Vermögen nach Alter: Wie viel haben Deutsche mit 30, 40 oder 50 wirklich gespart?
21. August 2026 · Aktualisiert: 20. August 2026 · Lesezeit ca. 15 Min. · Redaktion: RenditeRadar
Bundesbank-Daten zeigen, wie viel Vermögen deutsche Haushalte je Altersgruppe median besitzen – und warum der Durchschnittswert davon stark abweicht. Mit Tabelle, Quellen und Einordnung.
Kurz gesagt
Laut der jüngsten Vermögensbefragung der Deutschen Bundesbank (Private Haushalte und ihre Finanzen, PHF, Welle 5, erhoben zwischen Mai 2023 und Februar 2024) lag das mittlere Nettovermögen deutscher Haushalte unter 35 Jahren 2023 bei rund 17.300 Euro – in der Altersgruppe 55 bis 64 Jahre bei rund 241.100 Euro. Diese Zahlen sind Median-Werte für ganze Haushalte, keine Werte pro Einzelperson, und sie sagen wenig über einen einzelnen Haushalt aus, weil die Streuung riesig ist: Wohneigentum, Erbschaften, Beziehungsstatus und Ost-West-Herkunft verändern die Größenordnung massiv.
Dieser Artikel ordnet die Bundesbank-Zahlen nach Altersgruppen ein, erklärt den – teils gewaltigen – Unterschied zwischen Median und Durchschnitt und zeigt, welche Stellschrauben beim eigenen Vermögensaufbau tatsächlich etwas bewegen. Das ist eine allgemeine Einordnung öffentlich verfügbarer Statistiken, keine individuelle Finanz- oder Anlageberatung. Deine persönliche Situation – Einkommen, Miete oder Eigentum, Familienstand, Region, ererbtes Vermögen – kann von diesen Durchschnittswerten stark abweichen, und das ist normal.
Wer noch nie systematisch nachgerechnet hat, wie sich das eigene Vermögen zusammensetzt, findet unten eine kurze Erklärung, wie die Bundesbank "Nettovermögen" überhaupt definiert – die Antwort ist nicht ganz so selbstverständlich, wie sie klingt.
Woher die Zahlen stammen
Die Basis dieses Artikels ist die Vermögensbefragung Private Haushalte und ihre Finanzen (PHF) der Deutschen Bundesbank, die fünfte Erhebungswelle. Für sie wurden zwischen Mai 2023 und Februar 2024 bundesweit 3.985 Haushalte detailliert zu Vermögen und Schulden befragt. Die Bundesbank veröffentlichte die zusammenfassenden Ergebnisse im Monatsbericht April 2025. Eine vertiefte Auswertung speziell nach Altersgruppen der Haushaltsreferenzperson stammt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln), veröffentlicht im Juli 2025 als IW-Kurzbericht 59/2025 ("Wer besitzt wie viel? Ein Vermögensvergleich nach Altersgruppen") von Judith Niehues und Maximilian Stockhausen, auf Basis derselben PHF-Rohdaten. Die Zahlen in diesem Artikel stammen aus dieser Auswertung.
Zum Einordnen: Die nächste PHF-Erhebungswelle ist für 2026 angesetzt, ihre Ergebnisse liegen aber noch nicht vor – Stand August 2026 sind die 2023er-Zahlen die aktuellsten verfügbaren. Wenn du diesen Artikel liest und die Bundesbank inzwischen neue Zahlen veröffentlicht hat, können sich die Beträge nominal leicht verschoben haben, das grundsätzliche Muster (Vermögen steigt bis zur Rente, große Streuung, Median deutlich unter Durchschnitt) dürfte aber stabil sein.
Wichtige methodische Einordnung, die die Bundesbank selbst und das IW Köln offenlegen: Befragungen wie das PHF erfassen sehr hohe Vermögen (oberstes Prozent, Unternehmerfamilien, große Kapitalgesellschaften im Privatbesitz) tendenziell untererfasst – entweder weil diese Haushalte seltener teilnehmen oder ihr Vermögen nicht vollständig angeben. Für die hier gezeigten Werte bis zum 90. Perzentil ist der Effekt laut IW Köln gering, für den gesamtgesellschaftlichen Durchschnitt (dazu gleich mehr) spielt er aber eine Rolle. Vermögenswerte sind außerdem Selbstauskünfte der Befragten – Immobilien etwa werden nach eigener Einschätzung bewertet, nicht durch ein Gutachten.
Was zählt überhaupt als "Nettovermögen"?
Bevor die Tabelle Sinn ergibt, lohnt sich ein Blick auf die Definition. Zum Bruttovermögen zählt die Bundesbank im PHF: selbstgenutztes und vermietetes Immobilienvermögen, Finanzvermögen (Giro- und Sparkonten, Bausparguthaben, Fonds, Anleihen, Aktien, Guthaben in privaten Rentenversicherungen), Wertgegenstände und Fahrzeuge sowie unternehmerisches Betriebsvermögen zum Nettowert. Zieht man davon Hypothekenkredite und Konsumentenkredite ab, ergibt sich das Nettovermögen – also das, was übrig bliebe, wenn ein Haushalt alle Vermögenswerte zu Marktpreisen verkaufen und alle Schulden begleichen würde.
Nicht enthalten sind Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung oder aus umlagefinanzierten Beamtenpensionen – obwohl sie für die meisten Haushalte im Ruhestand die wichtigste Einkommensquelle darstellen. Das heißt: Die Nettovermögens-Statistik unterschätzt tendenziell die tatsächliche finanzielle Absicherung im Alter, weil ein zentraler Baustein der Altersvorsorge – der Rentenanspruch – gar nicht als "Vermögen" mitgezählt wird. Wer vor allem über die gesetzliche Rente abgesichert ist statt über Immobilien oder Wertpapiere, wird in dieser Statistik systematisch niedriger eingeordnet, obwohl die tatsächliche Absicherung im Alter davon unberührt bleibt.
Vermögen nach Altersgruppe: die Zahlen im Überblick
Die folgende Tabelle zeigt das Medianvermögen – also den Wert, bei dem exakt die Hälfte der Haushalte einer Altersgruppe mehr und die andere Hälfte weniger besitzt – sowie die Schwelle, ab der ein Haushalt zu den vermögendsten 10 Prozent seiner Altersgruppe zählt (90. Perzentil). Maßgeblich für die Alterszuordnung ist laut PHF-Methodik das Alter der ältesten Person im Haushalt, nicht ein Durchschnittsalter aller Haushaltsmitglieder.
| Altersgruppe | Median-Nettovermögen (2023) | Schwelle zu den oberen 10 % (90. Perzentil) |
|---|---|---|
| unter 35 Jahre | 17.300 € | ab 200.400 € |
| 35–44 Jahre | 75.500 € | ab 583.100 € |
| 45–54 Jahre | 146.200 € | ab 918.900 € |
| 55–64 Jahre | 241.100 € | ab 1.061.200 € |
| 65–74 Jahre | 193.300 € | ab 1.019.800 € |
| 75 Jahre und älter | 172.500 € | ab 767.700 € |
| Alle Haushalte | 103.100 € | ab 777.200 € |
*Quelle: Deutsche Bundesbank, PHF Welle 5 (Erhebung Mai 2023 – Februar 2024); Auswertung nach Altersgruppen: Niehues/Stockhausen, IW-Kurzbericht 59/2025, IW Köln. Nettovermögen = Bruttovermögen (Immobilien, Finanzvermögen, Wertgegenstände, Betriebsvermögen) abzüglich Hypotheken- und Konsumentenkrediten. Werte auf 100 Euro gerundet.*
Das Muster folgt dem, was Ökonomen ein Lebenszyklus-Muster nennen: In der Erwerbsphase wird Vermögen aufgebaut, im Ruhestand teilweise wieder abgebaut, um niedrigere Renteneinkommen auszugleichen. Deshalb ist die Altersgruppe 55–64 – kurz vor oder am Übergang in die Rente – die vermögendste, und die Werte gehen danach leicht zurück.
Zwei Dinge fallen an der Tabelle besonders auf. Erstens: Innerhalb der jüngsten Gruppe reichte 2023 bereits ein Nettovermögen von 100.000 Euro, um zum reichsten Fünftel dieser Altersgruppe zu gehören – der Median liegt mit 17.300 Euro deutlich darunter. Wer unter 35 ist und mehrere Zehntausend Euro angespart hat, liegt also bereits recht weit vorn im Vergleich zur eigenen Altersgruppe, auch wenn sich das im Alltag nicht so anfühlen mag. Zweitens: Die Spanne zwischen Median und oberen 10 Prozent ist in jungen Jahren relativ am größten – bei unter 35-Jährigen liegt das 90-Prozent-Perzentil beim rund Zwölffachen des Medians, bei 55- bis 64-Jährigen nur beim gut Vierfachen. Die Ungleichheit *innerhalb* einer Altersgruppe ist also bei Jüngeren tendenziell größer, selbst wenn die absoluten Euro-Abstände im Alter größer werden.
Median oder Durchschnitt? Warum der Unterschied so groß ist
Neben dem Median nach Altersgruppen veröffentlicht die Bundesbank auch das arithmetische Mittel (Durchschnitt) über alle Haushalte: Es lag 2023 bei rund 324.800 Euro – mehr als das Dreifache des Gesamtmedians von 103.100 Euro. Für einzelne Altersgruppen liegt keine vergleichbar aufbereitete Durchschnitts-Statistik vor, das grundlegende Prinzip gilt aber für jede Altersgruppe genauso wie für die Gesamtbevölkerung.
Der Grund für die riesige Lücke: Der Durchschnitt wird von einer kleinen Zahl sehr vermögender Haushalte stark nach oben gezogen. Wenn in einem Raum mit 99 Menschen, die je 50.000 Euro besitzen, eine Person mit 50 Millionen Euro Vermögen dazukommt, springt der Durchschnitt schlagartig auf über 500.000 Euro – obwohl sich am Vermögen der 99 anderen nichts geändert hat. Der Median bleibt davon unberührt, weil er einfach den mittleren Wert der sortierten Reihe angibt. Genau das passiert real: Ein sehr kleiner Anteil der Haushalte in Deutschland besitzt Unternehmensvermögen, große Immobilienportfolios oder Kapitalvermögen in Millionenhöhe, und diese Ausreißer heben den statistischen Durchschnitt weit über das, was ein "typischer" Haushalt besitzt.
Für die Einordnung der eigenen Situation ist der Median deshalb die deutlich aussagekräftigere Kennzahl – er beschreibt, wo die Mitte der Verteilung liegt, nicht wo das Mittel aus extrem ungleich verteilten Werten landet. Wenn du in einem Artikel oder einer Werbeanzeige liest, "die Deutschen besitzen im Schnitt X Euro", handelt es sich fast immer um den Durchschnitt – und der sagt über eine typische Person oder einen typischen Haushalt vergleichsweise wenig aus.
Ein Hinweis zur Größenordnung insgesamt: In realen, inflationsbereinigten Werten (Preisbasis 2010) ist der Median laut Bundesbank zwischen 2021 und 2023 sogar von 90.500 Euro auf 76.000 Euro gesunken – nominal (also in tatsächlichen Euro-Beträgen ohne Inflationsbereinigung) stieg er im selben Zeitraum. Das bedeutet: Die Kaufkraft des mittleren Haushaltsvermögens ist zuletzt eher gesunken, auch wenn die Eurobeträge auf dem Papier größer wirken. Alle Zahlen in diesem Artikel sind, sofern nicht anders angegeben, nominale 2023er-Werte, wie sie auch die Altersgruppen-Auswertung des IW Köln verwendet.
Ein weiterer Indikator für Ungleichheit, den das IW Köln berechnet hat, ist der sogenannte Gini-Koeffizient – ein Maß zwischen 0 (alle besitzen exakt gleich viel) und 1 (eine einzige Person besitzt alles). Er lag 2023 bei unter 35-Jährigen bei 0,83, bei 35- bis 44-Jährigen bei 0,80, bei 45- bis 54-Jährigen bei 0,73, bei 55- bis 64-Jährigen bei 0,63 und in den Altersgruppen ab 65 Jahren zwischen 0,66 und 0,68; über alle Haushalte hinweg lag er bei rund 0,724. Auch dieser Wert bestätigt das Bild aus dem Perzentil-Vergleich: Die Vermögensungleichheit ist innerhalb jüngerer Altersgruppen am größten und nimmt bis zur Gruppe der 55- bis 64-Jährigen spürbar ab, bevor sie im höheren Alter wieder leicht steigt.
Warum die Zahlen so stark streuen: Region, Wohneigentum, Haushaltsform
Ein Altersdurchschnitt ist ein grober Kompass, keine präzise Landkarte. Drei Faktoren erklären laut Bundesbank und IW Köln einen großen Teil der Unterschiede zwischen einzelnen Haushalten:
Ost-West-Gefälle. Laut Bundesbank lag das mittlere Nettovermögen in Ostdeutschland 2023 bei rund 35.900 Euro, in Westdeutschland bei rund 143.200 Euro – ein Faktor von etwa vier. Ein wesentlicher Treiber ist die Wohneigentumsquote: Sie lag im Osten bei rund 29 Prozent, im Westen bei rund 45 Prozent. Da selbstgenutztes Wohneigentum bei den meisten Haushalten der größte Vermögensposten ist, schlägt dieser Unterschied direkt aufs Nettovermögen durch.
Wohneigentum generell. Über alle Altersgruppen hinweg lag die Wohneigentumsquote im PHF 2023 bei 42 Prozent, bei unter 35-Jährigen aber nur bei 7 Prozent und bei 55- bis 64-Jährigen bei 56 Prozent. Mit Ausnahme der jüngsten Gruppe macht selbstgenutztes Wohneigentum bei allen Altersgruppen zwischen gut 40 und knapp 50 Prozent des Bruttovermögens aus – es ist damit der wichtigste einzelne Vermögensbaustein der meisten Haushalte, wichtiger als Aktien, Fonds oder Anleihen. Wer zur Miete wohnt, kann trotzdem vermögend sein, startet aber ohne diesen typischerweise größten Vermögensposten.
Haushaltsform. Vermögen wird pro Haushalt erfasst, nicht pro Kopf – und ein Zwei-Personen-Haushalt hat naturgemäß mehr Kapazität zum Sparen als ein Single-Haushalt. Der Unterschied ist beträchtlich: Bei unter 35-Jährigen liegt das Medianvermögen von Single-Haushalten laut IW Köln bei 9.800 Euro, bei zusammenlebenden Paaren bei 42.300 Euro. Bei 55- bis 64-Jährigen sind es 79.800 Euro (Singles) gegenüber 361.800 Euro (Paare) – mehr als das Vierfache. Ein Single-Haushalt mit 40.000 Euro Vermögen mit "dem Median" seiner Altersgruppe zu vergleichen, ohne die Haushaltsform zu berücksichtigen, führt deshalb leicht in die Irre.
Hinzu kommt: Rund 5,7 Prozent aller Haushalte hatten 2023 ein negatives Nettovermögen – ihre Schulden überstiegen ihr Vermögen. Bei unter 35-Jährigen waren es rund 11 Prozent, bei über 75-Jährigen nur rund 1 Prozent. Auch das ist Teil des normalen Lebenszyklus: Wer gerade ein Studium, eine Ausbildung oder den Berufseinstieg hinter sich hat, startet häufiger mit Null oder im Minus – das allein ist kein Alarmsignal.
Wo stehst du im Vergleich – und was heißt das eigentlich?
Diese Tabelle eignet sich zur groben Orientierung, nicht zur Bewertung des eigenen Lebens. Ein paar Dinge, die beim Einordnen helfen:
Die Zahlen sind Haushaltszahlen, keine Pro-Kopf-Werte. Ein Single-Vermögen von 30.000 Euro ist etwas anderes als ein Paar-Vermögen von 30.000 Euro, das sich zwei Personen teilen. Ob du mietfrei wohnst oder eine Immobilie abbezahlst, verändert deine Zahl massiv, unabhängig vom sonstigen Sparverhalten – Wohneigentum ist buchhalterisch Vermögen, auch wenn es kein liquides Geld ist. Eine Erbschaft, die vielleicht erst in 20 Jahren ansteht, taucht in keiner Alters-Statistik auf, verschiebt die eigene Zukunftsrechnung aber stark. Und schließlich: Der Median ist der Mittelwert einer riesigen, sehr heterogenen Gruppe – wer darunter liegt, "verliert" nicht gegen einen unsichtbaren Wettbewerb, sondern befindet sich schlicht in der unteren Hälfte einer breiten Verteilung, in der viele legitime Lebenswege (Weiterbildung, Elternzeit, Selbstständigkeit mit Anlaufverlusten, Umzug, Miete in einer teuren Stadt) zu niedrigeren Werten führen als etwa früher Immobilienkauf oder Erbschaft.
Eine praktische Alternative zum reinen Vergleich mit dem Bundesdurchschnitt ist der Blick auf die eigene Entwicklung über Zeit: Wächst das eigene Nettovermögen von Jahr zu Jahr, unabhängig vom absoluten Abstand zu einer Statistik? Wer beispielsweise mit 28 bei 5.000 Euro steht und mit 32 bei 22.000 Euro, hat unabhängig vom Median-Vergleich der eigenen Altersgruppe einen klaren, selbst erzeugten Fortschritt gemacht – und dieser Trend sagt für die eigene Zukunft oft mehr aus als ein einzelner Stichtags-Vergleich mit einer bundesweiten Stichprobe.
Wer wissen will, wie viel man für ein konkretes Ziel – etwa eine bestimmte Summe bis zum Ruhestand – monatlich zurücklegen müsste, findet dazu unabhängig von diesen Vergleichswerten praktische Rechenwege in unserem Artikel Wie viel muss ich monatlich sparen, um 1 Million zu erreichen? oder direkt im Sparplan-Rechner.
Was du tun kannst, wenn du "hinterherhinkst"
Wichtig vorab: Wer unter dem Median seiner Altersgruppe liegt, hat nichts falsch gemacht. Die oben beschriebenen Faktoren – Miete statt Eigentum, Single-Haushalt, keine Erbschaft, späterer Berufseinstieg, Region – erklären einen Großteil der Unterschiede, unabhängig vom individuellen Sparverhalten. Trotzdem gibt es ein paar Hebel, die laut ökonomischer Grundlagenlogik langfristig tatsächlich etwas bewegen – als allgemeine Einordnung, nicht als Empfehlung für deine konkrete Situation:
Zuerst ein Sicherheitspolster, dann investieren. Bevor Geld in Wertpapiere fließt, hilft ein Notgroschen für unvorhergesehene Ausgaben – Waschmaschine kaputt, Autoreparatur, kurzfristiger Einkommensausfall –, damit man nicht bei jedem kleinen Rückschlag ein Depot mit Verlust auflösen oder einen teuren Dispokredit nutzen muss. Wie groß dieses Polster sinnvollerweise ist und wo es am besten liegt, erklärt der Artikel Notgroschen aufbauen: Wie viel Reserve du wirklich brauchst.
Teure Schulden zuerst abbauen. Ein Dispokredit oder ein Ratenkredit mit zweistelligem Zinssatz kostet in der Regel spürbar mehr, als ein breit gestreutes Wertpapierdepot langfristig realistisch erwirtschaftet. Bevor eine nennenswerte Sparrate in ein Depot fließt, lohnt es sich meist, hochverzinste Schulden vorrangig zu tilgen – jeder eingesparte Zinseuro ist rechnerisch eine sichere "Rendite" in Höhe des jeweiligen Schuldzinses.
Früh anfangen schlägt hohe Beträge. Der sogenannte Zinseszinseffekt – Erträge werden mitverzinst und wachsen dadurch beschleunigt – wirkt umso stärker, je länger das Geld angelegt bleibt. Wer mit Anfang 20 mit kleinen, regelmäßigen Beträgen startet, hat allein durch die längere Laufzeit einen strukturellen Vorteil gegenüber jemandem, der später mit größeren Beträgen einsteigt. Wie dieser Effekt konkret funktioniert, erklärt der Artikel Zinseszinseffekt einfach erklärt.
Regelmäßig statt punktuell sparen. Ein monatlicher ETF-Sparplan macht Vermögensaufbau planbar, unabhängig vom Timing einzelner Einmalanlagen, und lässt sich schon mit kleinen Beträgen beginnen. Wie man eine für die eigene Situation passende monatliche Rate ermittelt, zeigt der Artikel Sparrate berechnen; einen Anbietervergleich für das dafür nötige Wertpapierdepot findest du in unserem Depot-Vergleich.
Kosten im Blick behalten. Laufende Gebühren – hohe Depotkosten, aktiv gemanagte Fonds mit hoher Verwaltungsgebühr, unnötige Versicherungsmäntel um eine reine Geldanlage – schmälern die Rendite über Jahrzehnte spürbar, weil sie jedes Jahr erneut anfallen und den Zinseszinseffekt gewissermaßen umgekehrt wirken lassen. Ein Blick auf die Gesamtkostenquote (TER) und die Depotgebühren vor dem Abschluss eines Produkts lohnt sich fast immer.
Breit streuen statt auf Einzelwerte setzen. Ein einzelnes Unternehmen oder ein einzelner Trend kann scheitern, unabhängig davon, wie überzeugend die Geschichte dahinter klingt. Breit diversifizierte Indexfonds (ETFs), die hunderte oder tausende Unternehmen gleichzeitig abbilden, verteilen dieses Einzelrisiko auf viele Schultern – das ersetzt keine Renditegarantie (die es an Kapitalmärkten grundsätzlich nicht gibt), reduziert aber das Risiko, dass der Ausfall eines einzelnen Titels den gesamten Vermögensaufbau zurückwirft.
Die richtige Reihenfolge kennen. Wer grundsätzlich klären möchte, in welcher Reihenfolge Notgroschen, Schuldenabbau, Altersvorsorge und Sparplan sinnvollerweise angegangen werden, findet eine ausführliche Einordnung im Artikel Vermögensaufbau für Anfänger: In welcher Reihenfolge du vorgehst. Wer sich für die Frage interessiert, was finanzielle Unabhängigkeit langfristig realistisch bedeutet und wie sich ein Zielvermögen dafür berechnen lässt, findet im Artikel Finanzielle Freiheit (FIRE) und im Rechner für finanzielle Freiheit weiterführende Informationen.
Keiner dieser Punkte ist eine Garantie für eine bestimmte Rendite oder ein bestimmtes Endvermögen – Kapitalmärkte schwanken, und die Vergangenheit ist keine Garantie für die Zukunft. Es handelt sich um allgemeine, in der Finanzbildung etablierte Grundprinzipien, keine auf deine individuelle Situation zugeschnittene Empfehlung.
Grenzen dieser Statistik – was die Zahlen nicht zeigen
Ein paar Einschränkungen, die man im Kopf behalten sollte, bevor man die Tabelle zu wörtlich nimmt. Die Daten sind eine Momentaufnahme aus 2023/2024 – seither haben sich Immobilienpreise, Zinsniveau und Aktienmärkte weiterbewegt, ohne dass es dazu schon eine neue, vergleichbar detaillierte amtliche Erhebung gibt. Die Alterszuordnung erfolgt über die älteste Person im Haushalt, nicht über ein Durchschnittsalter aller Bewohner:innen – ein 40-jähriger Haushalt mit 70-jährigem Elternteil im selben Haushalt zählt beispielsweise zur älteren Gruppe. Sehr wohlhabende Haushalte sind in freiwilligen Befragungen wie dem PHF strukturell untererfasst, weil sie seltener teilnehmen oder Vermögenswerte unvollständig angeben – die Bundesbank selbst weist darauf hin, dass die "wahren" oberen Vermögenswerte daher eher noch höher liegen dürften, als es die Befragungsdaten zeigen. Und schließlich: Ein Methodenwechsel gegenüber der vorherigen IW-Auswertung von 2020 macht einen direkten Vergleich über die Zeit hinweg schwierig – wer die eigene Entwicklung verfolgen will, sollte sich eher an der eigenen Sparquote und den eigenen Zielen orientieren als an Jahr-für-Jahr-Vergleichen mit sich verändernden Studien. Schließlich beruhen die Immobilienwerte im PHF auf Selbsteinschätzungen der Befragten, nicht auf Gutachten oder tatsächlichen Verkaufspreisen – in einem Markt mit stark schwankenden Preisen wie dem deutschen Immobilienmarkt der vergangenen Jahre kann das zu spürbaren Abweichungen von tatsächlich erzielbaren Verkaufspreisen führen, in beide Richtungen.
Zuletzt: Eine Umfrage unter rund 4.000 Haushalten ist statistisch repräsentativ für Gesamtdeutschland, aber die einzelnen Altersgruppen-Zellen der Tabelle enthalten am Ende jeweils nur einige Hundert befragte Haushalte. Das reicht für robuste Median- und Perzentilwerte auf Bundesebene, aber nicht für kleinteiligere Auswertungen etwa nach Bundesland, Berufsgruppe oder Bildungsabschluss innerhalb einer Altersgruppe – solche Kombinationen veröffentlicht die Bundesbank aus Datenschutz- und Fallzahlgründen bewusst nicht.
Fazit
Die Bundesbank-Zahlen zeigen ein erwartbares Muster: Vermögen steigt mit dem Alter bis kurz vor oder mit dem Renteneintritt und geht danach leicht zurück. Der Median – der aussagekräftigere Wert für eine "typische" Situation – liegt bei unter 35-Jährigen bei rund 17.300 Euro und bei 55- bis 64-Jährigen bei rund 241.100 Euro; der Durchschnitt über alle Haushalte liegt mit 324.800 Euro mehr als dreimal so hoch wie der Gesamtmedian von 103.100 Euro, weil eine kleine Zahl sehr vermögender Haushalte den Schnitt stark nach oben zieht. Region, Wohneigentum und Haushaltsform erklären einen erheblichen Teil der Unterschiede zwischen einzelnen Haushalten – wer unter dem Median der eigenen Altersgruppe liegt, hat damit nicht automatisch etwas falsch gemacht. Als groben Kompass für die eigene Situation kann die Tabelle trotzdem taugen, solange man sie nicht mit einer individuellen Bewertung verwechselt.
Häufige Fragen
Was ist ein realistischer Vergleichswert für mein Vermögen mit 30, 40 oder 50?
Laut Bundesbank-Vermögensbefragung (PHF, Stand 2023) lag das Medianvermögen unter 35-Jähriger bei rund 17.300 Euro, bei 35- bis 44-Jährigen bei rund 75.500 Euro und bei 45- bis 54-Jährigen bei rund 146.200 Euro. Das sind Haushaltswerte für ganze Haushalte, nicht pro Person, und sie hängen stark davon ab, ob ein Haushalt Wohneigentum besitzt, ob es ein Single- oder Paar-Haushalt ist und in welcher Region er liegt. Als grobe Orientierung sind sie brauchbar, als exakter Maßstab für eine individuelle Situation nicht.
Warum unterscheiden sich Median und Durchschnittsvermögen so stark?
Der Durchschnitt (arithmetisches Mittel) wird von einer kleinen Zahl sehr vermögender Haushalte nach oben gezogen – 2023 lag er laut Bundesbank bei rund 324.800 Euro, während der Median bei 103.100 Euro lag. Der Median gibt dagegen den mittleren Wert an, bei dem eine Hälfte der Haushalte mehr und die andere Hälfte weniger besitzt, und bleibt von einzelnen sehr hohen Vermögen unbeeinflusst. Für die Einordnung eines typischen Haushalts ist der Median deshalb aussagekräftiger als der Durchschnitt.
Zählt bei diesen Zahlen das Vermögen pro Person oder pro Haushalt?
Pro Haushalt. Die Bundesbank erhebt im PHF das gemeinsame Nettovermögen aller im Haushalt lebenden Personen und ordnet es nach dem Alter der ältesten Person im Haushalt zu. Ein Zwei-Personen-Haushalt hat dadurch systematisch höhere Werte als ein vergleichbarer Single-Haushalt – laut IW-Köln-Auswertung etwa mehr als das Vierfache in der Altersgruppe 55 bis 64 Jahre.
Wie aktuell sind die Bundesbank-Zahlen zum Vermögen nach Alter?
Sie stammen aus der fünften Welle der PHF-Erhebung, durchgeführt zwischen Mai 2023 und Februar 2024 und veröffentlicht im Bundesbank-Monatsbericht April 2025 sowie in einer vertiefenden Altersgruppen-Auswertung des IW Köln vom Juli 2025. Die nächste Erhebungswelle ist für 2026 angesetzt, ihre Ergebnisse lagen zum Zeitpunkt dieses Artikels (August 2026) noch nicht vor.
Warum ist die Vermögensungleichheit bei jüngeren Menschen laut Statistik größer als bei älteren?
Laut IW-Köln-Auswertung liegt das 90-Prozent-Perzentil (die Schwelle zu den oberen 10 Prozent) bei unter 35-Jährigen beim rund Zwölffachen des Alters-Medians, bei 55- bis 64-Jährigen dagegen nur beim gut Vierfachen. Ein Teil junger Haushalte hat schon früh größeres Vermögen etwa durch Erbschaft, Immobilienkauf oder hohes Einkommen, während ein anderer Teil noch am Anfang steht oder Ausbildungsschulden hat – dadurch ist die relative Streuung in jungen Jahren größer, auch wenn die absoluten Euro-Beträge im Alter weiter auseinanderliegen.
Sind in der Bundesbank-Statistik auch Rentenansprüche als Vermögen mitgezählt?
Nein. Das im PHF erfasste Nettovermögen umfasst Immobilien, Finanzvermögen, Wertgegenstände und Betriebsvermögen abzüglich Schulden – nicht aber Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung oder aus umlagefinanzierten Pensionen. Wer seine Altersvorsorge stark über die gesetzliche Rente statt über Immobilien oder Wertpapiere abgesichert hat, erscheint in dieser Statistik dadurch systematisch vermögensärmer, als es der tatsächlichen Absicherung im Ruhestand entspricht.
Ich liege unter dem Median meiner Altersgruppe – ist das ein Problem?
Nicht zwangsläufig. Ob man zur Miete wohnt statt Wohneigentum zu besitzen, allein oder mit Partner:in lebt, im Osten oder Westen Deutschlands wohnt oder eine Erbschaft erhalten hat, verändert das Vermögen unabhängig vom eigenen Sparverhalten teils massiv. Diese Statistik ist eine grobe Orientierung, keine Bewertung einzelner Lebenswege – wer Notgroschen, Schuldenabbau und regelmäßiges Sparen im Blick behält, kann unabhängig vom aktuellen Stand langfristig etwas verändern.