechner hilft, verschiedene Annahmen durchzuspielen.
  • Zinsbindung und Anschlussfinanzierung mitdenken: Wie sich die monatliche Rate nach Ablauf der Zinsbindung verändern könnte, ist Teil der Finanzierungsplanung im Ratgeber Baufinanzierung Grundlagen.
  • Notgroschen getrennt von der Anzahlung einplanen: Das Eigenkapital für den Kauf sollte nicht das gesamte liquide Vermögen aufbrauchen.
  • Weiche Faktoren schriftlich festhalten: Flexibilität, Sicherheit, emotionale Bedeutung – bewusst neben die Zahlen stellen, statt sie stillschweigend die Entscheidung dominieren zu lassen.

Häufige Fragen zu Miete oder Kaufen

Ab welcher Wohndauer lohnt sich ein Immobilienkauf finanziell?

Als grobe Orientierung wird in der Verbraucherberatung häufig eine Mindesthaltedauer von rund 10 bis 15 Jahren genannt, ab der sich die Kaufnebenkosten typischerweise amortisieren. Bei einer geplanten Wohndauer von unter 7 Jahren lohnt sich ein Kauf rein finanziell in den meisten Konstellationen kaum. Das ist eine Faustregel, keine exakte Vorhersage für den Einzelfall.

Wie hoch sind die Kaufnebenkosten typischerweise?

Grunderwerbsteuer, Notar- und Grundbuchkosten sowie eine eventuelle Maklercourtage summieren sich meist auf rund 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises, abhängig vom Bundesland und davon, ob ein Makler beteiligt ist. Ohne Makler kann die Quote deutlich niedriger liegen.

Sollte ich die Kaltmiete oder die Warmmiete mit der Kreditrate vergleichen?

Für einen fairen Vergleich gehört die Warmmiete (Kaltmiete plus Nebenkosten) auf die Waagschale, weil auch bei Wohneigentum vergleichbare laufende Nebenkosten sowie Instandhaltungsrücklage, Grundsteuer und Versicherung anfallen.

Wie hoch sollte die Instandhaltungsrücklage angesetzt werden?

Eine verbreitete Faustregel setzt rund 1 bis 1,5 Prozent des Kaufpreises pro Jahr für Instandhaltung an. Bei älteren Gebäuden oder absehbarem Sanierungsbedarf kann der tatsächliche Betrag höher liegen.

Ist Mieten und Investieren automatisch besser als Kaufen?

Nein. Der Vorteil des Mietens entsteht nur, wenn die eingesparte monatliche Differenz und das nicht gebundene Eigenkapital tatsächlich konsequent investiert werden. Ohne diese Disziplin bleibt vom rechnerischen Vorteil oft wenig übrig, während eine Kreditrate automatisch Vermögen über die Tilgung aufbaut.

Welche Rendite darf ich für die Alternativanlage realistisch annehmen?

Es gibt keine garantierte Rendite für ein Aktien- oder ETF-Portfolio – historische Durchschnittswerte dienen nur als grobe Orientierung, nicht als Zusage. Wie unterschiedlich reale Ergebnisse ausfallen können, ordnet der Beitrag Welche Rendite ist realistisch? ein.

Was passiert, wenn die Immobilienpreise fallen oder die Miete stärker steigt als angenommen?

Beide Szenarien sind möglich und verändern das Ergebnis der Vergleichsrechnung erheblich. Ein Immobilienkauf kann bei sinkenden Preisen zu einem Vermögensverlust führen, während stark steigende Mieten die Miet-Alternative verteuern. Deshalb ist es sinnvoll, den Vergleich mit mehreren, auch vorsichtigen Annahmen durchzurechnen statt mit nur einem Szenario.

Fällt beim Verkauf der eigenen Immobilie Steuer an?

Ein Verkaufsgewinn aus einer durchgehend selbstgenutzten Immobilie bleibt nach § 23 Einkommensteuergesetz regelmäßig steuerfrei, unabhängig von der Haltedauer. Bei nicht durchgehender Eigennutzung gilt grundsätzlich die Zehnjahresfrist; im Einzelfall lohnt sich eine Prüfung durch eine Steuerberatung, da die genaue Ausgestaltung von der individuellen Nutzungshistorie abhängt.

Fazit

Miete oder Kaufen lässt sich nicht mit einer einzigen Kennzahl beantworten, sondern hängt von der geplanten Bleibedauer, den konkreten Kaufnebenkosten, der gewählten Rendite-Annahme für die Alternativanlage und von Faktoren ab, die sich nicht beziffern lassen. Die Rechenlogik zeigt: Kaufen lohnt sich finanziell tendenziell eher bei langer Wohndauer und diszipliniertem Blick auf Warmmiete versus Gesamtkosten des Eigentums, während Mieten und Investieren nur dann sein Potenzial entfaltet, wenn die gesparte Differenz tatsächlich angelegt wird. Beide Wege bauen Vermögen auf – der eine über planbare Tilgung in einem einzelnen, illiquiden Sachwert, der andere über ein diversifiziertes, aber schwankungsanfälliges Wertpapierportfolio, das echte Disziplin voraussetzt. Wer beide Szenarien mit realistischen, auch konservativen Annahmen durchrechnet und die weichen Faktoren ehrlich mitgewichtet, trifft eine fundiertere Entscheidung als mit reinem Bauchgefühl oder einer pauschalen Empfehlung.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Finanz- oder Rechtsberatung und keine Empfehlung für den Kauf oder die Finanzierung einer konkreten Immobilie. Stand: Juli 2026.

Häufige Fragen

Ab welcher Wohndauer lohnt sich ein Immobilienkauf finanziell?

Als grobe Orientierung wird in der Verbraucherberatung häufig eine Mindesthaltedauer von rund 10 bis 15 Jahren genannt, ab der sich die Kaufnebenkosten typischerweise amortisieren. Bei einer geplanten Wohndauer von unter 7 Jahren lohnt sich ein Kauf rein finanziell in den meisten Konstellationen kaum. Das ist eine Faustregel, keine exakte Vorhersage für den Einzelfall.

Wie hoch sind die Kaufnebenkosten typischerweise?

Grunderwerbsteuer, Notar- und Grundbuchkosten sowie eine eventuelle Maklercourtage summieren sich meist auf rund 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises, abhängig vom Bundesland und davon, ob ein Makler beteiligt ist. Ohne Makler kann die Quote deutlich niedriger liegen.

Sollte ich die Kaltmiete oder die Warmmiete mit der Kreditrate vergleichen?

Für einen fairen Vergleich gehört die Warmmiete (Kaltmiete plus Nebenkosten) auf die Waagschale, weil auch bei Wohneigentum vergleichbare laufende Nebenkosten sowie Instandhaltungsrücklage, Grundsteuer und Versicherung anfallen.

Wie hoch sollte die Instandhaltungsrücklage angesetzt werden?

Eine verbreitete Faustregel setzt rund 1 bis 1,5 Prozent des Kaufpreises pro Jahr für Instandhaltung an. Bei älteren Gebäuden oder absehbarem Sanierungsbedarf kann der tatsächliche Betrag höher liegen.

Ist Mieten und Investieren automatisch besser als Kaufen?

Nein. Der Vorteil des Mietens entsteht nur, wenn die eingesparte monatliche Differenz und das nicht gebundene Eigenkapital tatsächlich konsequent investiert werden. Ohne diese Disziplin bleibt vom rechnerischen Vorteil oft wenig übrig, während eine Kreditrate automatisch Vermögen über die Tilgung aufbaut.

Welche Rendite darf ich für die Alternativanlage realistisch annehmen?

Es gibt keine garantierte Rendite für ein Aktien- oder ETF-Portfolio – historische Durchschnittswerte dienen nur als grobe Orientierung, nicht als Zusage. Wie unterschiedlich reale Ergebnisse ausfallen können, ordnet der Beitrag Welche Rendite ist realistisch? ein.

Was passiert, wenn die Immobilienpreise fallen oder die Miete stärker steigt als angenommen?

Beide Szenarien sind möglich und verändern das Ergebnis der Vergleichsrechnung erheblich. Ein Immobilienkauf kann bei sinkenden Preisen zu einem Vermögensverlust führen, während stark steigende Mieten die Miet-Alternative verteuern. Deshalb ist es sinnvoll, den Vergleich mit mehreren, auch vorsichtigen Annahmen durchzurechnen statt mit nur einem Szenario.

Fällt beim Verkauf der eigenen Immobilie Steuer an?

Ein Verkaufsgewinn aus einer durchgehend selbstgenutzten Immobilie bleibt nach § 23 Einkommensteuergesetz regelmäßig steuerfrei, unabhängig von der Haltedauer. Bei nicht durchgehender Eigennutzung gilt grundsätzlich die Zehnjahresfrist; im Einzelfall lohnt sich eine Prüfung durch eine Steuerberatung, da die genaue Ausgestaltung von der individuellen Nutzungshistorie abhängt.

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